Energiewende und Energieeffizienz

Experteninterview über die Entwicklung im Kühlanlagensektor

29.08.2022, 11:10
Energiewende und Energieeffizienz
Energiewende und Energieeffizienz (Foto: pixabay/755834)

Angesichts der zunehmenden Bedrohung durch den Klimawandel spielt die Energiewende in praktisch allen Branchen eine große Rolle und der Kühlanlagensektor ist hiervon nicht ausgenommen. Die Auswirkungen zeigen sich insbesondere daran, dass die Energieeffizienz bei der Entwicklung von Rückkühlanlagen eine zunehmende Bedeutung einnimmt. So verfügen beispielsweise viele moderne Kühltürme über AC-Ventilatoren mit integrierter Steuerung. Diese haben einen großen Vorteil gegenüber Ventilatoren ohne elektronische Steuerung. Warum das so ist und was es sonst noch über die Energieeffizienz von Kühltürmen zu wissen gibt, erfahren Sie in unserem Interview mit Frau Schremmer-Torresi. Frau Schremmer-Torresi ist die geschäftsführende Gesellschafterin der Multi Kühlsysteme GmbH und somit bestens mit dem Thema vertraut.

F: Frau Schremmer-Torresi, ein anderes Thema, welches die Gesellschaft umtreibt, ist Energiewende und Energieeffizienz. Wie geht man im Kühlanlagensektor mit dieser Aufgabe um?

Kathleen Schremmer-Torresi: Natürlich spielt die Energieeffizienz schon seit Jahren eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und Auslegung von Rückkühlanlagen.

Die Kühltürme unserer neuen Baureihe zum Beispiel haben durch Ihre AC-Ventilatoren mit integrierter Steuerung einen großen Vorteil gegenüber Ventiltoren ohne elektronische Steuerung. Bei diesen Kühltürmen ist es möglich die Drehzahl bedarfsabhängig zu steuern und dem aktuell benötigten Kühlbedarf anzupassen. Somit ermöglichen wir unseren Kunden eine aktive Senkung ihres Energiebedarfs und eine Optimierung des Kühlprozesses.

Darüber hinaus verfügen offene Verdunstungskühltürme über den besten COP den Sie im Bereich der Rückkühltechnik finden können.

F: Was meinen Sie mit COP?

Schremmer-Torresi: Oh, bitte entschuldigen Sie. Mit COP ist der Coefficient of Performance oder zu Deutsch Leistungskoeffizient gemeint. Dieser Koeffizient gibt das Verhältnis zwischen Kühlleistung und aufgenommener elektrischer Leistung an. Moderne Kühltürme wie zum Beispiel unsere MC-Baureihe verfügen über einen COP zwischen 90 – 110. Das heißt, dass beispielsweise der Kühlturm MC500 bei einer Nennkühlleistung von 500kW und einer elektrischen Leistungsaufnahme von 4,8 kW auf einen COP von 103 kommt. Dieser Wert ist immer abhängig von den Betriebsparametern und den Umweltbedingungen.

Im Gegensatz dazu kommt ein geschlossener Verdunstungskühlturm lediglich auf einen COP zwischen 30 – 40.

F: Gibt es Ihrer Sicht noch weiteres Energieeinsparpotenzial bei ihren Rückkühlanlagen?

Schremmer-Torresi: Natürlich gibt es immer noch Luft nach oben. Beim Thema Ventilatoren zum Beispiel mussten wir nun leider auf die Technologie der AC-Motoren zurückgreifen, die den EC-Motoren in Hinblick auf die Energieeffizienz unterlegen sind. Der Beschaffungsmarkt für Elektronikbauteile hat die Beschaffungszeiten für Ventilatoren mit solchen Motoren drastisch in die Höhe schnellen lassen, sodass wir und viele andere Kühlturmhersteller gezwungen werden, Alternativen zu finden. Sobald sich die Beschaffungslage wieder entspannt, wollen wir unseren Kunden aber wieder Ventilatoren mit EC-Motoren anbieten. Bei unseren Anlagen setzen wir zur Energieeinsparung sowohl auf Pumpen mit IE3 bzw. IE4-Motoren als auch auf eine Vielzahl an Sensoren. In Verbindung mit unseren Steuereinheiten haben wir somit die Möglichkeit schnell und effizient den Kühlprozess zu regeln.

