Kultur

Kultur: Das rotierende Theater

Die Technik funktionierte und das Studententheater ABundZUspiel war geboren. Mit "Parzival" nach Tankred Dorst stand im Winter 2003 die erste Premiere auf dem Programm.

Von Michael Handel 13.03.2006, 07:37

Die Technik funktionierte und das Studententheater ABundZUspiel war geboren. Mit "Parzival" nach Tankred Dorst stand im Winter 2003 die erste Premiere auf dem Programm.

„Eigentlich dachte ich, dass der Traum sofort wieder platzt“, sagt Kristina Schippling. Er tat es bis heute nicht. Und so erlebte im vergangenen Februar das neueste Werk seine Premiere: „Einsam“ von Börje Lindström. Ein Kinderstück über das Alleinsein, über die harte menschliche Schale und wie diese durch Herzlichkeit gebrochen werden kann. 18 Studierende quer durch alle Fakultäten sind derzeit bei ABundZUspiel mit dabei. Für dieses Stück, das aus einem Kleinkunstprojekt entstand, wurden allerdings nur zwei benötigt.

Seit der Gründung wurden drei weitere Stücke auf die Bühne gebracht: „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind, „Bei geschlossenen Türen“ von Jean Paul Sartre und „Andorra“ von Max Frisch. Bei jeder Inszenierung führte ein anderer aus der Gruppe Regie, bekam ein anderer Schauspieler die Hauptrolle. Dieses Rotationsprinzip zeichnet ABundZUspiel aus. „Ich habe viele Erfahrungen mit schlechten Leitern und hierarchischen Gruppen gemacht“, sagt Kristina Schippling „deswegen haben wir uns für dieses System entschieden.“ Ein stetiger Balanceakt, da mitunter der neue Leiter sich seine Führungsposition erst erarbeiten muss. Doch der Leitungswechsel hält die Gruppe in Bewegung. Und außerdem lerne man, auch in kleinen Rollen gut zu spielen, sagt Schippling. „Wichtig ist, dass man als Schauspieler etwas innerlich erlebt. Man kann nur spielen, was man fühlt“, so die 22-Jährige weiter. Diesem Gefühl kommt man in den wöchentlichen Proben näher. Übungen zum Körperbewusstsein und Entspannungsspiele sollen helfen, in die Rolle ganz einzutauchen.

Wer das fertige Theaterstück erleben möchte, muss sich in die theatrale am Waisenhausring begeben. Dort ist die Spielstätte von ABundZUspiel. Finanzielle Unterstützung gibt es von der theatrale zwar keine, die Kosten für Requisiten und Kostüme werden von den Eintrittspreisen gedeckt, aber in den dortigen Räumen haben die Studierenden ein künstlerisches Zuhause gefunden. Für Schippling ist die Schauspielerei „fast ein zweites Studium, das weit über ein Hobby hinausgeht“. Allerdings sahen nicht alle ihr Engagement in der Vergangenheit so ernst. Manches Mal ging die studentische Lockerheit so weit, dass ein Schauspieler kurz vor der Premiere keine Lust mehr hatte und ausstieg. Die Gründung eines Vereins soll nun mehr Verbindlichkeit schaffen. Doch der „organisatorische Kram“, wie Schippling es nennt, raubt viel Zeit. Ihr bisher letzter Kinobesuch liegt lange zurück und ein gemütliches Kaffeetrinken ist selten drin. Trotzdem möchte sie die Schauspielerei nicht missen: „Hier kann ich ganz unbekannte Seiten von mir entdecken.“ Als nächstes wird sie dies in einem Märchen tun. Anfang des Semesters ist Probenstart. Dann geht er weiter, der Traum von ABundZUspiel.