Olympische Medaillengewinner

Olympische Medaillengewinner: Schwimmhalle ist das Zuhause

Halle. - In der Schwimmhalle Robert-Koch-Straße kennt Cornelia Embacher-Polit jeden Zentimeter. Von Kindesbeinen an hat sie dort Tag für Tag viele Stunden zugebracht. Meistens im Wasser. Die Ausdauer hat sich gelohnt. Olympisches Silber erschwamm sie 1980 in Moskau über 200 Meter Rücken. Die Medaillen und Pokale ihrer langen Laufbahn liegen inzwischen im Schrank. Die ehemalige Weltklasse-Schwimmerin hat die Seiten gewechselt. Heute steht sie täglich am Beckenrand, trainiert beim SV Halle den ...

25.11.2002, 12:15

In der Schwimmhalle Robert-Koch-Straße kennt Cornelia Embacher-Polit jeden Zentimeter. Von Kindesbeinen an hat sie dort Tag für Tag viele Stunden zugebracht. Meistens im Wasser. Die Ausdauer hat sich gelohnt. Olympisches Silber erschwamm sie 1980 in Moskau über 200 Meter Rücken. Die Medaillen und Pokale ihrer langen Laufbahn liegen inzwischen im Schrank. Die ehemalige Weltklasse-Schwimmerin hat die Seiten gewechselt. Heute steht sie täglich am Beckenrand, trainiert beim SV Halle den Schwimm-Nachwuchs.

Immer mit dabei: Stoppuhr und Trillerpfeife - das Sportleher-Klischee. "Aber ohne geht es wirklich nicht", meint Embacher-Polit. "Bei 15 Schülern im Wasser braucht man die Pfeife." Dabei wirkt die 39-Jährige nicht wie eine knallharte Trainerin. "Sport ist hart - und im Training muss auch mal geschimpft werden", sagt sie. "Aber danach ist wieder alles Friede, Freude, Eierkuchen." Man spürt das gute Verhältnis zu ihren Schützlingen. Und wenn sie die Schüler nach der 4. Klasse abgibt, fließen auch mal Tränen.

Als Embacher-Polit 1974 an die Sportschule kam, hat sie Cornelia Ender beim Training erlebt. Noch heute treffen sie sich manchmal - bei Wettkämpfen ihrer Kinder. Denn sowohl Enders Tochter als auch Embacher-Polits Sohn Toni wandeln auf den Erfolgspfaden ihrer Mütter. Der 15-jährige Toni Embacher hat schon mehr Pokale als die Mutter in seinem Alter. Aber konnte er anders? Schließlich war auch Vater Frank ein erfolgreicher Schwimmer, ist heute Trainer beim SV Halle. "Wir haben Toni nie gezwungen", so die Mutter. "Aber er kam schon als kleiner Junge mit in die Halle." Und ein paar Gene sind wohl von den Eltern übergesprungen. Ein Beweis: "Brustschwimmen können wir alle nicht so gut."

Olympia 2012 habe ihr Sohn fest im Blick. "Die Spiele in Leipzig - das wäre das Beste, was Halle passieren kann", glaubt die Trainerin. "Die Stadt gewänne an Popularität, Arbeitsplätze würden geschaffen, Sportstätten entstehen oder saniert werden." Mehr Geld für den Sport sei nötig, meint Embacher-Polit und schaut sorgenvoll an die Decke der Schwimmhalle, die nur noch die Farbe zusammenhalte. Geld fehlt. "2005 soll die Halle schließen." Das Ende einer Tradition - und ein Schlag für Halles Schwimmsport, wie sie meint.

Was dann wird, weiß Embacher nicht. "Es fiele mir schwer, Halle zu verlassen." Die Familie, die Freunde - sie ist hier verwurzelt. Ihr gefällt, wie sich die Stadt verändert hat. "Bloß der Dreck überall, der ist schlimm." Sie ist viel mit dem Rad unterwegs, fährt damit zur Arbeit. Zum Ausgleich läuft sie, macht Aerobic. Bleibt Zeit, liegen Bücher bereit; Krimis oder Sportler-Biografien. Und natürlich läuft daheim viel Sport im Fernsehen. Die Vorweihnachtszeit ist Stress. Wettkämpfe häufen sich, die Familie sieht sich wenig. Um so mehr werden gemeinsame Aktionen genossen - oder der Urlaub. "Immer an das Wasser in die Wärme." Und im Winter fährt die Trainingsgruppe zum Skifahren. Die Arbeit mit den jungen Leuten wirkt wie ein Jungbrunnen. "So bekomme ich die neuesten Trends mit. Die muss man mitmachen. Auch bei Klamotten."

Eines der schönsten Erlebnisse von Cornelia Embacher-Polit aber hat nichts mit Medaillen zu tun. "Ich habe Erwachsenen das Schwimmen beigebracht. Die waren stolz - und ich glücklich." Und was machen Freizeitschwimmer meistens falsch? "Sie nehmen den Kopf nicht unter Wasser." Dagegen gebe es nur ein Mittel: "Tauchen üben - das geht sogar in der Badewanne."