F: Vielen Dank für die ausführliche Erläuterung!

Ein weiteres wichtiges Thema, welches uns insbesondere in den letzten 2 Jahren begleitet hat, ist der Bereich der Hygiene – speziell hinsichtlich der Legionellen-Problematik. Wie gehen Sie hiermit um?

Schremmer-Torresi: Uns als Rückkühlanlagenhersteller sind die Auflagen hinsichtlich der Kühlwasserhygiene natürlich bestens bekannt und wir sind uns auch unserer Verantwortung zur Vorbeugung einer schweren Erkrankung wie z. B. der Legionellose stets bewusst. Sowohl bei Rückkühlanlagen als auch bei den Kühltürmen der neusten Baureihen achtet man bei der Errichtung und Auslegung penibel auf die Umsetzung der in der 42. BImSchV (42. Bundesimmissionsschutzverordnung) und im ergänzenden technischen Regelwerk VDI 2047-2 erläuterten Maßnahmen und Anforderungen.

F: Wir hatten jetzt bereits über die Energieeffizienz Ihrer MC-Baureihe gesprochen. Inwiefern setzen Sie auch bei diesen ein Augenmerk auf die Kühlwasserhygiene?

Schremmer-Torresi: Der Verdunstungskühlturm gilt generell als einzige Quelle der Verbreitung von Aerosolen, welche zu Lungenerkrankungen führen kann. Über die Ventilatoren können sich diese Wassertröpfchen in einem Umkreis von mehreren Kilometern verteilen. Aufgrund dessen wird bei der Entwicklung moderner Kühltürme ein Hauptaugenmerk auf die Hygieneaspekte gelegt. Dies tun wir natürlich bei unserer MC-Baureihe auch.

Dies beginnt mit der Materialwahl Edelstahl, welcher aufgrund seiner glatten Oberflächen und hohen Resistenz gegenüber korrosiven Erscheinungen einen sehr schlechten Lebensraum für Mikroorganismen bildet, als auch dem Verzicht auf Gummidichtmaterialien, um keinerlei verstoffwechselbaren Werkstoffe in Kühltürmen einsetzen zu müssen. Alle Bleche und Formteile werden selbstdichtend gefertigt.

Weiterhin vermeidet man nicht durchströmte Zonen, in welchen Wasser stehen und sich Mikrobiologie ansammeln und vermehren könnte. Moderne Kühltürme sind vollständig entleerbar.

Ich könnte Ihnen gerne noch weitere Aspekte aufzeigen, wie zum Bespiel die Wahl von speziellen Füllkörpern mit Anti-Legionellen-Additiven, jedoch würde das unseren Zeitrahmen etwas sprengen.

F: Da haben Sie recht Frau Schremmer-Torresi. Dann komme ich zu meiner letzten Frage. Inwiefern kann die MULTI Kühlsysteme GmbH Betreiber und Betreiberinnen bei der Thematik Legionellen und 42. BImSchV unterstützen?

Schremmer-Torresi: Unsere Philosophie ist, allgemein auf unser Unternehmen bezogen, dass wir unseren Kunden und Kundinnen ein „Rundum-Sorglospaket“ anbieten wollen.

Dieser Grundsatz hört im After Sale Service nicht auf. Auch dort bieten wir unseren Kunden vom Probenahmenmanagement angefangen, über die Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen nach 42. BImSchV, bis hin zu Maßnahmenempfehlungen bei Überschreitung der zulässigen Grenzwerte ein breites Spektrum an Leistungen zur Sicherstellung eines hygienisch einwandfreien Betriebes an.

Derzeit betreuen wir aktiv 36 Kunden deutschlandweit hinsichtlich der Probenahmenorganisation und können auch insbesondere dort auf die Erfahrungen und das Wissen rund um Rückkühlanlagen zurückgreifen, um auftretende Probleme schnell identifizieren und lösen zu können.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier: https://www.multi-kuehlsysteme.de/firma/ansprechpartner/