Olympische Winterspiele 2022

Athleten Deutschland sieht Peking-Boykott zwiespältig

Von dpa
Maximilian Klein vom Verein Athleten Deutschland.
Maximilian Klein vom Verein Athleten Deutschland. Privat/Maximilian Klein/dpa

Berlin - Maximilian Klein vom Verein Athleten Deutschland wirft den Sportverbänden vor, keine funktionierende Menschenrechtsstrategie zu haben und sieht einen möglichen Boykott der Winterspiele in Peking im nächsten Jahr mit gemischten Gefühlen.

Es sei für die Sportlerinnen und Sportler ein Zwiespalt, einerseits nicht mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht werden zu wollen, und andererseits jahrelang auf Olympia hin trainiert zu haben, sagte der Beauftragte für internationale Sportpolitik der im Jahr 2017 gegründeten Organisation im Deutschlandfunk.

Das EU-Parlament hat seine Mitgliedsstaaten aufgefordert, die Olympischen Winterspiele in Peking politisch zu boykottieren. Reinhard Bütikofer, der Vorsitzende der EU-China-Delegation, bezeichnete dies im Dlf als einen ungewöhnlichen Schritt, der aber wegen der immer schlimmer werdenden Menschenrechtsverletzungen in China nötig sei.

Die Forderungen nach einem politischen Boykott hält Wolfgang Ischinger, der Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz, für nachvollziehbar. „Wenn ich beim Auswärtigen Amt noch in Amt und Würden wäre, würde ich meinem Minister oder Bundeskanzler raten: Fahren Sie da am liebsten nicht hin!“, sagte der ehemalige deutsche Botschafter in London und Washington. Man würde nicht nur international ein falsches Zeichen setzen, sondern auch zu Hause kritisiert werden, weil das niemand verstehen werde, warum sie da hinfahren würden. „Die Athleten können Sie hinterher auch bei der Rückkehr begrüßen“, meinte Ischinger.

Klein stellte fest, dass der Konflikt und die Verantwortung auf den Schultern der Athletinnen und Athleten abgeladen würden, „für ein unmögliches Dilemma, für das sie nichts, überhaupt nichts können.“ Er forderte die Sportverbände auf, dies in Zukunft zu verhindern. „Wir sind in dieser Situation mit China nur, weil die Organisationen des Sports keine funktionierende Menschenrechtsstrategie haben.“