2. Handball-Bundesliga

2. Handball-Bundesliga: Neuanfang mit großer Offenheit

Dessau-Roßlau/MZ/sb. - Neuer Vizepräsident Sponsoring / Marketing ist Thomas Zänger. Der Mann von den Stadtwerken, nach dem Rücktritt von Präsident Oguzcan Demirtas im April Geschäftsführer des Dessau-Roßlauer HV, wurde offiziell ins Präsidium kooptiert. Ihm entlastend zur Seite steht Ralf Theumer, der neuer Vizepräsident Sport / Lizenz ist. Chef des Wirtschaftsrates ist Günther Thyrolf von der mittelständischen Dessauer Firma Thyrolf & ...

Neuer Vizepräsident Sponsoring / Marketing ist Thomas Zänger. Der Mann von den Stadtwerken, nach dem Rücktritt von Präsident Oguzcan Demirtas im April Geschäftsführer des Dessau-Roßlauer HV, wurde offiziell ins Präsidium kooptiert. Ihm entlastend zur Seite steht Ralf Theumer, der neuer Vizepräsident Sport / Lizenz ist. Chef des Wirtschaftsrates ist Günther Thyrolf von der mittelständischen Dessauer Firma Thyrolf & Uhle.

Zänger hatte zuvor eine Aufarbeitung der letzten Saison versucht. Nach dem plötzlichen Rücktritt von Oguzcan Demirtas in die Verantwortung gekommen, erwies sich die finanzielle Situation des Vereins im April als desaströs, stand der Handball vor dem Aus. Eine erst heute einigermaßen vollständige Bestandsaufnahme ergab Verbindlichkeiten von 205 000 Euro, eine Kontoüberziehung von 90 000 Euro und einen Finanzbedarf bis Saisonende von 360 000 Euro. Was davon Demirtas zu verantworten hat, was Altschulden waren, soll nach und nach geklärt werden. Auf einen offiziellen Rechenschaftsbericht wurde am Montag verzichtet.

Klar ist: "Offene Sponsorenverträge und Guthaben gab es nicht", erklärte Zänger den Mitgliedern. Drei Fremdinsolvenzanträge, acht Kontopfändungen, vier anhängige Gerichtsverfahren und drei Versäumnisurteile aus Arbeitsgerichtsprozessen machten die Situation schier aussichtslos.

Dass der Dessau-Roßlauer HV sieben Monate später noch in der Zweiten Bundesliga spielt, muss als Wunder gelten. Kurzfristig wurden 290 000 Euro beschafft, um den Spielbetrieb zu sichern. Mit vielen Gläubigern sind Ratenzahlungen vereinbart. "Wir machen all diese Zahlen öffentlich, um die Aufarbeitung voranzutreiben, um aber auch zu zeigen, dass der Neuanfang geschafft ist und wir jetzt für eine andere Politik stehen", erklärte Zänger die schonungslose Ehrlichkeit.

Doch Sorgen bleiben: 684 000 Euro beträgt der Finanzbedarf für die laufende Saison 2007 / 2008. Allein 12 000 Euro sind Monat für Monat notwendig, um Restschulden abzutragen. Das Problem ist: Nur 440 000 Euro des Etats sind gedeckt. 300 000 Euro durch Sponsoreneinnahmen. 140 000 Euro, wenn mindesten 777 Fans zu den Heimspielen kommen, die über 500 Dauerkarten- und VIP-Karten-Inhaber nicht mitgezählt. Bislang ist dieses Ziel nicht erreicht.

"Da haben wir Nachholbedarf", appellierte Zänger an die Dessauer Handball-Fans, den Verein weiter zu unterstützen. "Es bleibt ein ständiger Überlebenskampf."

Knapp 80 000 Euro hat der Verein diese Saison gespart. Bei den Spielern. Im Umfeld. Durch unermüdliches Verhandeln mit Gläubigern. 160 000 Euro sind noch aufzubringen. "Wenn wir das schaffen, sind wir zum 30. Juni 2008 schuldenfrei." Die neuen Mitstreiter sollen helfen, das zu schaffen.

"Es ist in der Vergangenheit eine Menge falsch gemacht worden", räumte Zänger ein. "Der Verein war klinisch tot. Oguzcan Demirtas hat ihm nichts Gutes getan", sagte der neue Wirtschaftsratschef Günther Thyrolf, der die neue Glaubwürdigkeit des Vereins wohl am besten verkörpert. "Wir müssen uns darauf konzentrieren, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen", forderte Zänger den Blick nach vorn. "Wir sind dabei auf dem richtigen Weg." Kommentar