X-Games in Barcelona

X-Games in Barcelona: "Weihnachten mitten im Sommer"

BARCELONA/SID. - Als der unumstrittene Superstar der X-Games einen Tag vor den Wettkämpfen aus den Katakomben des Olympiastadions von Barcelona in das historische Oval kommt, bleibt er mit verschränkten Armen stehen: Travis Pastrana kneift die Augen etwas zusammen und mustert erstmals die riesigen Schanzen und aufgetürmten Hügel aus Lehm in der Mitte des Estadi Olimpic de Montjuic. Mit einem leisen „Oh my God“ zeigt sich der weltweit wohl einflussreichste Pilot im Freestyle-Motocross offensichtlich beeindruckt. Der 29-Jährige hatte sich bei den X-Games 2006 in Los Angeles mit der Premiere seines doppelten Rückwärtssaltos verewigt. Dies war der wohl denkwürdigste Moment in der Geschichte des ...

Von Steffen Schröer

Als der unumstrittene Superstar der X-Games einen Tag vor den Wettkämpfen aus den Katakomben des Olympiastadions von Barcelona in das historische Oval kommt, bleibt er mit verschränkten Armen stehen: Travis Pastrana kneift die Augen etwas zusammen und mustert erstmals die riesigen Schanzen und aufgetürmten Hügel aus Lehm in der Mitte des Estadi Olimpic de Montjuic. Mit einem leisen „Oh my God“ zeigt sich der weltweit wohl einflussreichste Pilot im Freestyle-Motocross offensichtlich beeindruckt. Der 29-Jährige hatte sich bei den X-Games 2006 in Los Angeles mit der Premiere seines doppelten Rückwärtssaltos verewigt. Dies war der wohl denkwürdigste Moment in der Geschichte des Events.

Pastrana tritt in diesem Jahr im Rallye-Auto gegen sein Idol an, den zweifachen Weltmeister Carlos Sainz, um sich „einen Traum zu erfüllen“, erzählte er dem SID. Der Amerikaner ist in der katalanischen Hauptstadt vom 16. bis 19. Mai einer von etwa 200 Top-Athleten aus den vier Bereichen Skateboard, BMX, Motocross und Rallye. Sie spielen bei ihren Tricks mit dem Limit, auch wenn die Versuche zuweilen nicht schmerzfrei ablaufen. Das vom US-Fernsehsender ESPN ins Leben gerufene Großereignis mit bis zu 300 Millionen Zuschauern rund um den Globus wird in diesem Jahr erstmals als Eventserie an vier Orten ausgetragen. In Europa steht der Olympiapark in München vom 27. bis 30. Juni auf dem Programm. Barcelona gilt als Mekka für Skateboarder und BMX-Fahrer.

„Das Stadtbild wirkt wie ein riesiger Skatepark! Treppen, Geländer, perfekten Untergrund und große Plätze findet man an jeder Ecke. Es ist ein Traum“, sagt Skateboarder Ryan Sheckler über die Vorzüge der spanischen Kulturstadt. Sheckler setzte sich 2003 mit erst 13 Jahren als jüngster Gewinner bei den X-Games die Krone auf. Als einziger Deutscher tritt BMX-Weltmeister Bruno Hoffmann in seiner Disziplin Street an, doch trotz seines WM-Titels 2012 äußerte er sich in Spanien zurückhaltend: Die Konkurrenz sei hier doch deutlich stärker als bei der Weltmeisterschaft, „es ist eine große Ehre für mich, unter den zehn Fahrern zu sein. Das ist eine ziemlich erlesene Auswahl“, sagte der 20jährige Siegener. Ihr Sport sei kein bloßer Leistungswahn, sondern vielmehr ein Lebensstil, bei dem der Spaß als Motor für immer neue Höchstleistungen entscheidend sei, antworten die Protagonisten auf die Frage nach dem Unterschied zu olympischen Sportarten.

Weder Trainer noch gezielte Pläne wollen diese Profisportler - das Wort Training kennen sie nicht. Sie machen täglich, was sie aus Leidenschaft sowieso tun würden. Urgestein „Big“ Bob Burnquist war bisher bei allen Sommer-X-Games dabei. Der 36-Jährige geht als Titelverteidiger im Big Air an den Start, mit zehn Goldmedaillen und jeweils sechsmal Bronze und Silber ist Burnquist Rekordhalter. Wo einst das Dream Team I der USA um Basketball-Ikone Michael Jordan die Welt verzauberte, findet sein Wettbewerb statt. Der Blick von der atemberaubenden Startrampe entspricht laut ESPN dem eines neustöckigen Gebäudes. Der Sohn eines schwedisch-amerikanischen Vaters und einer brasilianischen Mutter brachte den Flair Barcelonas und seine Vorfreude auf die Flugshow im Gespräch mit dem SID auf den Punkt: „Wir sind einfach wie eine große Familie, in Barcelona ist jetzt Weihnachten mitten im Sommer.“