Oberliga

Oberliga: Bullen aus Leipzig im Höhenflug

LEIPZIG/MZ. - RB Leipzig ist am Wochenende mit einem 2:0-Sieg beim VfL Halle 96 von der Oberliga in die Regionalliga aufgestiegen. Ein Erfolg, der in etwa so überraschend kam wie Regen in England. RB hat die Fünftliga-Saison mit einer Mannschaft bestritten, die ohne Probleme auch zwei Klassen höher erfolgreich gewesen wäre. Der Verein hat bundesligaerfahrene Profis wie Ingo Hertzsch, Thomas Kläsener, Nico Frommer oder Timo Rost im Kader. Und genau damit ist erklärt, warum kein Sportprojekt in den neuen Bundesländern in den letzten Jahren so kontrovers diskutiert worden ist wie ...

Von CHRISTIAN ELSAESSER 03.05.2010, 20:26

RB Leipzig ist am Wochenende mit einem 2:0-Sieg beim VfL Halle 96 von der Oberliga in die Regionalliga aufgestiegen. Ein Erfolg, der in etwa so überraschend kam wie Regen in England. RB hat die Fünftliga-Saison mit einer Mannschaft bestritten, die ohne Probleme auch zwei Klassen höher erfolgreich gewesen wäre. Der Verein hat bundesligaerfahrene Profis wie Ingo Hertzsch, Thomas Kläsener, Nico Frommer oder Timo Rost im Kader. Und genau damit ist erklärt, warum kein Sportprojekt in den neuen Bundesländern in den letzten Jahren so kontrovers diskutiert worden ist wie dieses.

Mit 100 Millionen nach ganz oben

RB, offiziell das Kürzel für RasenBallsport, steht in Wirklichkeit für Red Bull. Der österreichische Getränkeriese hat den Verein voriges Jahr mit der Lizenz des SSV Markranstädt übernommen. Um den Durchmarsch bis in die Eliteliga zu schaffen, will das Unternehmen rund 100 Millionen Euro investieren. Puristen geißeln das als Turbo-Kapitalismus auf dem Fußball-Platz. Die gefürchteten Proteste hielten sich im Laufe der Saison aber in ganz kleinem Rahmen. "Eigentlich ist es immer ruhig geblieben", sagt Sportdirektor Joachim Krug. Die Akzeptanz sei erstaunlich schnell gewachsen. Über 1 000 Zuschauer kämen inzwischen zu den Heimspielen.

Vielleicht steckt genau darin auch eine innere Botschaft, das Wissen darum, dass dieser Verein die wohl größte Chance für den Ost-Fußball seit der Wende ist.

Wer das "Projekt RasenBallsport" verstehen will, muss Red Bull und seine Sport-Engagements kennen. Die haben stets zwei Standbeine: das Marketing für die Firma und den Wettkampf.

Corporate Identity, also das einheitliche Erscheinungsbild, hat höchste Priorität. Egal ob in Fußball, Formel 1, Motorrad-WM oder bei den Kunstfliegern des Air Race. Red Bull empfängt seine Gäste immer in einer Lounge-Atmosphäre, alles in ein tiefes, dunkles Blau getaucht, alles ein bisschen szenig zurecht gemacht. "In unserer Geschäftsstelle ist voriges Jahr als allererstes ein Bautrupp angerückt", erzählt Kommunikations-Chef Hans-Georg Felder. Damit sich RB Leipzig ins große Ganze fügt.

Auf der anderen Seite steht das Sportliche. Und das hat weit mehr Facetten als nur die Leistungsebene. Im Autorennsport hat Red Bull einst sein eigenes Nachwuchs-Fördersystem etabliert. Daraus rekrutieren die beiden Formel-1-Teams Red Bull Racing und Toro Rosso bis heute ihre Fahrer, an der Spitze steht Sebastian Vettel, der aktuelle Formel-1-Vizeweltmeister.

Zehn Neue für die Regionalliga?

Diese Grundidee gilt auch für die Fußballer in Leipzig. Seine Nachwuchsteams hat RasenBall aus der Insolvenzmasse von Sachsen Leipzig übernommen. A- und B-Junioren spielen jeweils in der Regionalliga. "Für uns hat der Aufstieg beider Teams in die Bundesliga nächstes Jahr absolute Priorität", sagt Trainer Tino Vogel. Langfristig wolle man den Kader der ersten Mannschaft aus dem eigenen Nachwuchs aufrüsten.

Bis das klappt, wird der Verein aber weiter investieren. "In der Regionalliga", sagt Vogel, "bleibt das Gerüst der Mannschaft zusammen." Nur einige neue Spieler wolle er in den Kader einbauen. Was das heißt? Zwei Neue? Fünf Neue? Zehn Neue? "Wohl eher zehn", präzisiert er.

Die Botschaft ist klar: Das Aufstiegs-T-Shirt soll schnell seinen nächsten Haken bekommen.