Panne bei Impfzertifikaten

Apotheken stoppen Ausgabe des digitalen Impfausweises

Mitten in der Urlaubszeit stoppen Apotheken die Ausgabe des digitalen Impfausweises für das Handy: Das System ist nicht sicher vor Fälschern.

Von Jan Schumann
Apotheken stellen vorerst keine Impfzertifikate mehr aus.
Apotheken stellen vorerst keine Impfzertifikate mehr aus. (Foto: Foto: Christophe Gateau/dpa)

Magdeburg/MZ - Für Urlauber ist diese Nachricht in der Coronazeit eine Belastung: Aufgrund einer Sicherheitslücke stoppen Deutschlands Apotheken auf unbestimmte Zeit die Ausstellung digitaler Impfnachweise. „Wann die Ausstellung von Zertifikaten wieder aufgenommen wird, steht noch nicht fest“, räumte der Deutsche Apothekerverband am Donnerstag ein.

Auch Sachsen-Anhalt ist vom Stopp betroffen, keine der 577 Apotheken im Land kann derzeit die digitalen Impfpässe für das Handy ausstellen.

Digitaler Impfnachweis soll Reisen erleichtern

Eigentlich sollte der Digitalpass gerade in der Urlaubszeit eine bequeme Art sein, Corona-Impfungen verlässlich nachzuweisen: Ein Blick auf das Handy genügt, Impfpässe aus Papier müssten stattdessen nicht mehr ständig bereitgehalten werden. So sollte unter anderem das Reisen in der Europäischen Union unkomplizierter werden. Auch deshalb, weil ein Impfnachweis in vielen Staaten bereits jetzt vorgesehene Corona-Tests ersetzt, etwa bei Konzerten und Sportereignissen.

Deshalb hatte das Bundesgesundheitsministerium im Juni den digitalen Impfpass an den Start gebracht: Wer mit seinem Papierpass in die Apotheke kam, konnte sich dort kostenfrei ein Digitalzertifikat erstellen lassen. Eingescannt in die Corona-Warnapp oder die CovPass-App auf dem Handy gilt dieser Nachweis als vollwertiger Ersatz für das Vorzeigen des Papierausweises. Für viele Urlauber gilt das als gute Lösung, weil so der Papierausweis nicht verschleißt. Zudem können sie das Digitalzertifikat bei Ausweisverlust als Reserve nutzen.

Sicherheitslücke bei Vergabe von Impfzertifikaten

Auslöser der aktuellen Zertifikatpanne ist laut Apothekerverband eine Recherche des „Handelsblatts“. Die Zeitung wollte zusammen mit IT-Experten die Sicherheit der Systeme testen. Die Spezialisten erlangten laut Apothekerverband tatsächlich Zugang und stellten unbefugt Impfzertifikate aus. Sie hätten sich zuvor mit „professionell gefälschten Dokumenten“ als Apothekenbetreiber ausgegeben, so der Verband. Mit falscher Identität seien zwei Zertifikate erstellt worden.

Theoretisch bedeutet die entdeckte Sicherheitslücke: Professionelle Betrüger könnten serienweise falsche Impfbestätigungen ausstellen - völlig egal, ob tatsächlich jemals eine Anti-Corona-Spritze gesetzt wurde. Zumindest in der Theorie könnten diese Zertifikate auch auf dem Schwarzmarkt verkauft werden.

Bislang keine Hinweise auf Fälschungen

Der Apothekerverband betont aber: Die Erstellung gefälschter Zertifikate über die Systemlücke sei nur „mit erheblichem Aufwand und krimineller Energie“ denkbar. Nach Rücksprache mit dem Gesundheitsministerium in Berlin stoppte der Apothekerverband sicherheitshalber die Ausgabe digitaler Zertifikate bis auf weiteres.

Zugleich gab der Verband aber vorsichtig Entwarnung: Erste Prüfungen hätten bis Donnerstagmittag keine weiteren Hinweise auf Fälschungen ergeben. „Daher ist davon auszugehen, dass die über 25 Millionen Impfzertifikate, die bisher über Apotheken ausgestellt worden sind, alle von rechtmäßig registrierten Apotheken ausgestellt wurden.“

Impfzentren nicht betroffen

An anderer Stelle können indes weiter digitale Zertifikate ausgestellt werden: Das Gesundheitsministerium in Magdeburg versicherte, in den Impfzentren der Landkreise und kreisfreien Städte funktioniere dies weiterhin. Das Ministerium unter Petra Grimm-Benne (SPD) bekräftigte zudem, auch der gelbe Papierpass genüge weiter, eine Covid-19-Immunisierung nachzuweisen.

Vorsicht sei aber bei DDR-Impfpässen geboten: Diese könnten womöglich nicht mehr international anerkannt werden. Das Ministerium rät, das gelbe Modell der Weltgesundheitsorganisation zu nutzen.