Studien belegen: Oktober-Kinder werden am ältesten

Personen, die im Oktober geboren sind, können sich freuen. Denn laut einer Studie der Universität Chicago haben sie von allen Menschen die größten Chancen, ihren 100. Geburtstag noch zu erleben. Die Anzahl der Personen, die dieses Alter erreicht, ist bei den Oktober- und Novemberkindern signifikant höher als beispielsweise bei jenen, die im März oder April geboren wurden. Das ist aber nicht das Einzige, was die Oktober-Kinder so besonders macht.

05.10.2022, 12:50
Für viele im Oktober geborene Meschen heißt es über 100-mal im Laufe des Lebens „Happy Birthday“.
Für viele im Oktober geborene Meschen heißt es über 100-mal im Laufe des Lebens „Happy Birthday“. Foto: Pixabay.com © Pexels Public Domain

Im Herbst Geborene leben länger

Wer Freunde oder Verwandte hat, die rund um den Oktober geboren sind, sollte sich eine große Auswahl an Glückwünschen zum Geburtstag zurechtlegen. Die Forscher der Universität in Chicago haben sich bei ihrer Studie auf die Lebensdaten von rund 1.500 Bürger konzentriert, die bereits ein Lebensalter von 100 Jahren erreicht haben.

Dabei zeigte sich, dass die meisten von ihnen in den Monaten September, Oktober und November geboren wurden. Frühlings- und Sommerkinder sind hingegen kaum dabei. Um herauszufinden, ob das eventuell an den Lebensbedingungen oder den Genen der betroffenen Personen liegen könnte, haben sie zum Vergleich die Lebensdauer ihrer Geschwister und Ehepartner verifiziert. Doch diese erreichten nur in seltenen Fällen ebenfalls dieses Alter.

Ein interessantes Phänomen, doch was könnte dahinterstecken?

Die Ursachen finden sich am Beginn des Lebens

Die in Österreich geborene Sozialwissenschaftlerin Gabriele Doblhammer geht davon aus, dass vor allem die Schwangerschaft und die ersten Lebensjahre großen Einfluss darauf haben, ob Menschen in weiterer Folge ein hohes Lebensalter erreichen.

Experten gehen davon aus, dass bereits in der Schwangerschaft die Weichen dafür gestellt werden, wie alt jemand werden könnte. Sie haben zahlreiche Einflussfaktoren gefunden, die auf die Zeit im Jahr zurückgehen, in der jemand geboren wird. Dazu gehören unter anderem das Sonnenlicht und bestimmte Ernährungsgewohnheiten zu unterschiedlichen Zeiten des Jahres.

Bei Müttern, die ihr Baby im Oktober bekommen, findet die Schwangerschaft überwiegend in der hellen Jahreszeit statt. Das heißt, sie werden in dieser Zeit auch ausreichend mit Vitamin D versorgt, das der Körper über die Sonne bezieht. Sie können deshalb auch den Embryo damit versorgen. Fällt die Schwangerschaft hingegen vorwiegend in die dunkle Jahreszeit, ist die Gefahr sehr groß, dass es zu einem Vitamin D-Mangel kommt.

Die Folge eines zu niedrigen Vitamin D-Spiegels im Körper ist zum Beispiel die Krankheit Rachitis. Da die Knochen nicht ausreichend mineralisiert werden, bleiben sie weich und verformen sich. Logisch, dass das der Lebenserwartung nicht gerade zuträglich ist.

Dass es sich dabei nicht bloß um eine Vermutung handelt, zeigen Mediziner der Universität in Oxford. Sie haben sich angesehen, wie viel Vitamin D im Blut der Nabelschnur von Kindern steckt. Das erstaunliche Ergebnis: Bei den Herbst-Kindern ist die Menge durchschnittlich um etwa 20 Prozent höher.

Bereits in der Schwangerschaft werden die Weichen für eine hohe Lebenserwartung gestellt.
Bereits in der Schwangerschaft werden die Weichen für eine hohe Lebenserwartung gestellt.
Foto: Pixabay.com © 2147792 Public Domain

Das Gewicht bei der Geburt spielt eine wichtige Rolle für die Lebenserwartung

Der im Jahr 2013 verstorbene britische Epidemiologe David James Purslove Barker war der Ansicht, dass vor allem das Geburtsgewicht eine große Auswirkung auf die künftige Lebenserwartung eines Menschen hat.

