Messe Messe: Zwischen Status und Stau: Neuheiten der Auto China

Peking/dpa. - Was inden acht Hallen ausgestellt wird, ist dabei so gegensätzlich wie dasRiesenreich selbst: Auf der einen Seite dominieren Glanz und Gloriafür die Besserverdiener und Superreichen, die das Auto längst alsStatussymbol entdeckt haben. Auf der anderen Seite stehen etlicheKleinwagen, die es ihren Fahrern erleichtern sollen, im immer dichterwerdenden Verkehr der gut 300 Millionenstädte Chinas zu bestehen.
Dazwischen positioniert sind jede Menge Geländewagen vomBonsai-Jeep bis zum gestreckten Land Rover - als hätte in China nochniemand von Straßenbau und SUV-Kritik gehört. Ein Thema allerdingseint die Extreme: die Suche nach alternativen Antrieben. Denn egal obPrunklimousine oder Stadtflitzer: An jedem zweiten Messemodell klebtein Schild, das auf Elektro- oder zumindest Hybrid-Technik hinweist.
Längst müssen sich die Chinesen nicht mehr hinter den Importeurenverstecken: Die Stände bunter, die Musik lauter und die Modelsfreizügiger - in diesem Umfeld zeigen Konzerne wie Geely, BYD oderBAIC gleich Dutzende neuer Autos. Zwar gibt es kaum internationaleInformationen, und Englisch spricht an den Ständen sowieso keiner.Doch was man auf den Drehtellern sieht und auf den Schautafelnentziffern kann, reicht allemal für eine eindrucksvolle PS-Parade.
Auf dem Rundgang entdeckt der Messebesucher Prunklimousinen wieden Geely GE mit einem einzelnen Sessel hinten sowie einem Plug-in-Hybrid unter der Haube. Und er sieht Wagen wie den jüngsten Hongqi,mit dem der Hersteller First Automotive Works an Regierungsfahrzeugeaus den Fünfzigern erinnert. Ausgestellt sind aber vor allem etlicheelektrische Kleinwagen, die teils einen ganz soliden Eindruck machen.
Zwar wirken Entwürfe wie der Green-I bei Changan, der Zu von IAToder der mit Flügeltüren und Solarzellen bestückte IG von Geely wiegroße Spielzeuge. Doch Autos wie der Zero von MG, der E-Coo von FAWoder der EV von BAIC sehen aus, als könnten sie schon bald durchPeking und Shanghai stromern. Wie weit sie dabei kommen werden, istaber ungewiss. Denn viel mehr als grüne Aufkleber und rote Ladekabelhaben die meisten Elektro-Exoten auf der Messe noch nicht zu bieten.Und der Blick unter die Haube bleibt Besuchern in der Regel verwehrt.
Neben Eigenständigem stehen in Peking auch dieses Jahr zahlreicheKopien und Plagiate: die chinesischen Ausgaben von Smart und Minietwa oder freizügig imitierte Nachbauten von Mercedes M-Klasse undMitsubishi Colt. Dazu kommen Deja-vu-Erlebnisse anderer Art: GeneralMotors macht für China aus dem Opel Astra den Buick Excelle, derRover 75 lebt als Roewe 750 weiter. Und kaum sind die Rechte an Saab9-3 und 9-5 nach China verkauft, stehen die beiden Schweden auchschon mit neuem Gesicht als BAIC C60 und C71 auf der Messe.
Weil die Importeure ebenfalls mit vollen Containern gekommen sind,gibt es in Peking auch viele Premieren von internationaler Relevanz -vor allem bei deutschen Herstellern. Dazu gehören die für denchinesischen Markt entwickelten langen Versionen von BMW 5er undMercedes E-Klasse - oder auch der überarbeitete VW Phaeton. Vor allemist die Mercedes-Studie «Shooting Break» zu sehen. Sie ist nachUnternehmensangaben der sehr konkrete Vorbote der nächsten Generationdes CLS. Er wird zum Winter als viertüriges Coupé und danach binnen24 Monaten tatsächlich auch als sportlicher Kombi an den Start gehen.
Neben den Chinesen und Deutschen haben andere Marken in Pekingeinen schweren Stand. Nur US-Amerikaner drängen sich noch auf diePremierenbühne: zum einen Chevrolet mit einer elektrischangetriebenen Großraumlimousine auf Basis des Volt und zum anderenFord mit der Kleinwagen-Studie «Start-Concept». Den quietschrotenStadtflitzer aus dem kalifornischen Ford-Designstudio wünscht sichmancher Messebesucher schnellstmöglich als Ersatz für den Ka.Allerdings machen die Entwickler solche Hoffnungen schnell zunichte:Viel mehr als der neue Dreizylinder-Motor, so heißt es am Stand, wirdvon diesem Auto nicht in die Serie gehen.
Das dürfte «Start-Concept» mit vielen Studien auf der Messe gemeinhaben. Denn die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt: Kaum sind dieHallen in Peking wieder geschlossen, sind viele der vermeintlich sospektakulären Schaustücke schon vergessen. Die Serienfassungen derStudien von 2008 jedenfalls sucht man 2010 in der Mehrzahl vergebens.