Platini zieht positive EM-Bilanz

Wien/dpa. - Tempo, Taktik, Teamgedanke: Das kontinentale Gipfeltreffen in den Alpenländern hat die hohen Erwartungen erfüllt und zwei Jahre nach dem deutschen Sommermärchen wieder neuen Stoff für Fußball-Legenden ...

Von Arne Richter 27.06.2008, 11:38

Tempo, Taktik, Teamgedanke: Das kontinentale Gipfeltreffen in den Alpenländern hat die hohen Erwartungen erfüllt und zwei Jahre nach dem deutschen Sommermärchen wieder neuen Stoff für Fußball-Legenden produziert.

Schon vor dem großen Finale zwischen Rekordchampion Deutschland und Spanien im Wiener Ernst-Happel-Stadion ziehen Organisatoren, Gastgeber und Experten eine positive Bilanz der dreiwöchigen Fußball-Festzeit in Österreich und der Schweiz. Turnier-Chef Martin Kallen sieht sein Team «auf dem besten Weg», die bislang erfolgreichste EM zu organisieren.

Auch UEFA-Präsident Michel Platini ist voll des Lobes über die 1,3 Milliarden Euro teure EURO 2008. «Die politischen und sportlichen Institutionen haben einen hervorragenden Job gemacht bei Transport, Unterbringung, Stadien und Sicherheit. Bei der UEFA sind alle sehr zufrieden mit der Qualität der Spiele, die auf einem umfassend außerordentlichen Niveau waren», sagte der Franzose kurz vor Ende des ersten Großereignisses unter seiner Regie.

Besonders der von den meisten Teams zelebrierte Offensivfußball begeisterte den mächtigsten europäischen Fußball-Funktionär. «Die defensiv orientierten Partien gehören der Vergangenheit an: Mit allen erlaubten Mitteln wird versucht, die Oberhand über den Gegner zu gewinnen, der in den meisten Fällen das gleiche Ziel verfolgt», ließ Platini in einer seiner wenigen öffentlichen Äußerungen während des Turniers verlauten. Bisher 76 Turnier-Tore und der von fast allen Mannschaften gezeigte unbändige Angriffswille haben nicht nur den einstigen Weltstar in den Bann gezogen.

In Deutschland brachen spätestens mit dem Viertelfinal-Erfolg gegen Portugal wieder sommerliche Märchenzeiten an. Millionen feierten auf den Straßen den phasenweise holprigen Weg der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw ins Wiener Finale. In Österreich und der Schweiz war die Stimmung nicht euphorisch, aber immer herzlich. Mehr als vier Millionen Menschen in den acht Fanzonen bis zum Finale und 31 offiziell ausverkaufte Spiele dokumentieren die Fußball- Leidenschaft in den Wintersport-Nationen.

Wäre doch nur das Wetter besser gewesen. «Wir nehmen einen täglichen Regentanz in unser Programm auf», scherzte UEFA-Sprecher William Gaillard zur Turnier-Halbzeit. Tatsächlich war die Wasserflut von oben zwar nicht für jedes Turnier-Missgeschick verantwortlich, aber dennoch irgendwie fast an allen Pannen beteiligt.

Die Regenschlacht in Basel zwischen der Schweiz und der Türkei erzwang die Verlegung eines komplett neuen Rasens. Ein Wiener Gewitter legte das EM-Stromnetz lahm und sorgte für peinliche und für die UEFA eventuell auch teure Bild-Pausen beim deutsch-türkischen Halbfinale. Als EM-Verlierer fühlen sich die Geschäftsleute in den Gastgeberländern. Genaue Umsatzzahlen stehen noch aus, doch gerade in der Gastronomie hatte man sich offenbar höhere Gewinne erhofft.

Im EM-Mittelpunkt stand aber der immer schneller rollende Ball. Neue Systeme wurden zwar wie erwartet nicht erfunden, aber die Intensität des Spiels erstaunte auch die Experten. «Wir sehen eine unglaubliche Mischung aus Dynamik und hohem technischen Standard», sagte der Schotte Andy Roxburgh, der mit seinem neunköpfigen Gremium am Montag das Allstarteam und den besten Spieler des Turniers benennen wird.

Die im defensiven Steinzeit-Fußball verhafteten und schon in der Vorrunde nach drei Niederlagen ausgeschiedenen Titelverteidiger aus Griechenland werden bei der Nominierung der besten EM-Akteure keine Rolle spielen. Beste Aussichten auf einen Platz im illustren Kickerkreis haben neben dem deutschen Kapitän Michael Ballack und Dreifach-Torschütze Lukas Podolski die russischen Shootingstars Andrej Arschawin und Roman Pawljuschenko, die dem Turnier mit ihrem Powerfußball eine ebenso besondere Note gaben wie die türkischen Last-Minute-Männer um den überragenden Hamit Altintop von Bayern München.