Hü und hott zugleich

Hü und hott zugleich: Die CDU schleppt weiter alte Konflikte mit sich herum

Halle (Saale) - Es ist ein glänzendes Ergebnis, das die CDU ihrem Spitzenkandidaten Reiner Haseloff beschert hat. Seit zehn Jahren regiert der Wittenberger das Land, und noch immer sind 95 Prozent der Parteitagsdelegierten der Meinung, dass es keinen besseren Kandidaten gibt. Das ist eindrucksvoll. Und dennoch kann es nicht die Konfliktlinien verdecken, die sich durch die größte Regierungspartei ...

Es ist ein glänzendes Ergebnis, das die CDU ihrem Spitzenkandidaten Reiner Haseloff beschert hat. Seit zehn Jahren regiert der Wittenberger das Land, und noch immer sind 95 Prozent der Parteitagsdelegierten der Meinung, dass es keinen besseren Kandidaten gibt. Das ist eindrucksvoll. Und dennoch kann es nicht die Konfliktlinien verdecken, die sich durch die größte Regierungspartei ziehen.

Viele Christdemokraten rechnen es Haseloff hoch an, dass er unermüdlich die Brandmauer nach rechts verteidigt und jegliche Annäherung an die AfD ausschließt. Ja-Stimmen dürfte er aber auch von denen bekommen haben, die das anders sehen, die aber niemandem sonst in der Partei zutrauen, die Staatskanzlei zu verteidigen. Die CDU kann da ungeheuer pragmatisch sein. Auch Haseloffs Kritiker sammeln sich jetzt hinter dem Spitzenkandidaten. Die Machtmaschine CDU funktioniert.

Ein Blick auf die übrigen Kandidaten zeigt aber, dass alte Probleme nicht gelöst sind, sondern auch die nächste Landtagsfraktion beschäftigen werden. Da ist zum einen der rechtsnationale Flügel, der mit Lars-Jörn Zimmer und Ulrich Thomas weit vorn auf der Liste präsent ist. Alle CDU-Mitglieder, die die Kenia-Koalition satt haben und größere Gemeinsamkeiten mit der AfD sehen, dürften sich darin bestärkt fühlen. Uneingelöst ist aber auch das Versprechen der CDU, das Bild einer Männerpartei abzulegen. Eine Liste mit „ausreichend Frauen“ hatte Haseloff schon vor Jahren angekündigt - das gelang weder 2016 noch jetzt.

Die Partei will sich verlässlich in der Mitte positionieren und modern wirken, setzt aber immer auch gegensätzliche Signale. Sie sagt hü und hott zugleich. Demnächst will die CDU einen neuen Vorsitzenden wählen. Er hat viel Arbeit vor sich. (mz)

Den Autor erreichen Sie unter hagen.eichler@mz.de