Europeada 2008

Europeada 2008: Sorben kicken bei Minderheiten-EM

Crostwitz/Graubünden/dpa. - Von der Kreisklasse auf dieinternationale Fußballbühne: Für die sorbische Fußball-Nationalmannschaft ist dieser Traum Wirklichkeit geworden. Imschweizerischen Kanton Graubünden spielt das Team aus Sachsen nochbis zum 7. Juni bei der Europeada 2008, der ersten Fußball-Europameisterschaft der alteingesessenen nationalen Minderheiten.«Das ist eine Riesensache, in die wir da hineingeraten sind.Verrückt», sagt Thomas ...

Von Katja Gläss

Von der Kreisklasse auf dieinternationale Fußballbühne: Für die sorbische Fußball-Nationalmannschaft ist dieser Traum Wirklichkeit geworden. Imschweizerischen Kanton Graubünden spielt das Team aus Sachsen nochbis zum 7. Juni bei der Europeada 2008, der ersten Fußball-Europameisterschaft der alteingesessenen nationalen Minderheiten.«Das ist eine Riesensache, in die wir da hineingeraten sind.Verrückt», sagt Thomas Paschke.

Im normalen Leben Krankenpfleger ist der 38-Jährige nunNationaltrainer der «Serbska Wubranka» - der sorbischen Auswahl.Einen Trainerschein besitzt Paschke nicht, dafür aber vielEnthusiasmus für die Sache. Seine 21 Kicker hat er aus den viersorbischen Sportvereinen in Panschwitz-Kuckau, Crostwitz, Nebelschützund Radibor rekrutiert, die in der Oberlausitz auf Kreis- undBezirksebene spielen. «Sie mussten fit sein ­ und natürlich sorbischsprechen», sagt Paschke.

Zwei Trainingseinheiten und zwei Testspiele absolvierten die 20bis 38 Jahre alten Akteure im Vorfeld ­ mitten im Punktspielbetriebihrer Heimteams, im Kampf um Aufstieg oder Klassenerhalt. «Um dasTeam zu schweißen», meint Paschke. Die Auswahlspieler bekamen einNationaltrikot, auf dessen Brust in den Farben Blau-Rot-Weiß dasLindenblatt als Symbol der Sorben prangt. Den Text ihrer Hymne habensie geübt. «Es ist richtig gut, wenn man die hört», meint der 18-jährige Felix Rehor.

Von den Gegnern weiß Trainer Paschke wenig. «Um nicht zu sagen,gar nichts.» Sie heißen Zimbrer oder Okzitaner, stammen aus Italienund Frankreich. «Je größer die Minderheit, desto größer und wohl auchbesser ist der Pool an Spielern, aus dem sie schöpfen können»,spekuliert er. Beim ersten Gegner, der kroatischen Minderheit inRumänien, die 0,03 Prozent der Bevölkerung ausmacht, ging dieRechnung auf. Die Sorben, deren 60 000 Vertreter in Deutschland 0,07Prozent der Bevölkerung stellen, gewannen die Partie am Sonntag mit4:1. «Wir sind optimal gestartet, darauf können wir aufbauen», sagtPaschke. Gegen die Okzitaner aus Frankreich folgte am Montag einknapper 2:1-Erfolg.

Neben den Sorben treten noch deutschsprachige Teams aus Dänemark,Ungarn, Polen und Südtirol an. Hinzu kommt die dänische Minderheit inDeutschland. Die Nordfriesen schicken sogar ein Frauenteam insRennen. Allerdings kassierten die Kickerinnen gleich zu Beginn zweiderbe Niederlagen: 4:19 gegen die dänische Minderheit in Deutschlandund 1:46 gegen die Roma aus Ungarn.

Die Europeada wird durch Sprach-, Kultur- undTourismusorganisationen sowie die Föderalistische Union EuropäischerVolksgruppen (FUEN) organisiert. 18 Mannschaften, allesamtsprachliche Minderheiten und staatenlose Volksgruppen Europas, tretenim Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft an zehn verschiedenenSpielstätten gegeneinander an. Neben den sportlichen Ereignissenwerden die Kulturen und ihre Bräuche präsentiert. Auch die «SerbskaWubranka» wird von einer Delegation aus Funktionären, Fans und einersorbischen Folkloregruppe begleitet. «Wir wollen, dass unsere Kulturin dem Moment, wo in Europa alles zusammenwächst, nicht untergeht»,sagt Delegationsmitglied Georg Spittank.

Für Thomas Paschke steht der Fußball im Mittelpunkt. «Ich binnicht hier, um Politik zu machen. Wir wollen fußballerisch so vielwie möglich erreichen», sagt er und ergänzt dann doch: «Wir Sorbensind doch auch nur stinknormale Leute. Der Fußball ist eine guteBühne, um das nach außen zu tragen.»