Nach Laschet-Kür

CSU zählt Hunderte Anträge auf Online-Mitgliedschaft

In fünf Monaten wird gewählt - und in CDU und CSU hat der Machtkampf um die Kanzlerkandidatur tiefe Wunden hinterlassen. Raufen sich Laschet und Söder zusammen? Die CSU wirbt bundesweit um Mitglieder.

Von dpa
Nicht wenige in der CDU - und in der CSU sowieso - hätten sich Markus Söder statt Armin Laschet als Kanzlerkandidaten gewünscht. Michael Kappeler/dpa

Berlin/München

Nach der Niederlage von CSU-Chef Markus Söder gegen den CDU-Vorsitzenden Armin Laschet im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur ist die Nachfrage nach Online-Mitgliedschaften bei der CSU „sprunghaft“ gestiegen.

Man komme bei der Bearbeitung kaum hinterher, teilte die CSU am Donnerstag auf Nachfrage mit. In den vergangenen Tagen seien mehrere hundert Anträge eingegangen - aus ganz Deutschland. Konkrete Zahlen könne man wegen der zeitversetzten Erfassung und Bearbeitung der Anträge noch nicht nennen. Der Unionsnachwuchs von der Jungen Union (JU), der sich mehrheitlich für Söder ausgesprochen hatte, forderte nach der Entscheidung für Laschet einen Schulterschluss der Mutterparteien CDU und CSU.

Die CSU bietet schon seit September 2020 Online-Mitgliedschaften an, und das bundesweit. „Wir freuen uns, dass dieses Angebot nun vermehrt nachgefragt wird“, sagte Generalsekretär Markus Blume. Das erste Online-Mitglied sei damals CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak gewesen. CSU-Online-Mitglieder können sich digital einbringen, bekommen einen exklusiven Zugang zu Informationen, können sich an Online-Umfragen und -Schulungen beteiligen und an digitalen Parteievents teilnehmen. Anders als ein Vollmitglied gehört ein Online-Mitglied aber keinem Ortsverband der CSU an und hat kein innerparteiliches Stimmrecht.

Den Zuspruch für Söder will sich die CSU offenbar zunutze machen: Unter anderem auf Twitter wirbt sie offensiv für die Möglichkeit der Online-Mitgliedschaft. „Markus Söder unterstützen? Bei uns möglich!“, heißt es in einem CSU-Tweet vom Donnerstag. Eine offizielle Reaktion aus der CDU auf die Aktion gab es nicht.

In der niedersächsischen CDU gab es nach dem Votum für Laschet zwar mehr Aus- als Eintritte. Von einer Austrittswelle könne aber keine Rede sein, sagte ein Parteisprecher in Hannover. Konkrete Zahlen gab es nicht. CDU-Landeschef Bernd Althusmann hatte sich früh für Laschet positioniert - Beratungen mit den CDU-Kreisvorsitzenden hatten am Sonntagabend aber ein anderes Stimmungsbild ergeben. Am Mittwochabend gab es eine Online-Aussprache Laschets mit dem CDU-Landesvorstand und den Kreisvorsitzenden. Zu den Ergebnissen wurde zunächst nichts bekannt. In Niedersachsen hat die CDU rund 55.700 Mitglieder.

JU-Chef Tilman Kuban sagte bei einem gemeinsamen Online-Auftritt mit dem Vorsitzenden der Jungen Union Bayern, Christian Doleschal, es sei nun Aufgabe aller, mit Laschet die Unionsgemeinschaft „wieder zusammenzuführen und dafür zu sorgen, dass es keine Verlierer in der Union gibt“. Die JU habe mit Söder zwar mehrheitlich einen anderen Kandidaten unterstützt - „aber auch immer deutlich gemacht, dass wir gemeinsam mit CDU und CSU und dem Kanzlerkandidaten in den Wahlkampf ziehen werden“, sagte Kuban. Es zeichne Söder aus, dass er bereit sei, für die Union gemeinsam zu kämpfen. Söder werde gebraucht. Nach der Entscheidung habe es einige Austritte aus der JU gegeben.

Doleschal dankte den CDU-Landesverbänden für ihre Unterstützung für den bayerischen Ministerpräsidenten. Es sei nicht selbstverständlich, dass diese sich so deutlich positioniert hätten. Nun sei es wichtig, dass auch von Laschet und der CDU-Zentrale Signale kämen, damit die Stimmung gedreht werde. Söder sei ein Teamspieler, er werde die CDU unterstützen, wie dies die gesamte CSU tun werde.

Die JU macht sich schon seit längerem für eine Amtszeitbegrenzung des Kanzlers auf drei Amtsperioden stark - die Forderung wurde in einen 26 Punkte starken Forderungskatalog für ein Regierungsprogramm von CDU und CSU aufgenommen, der nun mit den Mitgliedern beraten werden soll. In dem Papier heißt es unter anderem, Deutschland solle wieder zu einem „Aufstiegsland für alle“ gemacht werden. Dies solle mit Bildung, Steuererleichterungen für kleine und mittlere Einkommen, Innovationen für neue Geschäftsmodelle und einer schlankeren, schnelleren und digitaleren Verwaltung möglich werden.