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Regionalliga: Wochen der Entscheidung

Leipzig/Magdeburg/MZ. - So ein Stück weit weltmännischging es am Donnerstag zu im Hotel Radisson mittenin der Leipziger Innenstadt. Dabei ging esnur um Fußball. Und da noch nicht einmal umeinen Weltverein wie Manchester United oderReal Madrid, der zur Audienz bittet, sondernum RB Leipzig. Ein Verein aus der viertenLiga, der allerdings tatsächlich ebenso einzigartigwie außergewöhnlich in der deutschen Fußball-Landschaftist. Ein Verein, der auf Biegen und Brechenin kürzester Zeit sein Zuhause in der Bundesligasieht, dem sich auf dem Weg dahin aber dochein paar Stolperfallen in den Weg stellen.Es passt sportlich einfach nicht, der ersteAnlauf in die dritte Liga scheiterte kläglich.Und weil dem so ist, greift auch bei RB Leipzigder überall in der Fußball-Welt gängige Mechanismus:Ein neuer Trainer muss ...

Von Gottfried Schalow und Karl Ebert 06.05.2011, 09:32

So ein Stück weit weltmännischging es am Donnerstag zu im Hotel Radisson mittenin der Leipziger Innenstadt. Dabei ging esnur um Fußball. Und da noch nicht einmal umeinen Weltverein wie Manchester United oderReal Madrid, der zur Audienz bittet, sondernum RB Leipzig. Ein Verein aus der viertenLiga, der allerdings tatsächlich ebenso einzigartigwie außergewöhnlich in der deutschen Fußball-Landschaftist. Ein Verein, der auf Biegen und Brechenin kürzester Zeit sein Zuhause in der Bundesligasieht, dem sich auf dem Weg dahin aber dochein paar Stolperfallen in den Weg stellen.Es passt sportlich einfach nicht, der ersteAnlauf in die dritte Liga scheiterte kläglich.Und weil dem so ist, greift auch bei RB Leipzigder überall in der Fußball-Welt gängige Mechanismus:Ein neuer Trainer muss her.

Peter Pacult heißt der Mann, der das Wundervon Leipzig nun im zweiten Anlauf vollbringensoll. Er ist Österreicher, 51 Jahre alt undgibt sich zunächst einmal ganz irdisch. Imroten Pullover und in Jeans präsentierte ersich am Donnerstag erstmalig den Leipzigern undstartete seine Charme-Offensive. Unverkrampftim doch mitunter so lustigen Wiener Dialekt."So komme ich am ehrlichsten herüber. Ichwill mich nicht verstellen."

Das klang fast wie eine Entschuldigung.Doch das hätte er gar nicht tun müssen. Jederhatte jedes Wort verstanden. Und die sympathischeCharme-Offensive ging weiter: "Ich bin absofort hier in Leipzig. Jeder soll sich seineigenes Bild von mir und meiner Person machen",sagte Pacult in einer persönlichen Erklärung,in der er auch darum bat, ihm eine Chancezu geben und fair zu ihm zu sein.

Das war es denn allerdings auch, was Pacultzunächst einmal zu sagen hatte. Denn zu mehrwollte, konnte oder durfte er keine Auskunftgeben. Unter anderem auch nicht zum SportdirektorThomas Linke, der nur wenige Stunden vor PacultsErnennung zum künftigen Cheftrainer aus "persönlichenGründen" seinen Rücktritt erklärt hatte. DieterGudel, Geschäftsführer bei RB Leipzig, erklärte,keine weitere Nachfrage duldend, dass er sich"nicht weiter zur Herrn Linke äußern" wolle.Und von Pacult selbst kam der geradezu logischeNachsatz: "Ich kann nichts kommentieren, wasmich nicht betrifft."

Über einen Zusammenhang zwischen Linkes plötzlichemAus und Pacults Inthronisierung kann so nurtrefflich spekuliert werden. Fakt ist, dasssich Linke für einen Trainer ausgesprochenhatte, der offenkundig und für jedermann nachvollziehbarmit der Region verbunden ist. Pacult erfülltdiese Anforderung trotz seiner kurzzeitigenTätigkeit von Dezember 2005 bis September2006 bei Dynamo Dresden eben nur bedingt underhielt trotzdem den Zuschlag bei der Trainersuche.Das lässt die Schlussfolgerung zu, dass beiRB Leipzig ohnehin alle wichtigen Entscheidungenin der Zentrale des Sponsors Red Bull in Salzburggetroffen werden. Auch Gudel vermochte diesenEindruck mit seinem Verweis auf das "globaleNetzwerk bei Red Bull" so recht nicht zu entkräften.

