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BSL Olefinverbund

BSL Olefinverbund: Dow-Tochter sehnt neue Pipeline herbei

Schkopau/MZ. - Das Schkopauer Chemieunternehmen BSL Olefinverbund GmbH stößt bei der Verfügbarkeit seines wichtigsten Rohstoffes Ethylen an Grenzen. Dieses gasförmige Erdöl-Produkt bildet die Grundlage für die Herstellung zahlreicher BSL-Kunststoffe. "Wir sehnen deshalb die Fertigstellung der Pipeline aus Stade herbei", sagte Bart Groot, Chef der ostdeutschen Tochter des US-Konzerns Dow Chemical, im Gespräch mit der Mitteldeutschen ...

Von Frank Zimnol 22.12.2002, 18:21

Das Schkopauer Chemieunternehmen BSL Olefinverbund GmbH stößt bei der Verfügbarkeit seines wichtigsten Rohstoffes Ethylen an Grenzen. Dieses gasförmige Erdöl-Produkt bildet die Grundlage für die Herstellung zahlreicher BSL-Kunststoffe. "Wir sehnen deshalb die Fertigstellung der Pipeline aus Stade herbei", sagte Bart Groot, Chef der ostdeutschen Tochter des US-Konzerns Dow Chemical, im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung.

Dies sei allerdings nur als Zwischenschritt anzusehen. Erst mit dem bis 2007/08 geplanten zweiten Cracker im BSL-Werk Böhlen werde die Ethylen-Versorgung vollends auf die Anforderungen der Zukunft eingestellt. Die 400000 Tonnen, die der jetzige Cracker pro Jahr aus dem Erdöl-Produkt Naphta erzeugen kann, reichen hinten und vorn nicht. Zum Vergleich: Der neue soll zwischen 750000 und 900000 Tonnen schaffen.

Vorerst wartet man aber darauf, dass die 390 Kilometer lange und 100 Millionen Euro teure Pipeline den Engpass beseitigt. Durch den unterirdischen Rohrstrang sollen ab 2004 jährlich 200000 Tonnen Ethylen vom niedersächsischen Dow-Standort zum Olefinverbund, zum Untergrundspeicher Teutschenthal, fließen. Das werde weitere Investitionen und damit einen Produktionsschub auslösen, glaubt Groot. "Der Ausbau der entsprechenden Anlagen ist wichtig, um Produktivität zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen."

Der Manager geht davon aus, dass bei den im Value-Park Schkopau angesiedelten Kunststoff-Verarbeitern "bis zu 100 neue Arbeitsplätze" entstehen werden, wenn BSL ab 2004 mehr Ethlyen verfügbar habe und damit auch mehr Kunststoffe herstellen könne. Bereits beschlossene Sache sei hingegen die Erweiterung der Anlage zur Produktion von Polypropylen mit einem Aufwand von 15 Millionen Euro im kommenden Jahr, kündigte der BSL-Chef an.

Für diesen Kunststoff, aus dem unter anderem Automobil-Teile und Folien entstehen, wird kein Ethylen benötigt. Das Unternehmen will nach der Vergrößerung dieser Anlage 20 Prozent mehr Polypropylen erzeugen.

2002 sei für BSL ein insgesamt gutes Jahr gewesen, bilanzierte Groot und verwies auf ein um zehn Prozent gestiegenes Produktionsvolumen. Umsatzzahlen wollte er nicht nennen. Im Vorjahr waren rund 1,3 Milliarden Euro erzielt worden. Nach der Phase des Umbruchs und der Investitionen habe sich das Unternehmen stabilisiert, so der Holländer. Gleichwohl habe sich gezeigt, dass die Entwicklung von BSL nicht losgelöst von Dow gesehen werden könne.

Die amerikanische Muttergesellschaft (Midland/Michigan) musste Gewinnrückgänge von zeitweise 15 Prozent quittieren. Zwar sei das Produktionsvolumen "noch da", aber die Margen stünden wegen des rapiden Preisverfalls von Chemieerzeugnissen unter Druck, bewertete Groot die Situation. Andererseits müsse die Branche erhebliche Mehrkosten für Energie und Rohmaterial verkraften. Vor diesem Hintergrund hat der US-Chemieriese konzernweite Sparmaßnahmen angeordnet. So würden die Belegschaften der Dow-Familie 2003 auf Gehaltserhöhungen verzichten, sagte Groot. Das globale Dow-Investitionsprogramm werde von 1,5 Milliarden Dollar auf 1,3 Milliarden Dollar gekürzt. Außerdem sollen Bestände abgebaut und Lieferketten optimiert werden.