Chronologie

Chronologie: Der Übernahmekampf Porsche-Volkswagen und seine Folgen

Stuttgart/dapd. - Der gescheiterte Versuch der VW-Übernahme durch den viel kleineren Sportwagenhersteller Porsche hat mehrere juristische Nachspiele: Das Landgericht Stuttgart verhandelt derzeit eine Anklage gegen den ehemaligen Porsche-Finanzvorstand Holger Härter wegen Kreditbetrugs. In Braunschweig endete am Mittwoch ein erster Zivilprozess von Anlegern gegen Porsche mit Abweisung der Klagen auf Schadenersatz. Die Kläger hatten beim Übernahmeversuch hohe Summen verloren. Nachfolgend eine Chronik des Übernahmekampfs und seiner gerichtlichen ...

Der gescheiterte Versuch der VW-Übernahme durch den viel kleineren Sportwagenhersteller Porsche hat mehrere juristische Nachspiele: Das Landgericht Stuttgart verhandelt derzeit eine Anklage gegen den ehemaligen Porsche-Finanzvorstand Holger Härter wegen Kreditbetrugs. In Braunschweig endete am Mittwoch ein erster Zivilprozess von Anlegern gegen Porsche mit Abweisung der Klagen auf Schadenersatz. Die Kläger hatten beim Übernahmeversuch hohe Summen verloren. Nachfolgend eine Chronik des Übernahmekampfs und seiner gerichtlichen Folgen.

25. September 2005: Porsche beteiligt sich mit rund 20 Prozent an VW. Der Einstieg wird mit gemeinsamen Projekten begründet.

16. September 2008: Porsche sichert sich wesentlichen Einfluss bei Volkswagen. Mit der Aufstockung der VW-Anteile auf 35,14 Prozent ist gegen den Willen der Stuttgarter bei VW nichts mehr möglich.

26. Oktober 2008: Porsche kündigt an, den Anteil an VW im Jahr 2008 auf 50 Prozent und im Jahr 2009 auf 75 Prozent aufstocken zu wollen und einen Beherrschungsvertrag anzustreben. Der Sportwagenbauer hält nun 42,6 Prozent der VW-Stammaktien sowie 31,5 Prozent in Optionen.

28. Oktober 2008: Der Kurs der VW-Aktie steigt kurzfristig über 1.000 Euro, fast das Zehnfache des Kurses vom Jahresbeginn.

25. März 2009: Porsche sichert sich zur Aufstockung seiner VW-Anteile eine neue Kreditlinie von zehn Milliarden Euro. Der Kreditvertrag erlaubt sogar ein Volumen von 12,5 Milliarden Euro.

6. Mai 2009: Das Blatt wendet sich: Nach einem Treffen der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch verzichtet der überschuldete Sportwagenbauer auf eine VW-Übernahme und will nun stattdessen einen gemeinsamen Konzern gründen.

11. Mai 2009: VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch entzieht Porsche-Chef Wendelin Wiedeking das Vertrauen.

23. Juli 2009: Wiedeking verlässt das Unternehmen. Der Aufsichtsrat von Porsche beschließt eine Kapitalerhöhung von mindestens fünf Milliarden Euro. Ziel ist nun die Bildung eines integrierten Automobilkonzerns aus Porsche und Volkswagen.

20. August 2009: Die Staatsanwaltschaft durchsucht bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen und an anderen Orten Geschäftsräume. Ermittelt wird gegen Wiedeking und den ehemaligen Finanzvorstand Härter wegen Verdachts der Marktmanipulation.

25. Januar 2010: Eine Gruppe von Investmentfonds reicht bei einem Bundesgericht in New York Klage gegen die Porsche Automobil Holding sowie Wiedeking und Härter ein. Sie werfen Porsche vor, im Zuge der versuchten Übernahme von Volkswagen die Investoren getäuscht zu haben und fordern für Verluste Schadenersatz von über zwei Milliarden Dollar.

30. Januar 2010: Eine Münchner Kanzlei bereitet für institutionelle Investoren auch hierzulande Klagen vor.

17. November 2010: Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart lehnt eine Klage gegen Beschlüsse der Porsche-Hauptversammlung 2009 ab. Die Kläger fühlten sich nicht ausreichend über riskante Wertpapiergeschäfte bei dem Übernahmeversuch informiert.

30. Dezember 2010: Das New Yorker Gericht weist die Sammelklage in erster Instanz ab.

29. Februar 2012: Nach einem Urteil des OLG Stuttgart hat Piëch Pflichten als Porsche-Aufsichtsrat verletzt, weil er sich keine Klarheit über die Optionsgeschäfte beim Übernahmeversuch verschafft habe. Piëch weist den Vorwurf zurück.

6. März 2012: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart teilt mit, dass sie gegen drei Porsche-Manager, darunter Härter, Anklage wegen Verdachts des Kreditbetrugs erhoben hat.

27. Juni 2012: In Braunschweig beginnt der erste deutsche Schadenersatzprozess wegen der Kurskapriolen 2008. Anleger fordern in fünf Klagen über vier Milliarden Euro von Porsche und Volkswagen.

1. August 2012: Porsche geht endgültig als zwölfte Marke in den VW-Konzern ein.

5. September 2012: Vor dem Landgericht Stuttgart startet der Betrugsprozess gegen Härter.

19. September 2012: Das Landgericht Braunschweig weist die ersten beiden Klagen der Anleger auf Schadenersatz von Porsche ab.

19. Dezember 2012: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart erhebt Anklage gegen Wiedeking wegen Marktmanipulation.