Vieles bleibt also undurchsichtig bei RB Leipzig,weil alle wesentlichen Fragen zunächst unbeantwortetblieben. Sicher ist nur, dass der noch amtierendeTrainer Tomas Oral die Saison noch halbwegsanständig zu Ende bringen soll und Pacultdanach einen Zwei-Jahres-Vertrag erhaltenhat. Mit dem Ziel, in dieser Zeit zwei Malaufzusteigen. Ob der Österreicher dann gleichzeitigauch als Sportdirektor tätig ist, konnte undwollte am Donnerstag niemand beantworten. "Wir müssenuns da erst einmal neu sortieren", sagte Gudel.Ebenso unbeantwortet blieb die Frage, mitwelchem Spielerpersonal Pacult den neuen Anlaufunternehmen will oder soll.

Eines ist aber klar: RB Leipzig und Red Bullpeilen ehrgeizig weiter die Bundesliga an."Ich weiß um die großen Ziele, die RB hierhat. Ich hoffe, dass ich sie erfüllen kann",sagt Pacult. Und er konnte mit seinem erstenöffentlichen Auftritt durchaus Pluspunktesammeln und versprach: "Vor mir muss sichkein Spieler ducken oder verstecken. Jedersoll so bleiben, wie er ist."

Peter Pacult wird an diesen Worten künftiggemessen werden. Erweist sich der erste Eindruckals dauerhaft, kann er mit seinem Charme,seiner gewissen Portion Schlitzohrigkeit undvor allem seiner Authentizität ein Imagegewinnfür einen Verein sein, der so oft als Kunstgebildeverspottet wird. Aber: Er braucht auch sportlicheErfolge. "Siege sind unser größter Imagegewinn",sagte dann auch Dieter Gudel unmissverständlich.

Es wird also spannend in der Saison 2011/12in der Regionalliga. Denn neben RB Leipzighat sich auch noch ein zweiter Verein ungewöhnlichdeutlich das Ziel Aufstieg auf die Fahnengeschrieben: der Hallesche FC, nur 40 KilometerLuftlinie von Leipzig entfernt.

Abstiegsangst beim FCM lässt Gräben aufbrechen

Bereits am Donnerstagabendzogen sich Spieler, Trainer und Präsidiumdes Fußball-Regionalligisten 1. FC Magdeburgin ein Hotel in der Landeshauptstadt zurück.Abschotten vor dem Abstiegs-Endspiel nenntman so etwas. Präsident Peter Fechner wolltevor dem wichtigen Auswärtsspiel am Freitag (19Uhr) beim sieglosen Schlusslicht TürkiyemsporBerlin nichts dem Zufall überlassen. "Wirwerden noch einmal Gespräche führen und dieMannschaft einschwören. Wenn wir in Berlinkeine drei Punkte holen, müssen wir uns ernsthaftmit der Oberliga beschäftigen", sagt der Vereinschef.

Das erste Einschwören jedenfalls ging in dieHose. Die vom Präsidium ausgelobte Mannschaftsprämievon knapp 10000 Euro für drei Siege gegenHavelse, Türkiyemspor und Eintracht BraunschweigII hat das Team bereits liegen gelassen.

Stattdessen wurde die Angst vor dem Abstiegnach der 1:2-Pleite gegen s>den TSV Havelseimmer größer. Kapitän Daniel Bauers sportlicheEinschätzung kam bereits einer Kapitulationgleich: "Dieser Mannschaft fehlt einfach dieQualität." Zu allem Überfluss machte er nocheine neue Baustelle auf und attackierte auchdie Fans. Beim Spiel gegen Havelse hättenZuschauer vor allem die jungen FCM-Spielerbeschimpft und beleidigt. Bauer: "Solche Leutebrauchen wir nicht. Die sollen zu Hause bleiben."

Das wiederum brachte einen Teil der ohnehinschon gereizten Fangemeinde auf die Palme.Die Anhänger sind der Meinung, dass nichtalle Spieler richtig mit der Situation umgehen.Sie wollen gesehen haben, dass sich einzelneAkteure nicht leistungssportgerecht verhaltenund stattdessen nachts unter Alkoholeinflussdurch Magdeburger Discos und Gaststätten ziehen.Präsident Fechner, der erst seit Mitte Aprilim Amt ist, hat bereits viele Baustellen.Holt die Mannschaft am Samstag in Berlin aberkeine drei Punkte, kommt die größte erst nochhinzu.