Entscheidung der TU Chemnitz Voigt soll Doktortitel verlieren - Klage angekündigt
Die TU Chemnitz entzieht Mario Voigt den Doktortitel. Zu Unrecht, findet der Ministerpräsident und will dagegen klagen. Er kritisiert neue Bewertungsmaßstäbe im laufenden Verfahren.

Erfurt/Chemnitz - Die Technische Universität Chemnitz hat Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) seinen Angaben zufolge den Doktorgrad aberkannt. Voigt kündigte gegen die Entscheidung der Philosophischen Fakultät Klage vor dem Verwaltungsgericht an. Die von der Fakultät beanstandeten Stellen bezögen sich auf 2,58 Prozent der Wörter seiner Arbeit, erklärte Voigt dazu. „Der wissenschaftliche Kern meiner Arbeit ist von den Vorwürfen nicht betroffen.“ Die TU Chemnitz äußerte sich bislang nicht dazu.
Bekannter Politikwissenschaftler ist Doktorvater
Voigt promovierte im Jahr 2008 mit der - größtenteils in den USA erstellten - Doktorarbeit „Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf. George W. Bush gegen John F. Kerry“. Doktorvater ist der Chemnitzer Politikwissenschaftler Eckhard Jesse, der für sein umstrittenes Bild des Hufeisens für Links- und Rechtsextremismus bekannt wurde. Vorwürfe, dass Voigt in seiner Doktorarbeit unsauber gearbeitet haben soll, kamen in der Zeit des Wahlkampfs vor der Landtagswahl 2024 auf.
Laut der Anwälte von Voigt beziehen sich die Vorwürfe zu der Dissertation darauf, dass Voigt von ihm zitierte Quellen nicht im Original ausgewertet, sondern blind aus Sekundärliteratur übernommen haben soll. „Bemerkenswert ist dabei, dass die Vorwürfe überwiegend keine angeblich ungekennzeichneten Übernahmen (Plagiate) betreffen“, hieß es in der Mitteilung. Die Vorwürfe hätten vollständig widerlegt werden können. Es habe nachgewiesen werden können, dass Voigt seine Arbeit vollständig selbst verfasst habe, so seine Anwälte.
Strengere Regeln im laufenden Verfahren?
Voigt reagierte in einer Mitteilung mit Unverständnis zur Entscheidung der Universität. „Der von der Universität eigens eingeschaltete unabhängige Sachverständige hat eindeutig bestätigt, dass meine Dissertation den wissenschaftlichen Anforderungen entspricht. Warum die Universität ihrem eigenen Gutachten nicht folgt, ist für mich nicht nachvollziehbar“, teilte der 48-Jährige mit.
Zudem kritisierte der Regierungschef das Vorgehen in dem Prüfverfahren. Demnach habe der externe Gutachter im Februar 2025 ein Votum gegen eine Aberkennung des Doktorgrades abgegeben. Anschließend seien im Mai 2025 neue Bewertungsmaßstäbe für Plagiatsverfahren eingeführt und auf seine Dissertation angewandt worden. „In einem laufenden Verfahren die Spielregeln nachträglich und einschneidend zu verändern, ist – zurückhaltend formuliert – höchst ungewöhnlich“, so Voigt.
Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke legte Voigt den Rücktritt nahe. Voigt habe sich nicht nur einen Doktortitel erschlichen, sondern faktisch auch das Amt des Ministerpräsidenten, erklärte Höcke, dessen Partei im Landtag die stärkste Kraft ist. „Mario Voigt hat nicht nur seine Wähler getäuscht, er hat nicht nur die Würde der Universität Chemnitz beschädigt, sondern vor allem dem Freistaat Thüringen einen schweren Schaden zugefügt.“
Die Linke - die neben der AfD die Opposition im Landtag stellt - erklärte nur, das Ende des Klageverfahrens gespannt abzuwarten. Solange werde man sich mit drängenden Fragen der Menschen befassen.