Ad-hoc-Papier von Leopoldina

Ad-hoc-Papier von Leopoldina: Corona-Medikament in vier bis sechs Monaten?

Halle (Saale) - Nach Ansicht der Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften in Halle dauert die Entwicklung von Medikamenten gegen die vom Coronavirus ausgelöste Atemwegserkrankung Convid-19 mindestens vier bis sechs Monate - wenn dabei Substanzen eingesetzt werden, die bereits für andere Indikationen zugelassen sind oder kurz vor der Zulassung stehen. Impfstoffe könnten in neun bis zwölf Monaten ...

23.03.2020, 20:18

Nach Ansicht der Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften in Halle dauert die Entwicklung von Medikamenten gegen die vom Coronavirus ausgelöste Atemwegserkrankung Convid-19 mindestens vier bis sechs Monate - wenn dabei Substanzen eingesetzt werden, die bereits für andere Indikationen zugelassen sind oder kurz vor der Zulassung stehen. Impfstoffe könnten in neun bis zwölf Monaten vorliegen.

Leopoldina empfiehlt „temporären Shutdown“ wegen Coronavirus

Das steht in einer Ad-hoc-Stellungnahme, die die Leopoldina am Sonnabend veröffentlich hat. Einen Tag vor der Entscheidung der Bundesregierung, ein weitgehendes Kontaktverbot auszusprechen. Die Nationalakademie geht in ihrer Stellungnahme auch darauf ein, dass weitere Schutzmaßnahmen notwendig sind.

„Es deutet sich an, dass zum jetzigen Zeitpunkt ein deutschlandweiter temporärer Shutdown (rund drei Wochen) mit konsequenter räumlicher Distanzierung aus wissenschaftlicher Sicht empfehlenswert ist“, erklären die Leopoldina-Forscher. Dabei müssten „notwendige und gesundheitserhaltende Aktivitäten“ weiterhin möglich bleiben.

Mit einem „temporären Shutdown“ habe die Arbeitsgruppe der Leopoldina eine bundeseinheitliche stringente Ausgangsbeschränkung bis mindestens nach Ostern diskutiert. Das bedeute kein Arbeitsverbot und kein Einkaufsverbot von Lebensmitteln. Ziel sei die konsequente Nutzung von Homeoffice, so die Leopoldina.

Leopoldina lobt Eindämmungsmaßnahmen

Alle Anstrengungen der nächsten Wochen und Monate sollten nach Ansicht der Leopoldina darauf gerichtet werden, „dass pharmazeutische Interventionen und Schutzmaßnahmen im öffentlichen Raum verfügbar werden und Kapazitäten zur Testung von Verdachtsfällen und Einreisenden vorhanden sind“. Die bereits ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie seien dringend erforderlich gewesen.

Dabei gehe es um die Eindämmung der Epidemie, den Schutz der vulnerablen, also besonders gefährdeten Bevölkerung sowie eine gezielte Kapazitätserhöhung im medizinischen Versorgungssystem.

Mehr Selbstschutz gegen Corona gefordert

Unabhängig davon, welche Gesamtmaßnahmen getroffen werden, empfiehlt die Leopoldina eine Reihe von gesundheitspolitischen Maßnahmen. So müsse die Versorgung von Menschen sichergestellt werden, die auf eine ambulante oder stationäre Behandlung angewiesen sind. Das Bewusstsein für den Selbstschutz müsse weiter erhöht werden. Außerdem müsse die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten beschleunigt werden.

Der Leopoldina gehören rund 1.600 renommierte Wissenschaftler aus der ganzen Welt an. Sie berät die Politik in gesellschaftlich wichtigen Fragen. (mz)