Technik und Natur auf der Deutschen Fährstraße bewundern

Osten/dpa. - Ob mit dem Auto, dem Fahrrad oder dem Schiff - wer auf der Deutschen Fährstraße zwischen Bremervörde und Kiel unterwegs ist, lässt es auf jeden Fall gemächlich angehen.

Von Bernd F. Meier 17.08.2007, 07:36

Ob mit dem Auto, dem Fahrrad oder dem Schiff - wer auf der Deutschen Fährstraße zwischen Bremervörde und Kiel unterwegs ist, lässt es auf jeden Fall gemächlich angehen.

Der Weg führt Radler und Autofahrer über etliche Brücken und Fähranleger, während Segler und Motorbootkapitäne in Brunsbüttel und Kiel-Holtenau die riesigen Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals passieren.

«Gleich singt sie wieder», kündigt Horst Ahlf an, der 66-jährige Wirt der Gaststätte Fährkrug in Osten. Kaum hat sich die Gondel über den Fluss in Bewegung gesetzt, können Passagiere das helle Surren der Elektromotoren deutlich hören. Ahlf ist nebenberuflich Fährmann auf einem einzigartigen Technik-Denkmal in Niedersachsen - der historischen Schwebefähre über die Oste.

1909 wurde der stählerne Koloss errichtet. 30 Meter hoch und 80 Meter breit ist sein Eisengerüst. An dicken Stahlträgern hängt die Gondel, mit der einst Pferdefuhrwerke und bald auch die ersten Automobile über die Oste gelangten. Seit April 2006 geht es nach fünf Jahren Restaurierungspause wieder schwebend von Osten hinüber nach Hemmoor, jeden Tag zur vollen Stunde zwischen 10.00 Uhr und 18.00 Uhr. Das Technik-Fossil zählt zu den Höhepunkten der Deutschen Fährstraße, die der Journalist Jochen Bölsche aus Hamburg entworfen hat. Die Route führt auf 260 Kilometern Länge über 13 Brücken und 17 Fähren von Bremervörde nach Kiel und zeigt die Entwicklung technischer Bauten am Ende des 19. Jahrhunderts.

«Fährmann hol' över», ertönt es an der alten Prahmfähre von Gräpel, einem kleinen Dorf nahe Bremervörde. Während die Tour hier nur ein paar Momente dauert, benötigt die Fähre über die Elbe von Wischhafen nach Glückstadt manchmal bis zu 40 Minuten. «Das hängt ganz vom Verkehr ab. Da wir den Fluss queren, haben die anderen Schiffe stets Vorfahrt», erklärt Hildegard Both-Walberg, Geschäftsführerin der Elbefähre Glückstadt. Gleich vier Schiffe pendeln morgens ab 4.30 Uhr wie eine schwimmende Brücke über den breiten Strom. Vom Fähranleger lohnt ein Abstecher ins malerische Glückstadt. Die mittelalterliche Festungsstadt wurde nach dem Vorbild italienischer Renaissancestädte geplant: Alle Straßenzüge laufen sternförmig auf den Markt zu. Am Hafen steht eine der schönsten Häuserzeilen in ganz Norddeutschland.

Brunsbüttel mit den riesigen Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals (NOK) ist das nächste Ziel. «Die Fährstraße bietet viele Kontraste, denn die Urlauber erleben erst den stillen Ostefluss und dann den regen Schiffsbetrieb auf dem Kanal», erläutert Jochen Bölsche. Die 98 Kilometer lange Verbindung zwischen Elbe und Kieler Förde ist mit jährlich 43 000 Schiffen aus über 70 Ländern die meist befahrene künstliche Wasserstraße der Welt.

Weiter über den Nord-Ostsee-Kanal führt die Fährstraße Reisende in Richtung Rendsburg und Kiel. Radtouristen können auch die NOK-Route nehmen, die sich entlang des Kanals über 325 Kilometer windet und auf acht Tagesetappen ausgelegt ist. Als Höhepunkt gilt das Schweben mit der kleinen Kanalfähre in Rendsburg aus dem Jahr 1913 unterhalb der Eisenbahn-Hochbrücke. Wer schwindelfrei ist, kann neuerdings auf das Dach der schwebenden Gondel steigen: An jedem Sonntag zwischen Mai und September erklimmt der Stadtführer Klaus-Peter Flegel jeweils um 14.00 Uhr und 15.00 Uhr mit Besuchern die Aussichtsplattform. Bei gutem Wetter können Besucher in 42 Metern Höhe sogar den rund 25 Kilometer entfernten Wikingturm von Schleswig sehen.

Routenempfehlungen entlang der Deutschen Fährstraße: www.deutsche-faehrstrasse.de

Route am Nord-Ostsee-Kanal: www.nok-route.de