Und auch dieses steht im unmittelbaren Zusammenhang mit der Zeit im Jahr, in der jemand geboren wird. Eine Schwangerschaft in den Wintermonaten geht häufig mit einer Mangelernährung einher. Denn das Angebot an nährstoffreichem Obst und Gemüse ist zu dieser Zeit im Jahr wesentlich geringer als in den Sommermonaten. Babys, die zwischen März und Juni zur Welt kommen, sind deshalb in deutlich mehr Fällen untergewichtig als jene, die in den Herbstmonaten geboren werden.

Durch den Mangel wird das Stoffwechselsystem laut Barker bereits im Mutterleib auf die möglichen Versorgungsengpässe programmiert. Das führt in weiterer Folge zu einem Hamsterverhalten, das im Laufe des Lebens zu Übergewicht und in weiterer Folge zu Diabetes und einer Erkrankung des Herzens führen können.

Ist der Geburtsmonat ein Erfolgsfaktor im Leben?

Spannend ist die Frage, ob der Geburtstermin auch Auswirkung darauf hat, wie erfolgreich das Leben verläuft. Das lässt sich jedoch kaum beantworten, da wohl jeder „Erfolg im Leben“ etwas anders definiert. Es gibt jedenfalls keine Studie, die belegt, dass es signifikante Gehaltsunterschiede zwischen Menschen gibt, die in unterschiedlichen Monaten geboren wurden.

Sehr wohl zeigen sich jedoch Auffälligkeiten im Spitzensport und in der Politik. In der Formel 1 feiern sowohl Charles Leclerc als auch Max Verstappen im Herbst Geburtstag. Auffällig ist aber vor allem eine Statistik in der US-Politik. Denn im Oktober wurden die meisten amerikanischen US-Präsidenten geboren. In der jüngeren Vergangenheit tritt dieses Phänomen allerdings seltener zutage als früher. Der letzte im Oktober geborene US-Präsident ist Jimmy Carter, dessen Regentschaft mittlerweile auch schon mehr als 40 Jahre zurückliegt.

Saisonale Unterschiede nehmen ab

Das könnte damit zusammenhängen, dass laut den Forschern die saisonalen Unterschiede in den letzten Jahrzehnten deutlich abgenommen haben und heute nur noch eine geringe Rolle spielen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Denn zum einen spielt die saisonale Mangelernährung zumindest in der westlichen Welt kaum noch eine Rolle und zum anderen hat auch die Medizin in diesem Zeitraum große Fortschritte gemacht.

Laut Doblhammer werden die saisonalen Unterschiede mit jeder künftigen Generation etwas kleiner werden. Allerdings könnten neue Faktoren dafür sorgen, dass es auch hier im Laufe der Jahrzehnte wieder zu einer Umkehr kommt. Beispielsweise der Klimawandel könnte einen entscheidenden Einfluss auf die saisonale Lebenserwartung nehmen. Denn die Hitzeperioden in den Sommermonaten werden künftig auch die Schwangerschaften stärker belasten als bisher.

Der Lebensstil ist entscheidend

Der Geburtsmonat ist zwar ein wichtiger Faktor für die Lebenserwartung, viel entscheidender in der heutigen Zeit ist jedoch der Lebensstil. Die wichtigsten Faktoren für zusätzliche Lebenszeit sind vor allem Bildung, Ernährung und Bewegung. Studien belegen, dass sich mit durchgehend mindestens zwei Stunden moderaten Aktivitäten pro Woche das Sterberisiko bereits um etwa ein Drittel senken lässt. Das gilt auch für Spätberufene, die erst ab dem Alter von 40 Jahren mit dem Sport beginnen.

Laut einer Forschung vom “Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften” (ÖAW) nimmt auch die Bildung entscheidenden Einfluss auf das Lebensalter. Denn sie führt indirekt ebenfalls zu einem gesünderen Leben.