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Science City Jena

Science City Jena steigt mit vier Ex-MBA-Akteuren in die Beko BBL auf

Jena/Halle (Saale) - Harmsen, der Cheftrainer der Basketballer von Science City Jena, hatte am Montagabend mit seinem Team einen 73:64-Sieg gegen die Gladiators aus Trier eingefahren und damit den Aufstieg in die Basketball-Bundesliga perfekt gemacht.

Von Christian Elsaesser 26.04.2016, 16:57
Björn Harmsen (Trainer Science City Jena) klatscht mit den Betreuern ab.
Björn Harmsen (Trainer Science City Jena) klatscht mit den Betreuern ab. Mantel

Das Frühstück am Dienstagmorgen musste warten. Die Nacht war schließlich kurz. Und so betrat Björn Harmsen erst um 12 Uhr ein Café in Jena, um in Ruhe die erste Mahlzeit des Tages zu sich zu nehmen. Dass er schon beim Eintreten den ersten Glückwunsch erhielt, war ebenso verständlich wie die fortgeschrittene Uhrzeit. Es hatte schließlich Großes zu feiern gegeben.

Harmsen, der Cheftrainer der Basketballer von Science City Jena, hatte am Montagabend mit seinem Team einen 73:64-Sieg gegen die Gladiators aus Trier eingefahren und damit den Aufstieg in die Basketball-Bundesliga perfekt gemacht. Feiern ist da nun wirklich erlaubt. „Bis zwei Uhr war ich dabei“, erzählte Harmsen tags darauf. „Ich habe aber nur ein Bier und zwei Gläser Sekt getrunken.“

Aufstieg geplant - aber kein Muss

Der Erfolg der Jenaer Basketballer ist auch die Geschichte ihres Trainers. Harmsen ist gerade einmal 33 Jahre alt - und es ist bereits sein dritter Aufstieg in die Bundesliga. 24 war er, als ihm das 2007 schon einmal in Jena geglückt war. Zwei Saisons später führte er auch den Mitteldeutschen BC ins Oberhaus. Doch Routine sind solche Erfolge nicht. „Jeder Aufstieg war anders“, erzählt er. „2007 in Jena war es ein Unfall, da hatte niemand mit gerechnet. 2009 in Weißenfels war der Aufstieg geplant - und er war ein Muss. Jetzt in Jena war er zwar auch geplant, aber kein Muss.“

Dazu muss man verstehen, wie Björn Harmsen und die Vereinsführung das Projekt aufgebaut haben. Science City Jena ist ein Paradebeispiel, wie strukturierte Planung zum Erfolg führen kann.

Starker eigener Nachwuchs

Harmsen heuerte 2013 in seiner alten Heimat an. „Ich habe einen Dreijahresvertrag bekommen, was nur selten ein Verein macht.“ Und so erarbeitete der Cheftrainer auch einen Dreijahresplan. „Zu Beginn wollten wir junge Spieler holen, sie halten und weiterentwickeln.“

Genau diese jungen Spieler sind inzwischen Leistungsträger. Julius Wolf und Lars Wendt zum Beispiel. Oder das Trio Georg Voigtmann, Lukas Wank, Terry Tzakopoulos - alle kamen aus dem eigenen Nachwuchs.

Neben den jungen suchte Harmsen gestandene Leute. Und dabei kam ihm auch ein wenig der Zufall zur Hilfe. „Uns war klar, dass wir im dritten Jahr auch erfahrene Spieler holen wollen. Doch so, wie es gekommen ist, hätten wir es selbst nicht für möglich gehalten.

Vier Ex-MBC-Akteure führen Jena zum Aufstieg

Ex-Nationalspieler Guido Grünheid heuert beispielsweise an. „Da hat der Heimatfaktor eine Rolle gespielt“, meint Harmsen. Und vielleicht auch der Coach. Denn der gebürtige Jenaer Grünheid spielte - wie auch Wayne Bernard - schon beim MBC unter Harmsen. Zudem holte Jena auch Oliver Clay vom Nachbarn aus Weißenfels. Inklusive Trainer also vier Gesichter, die zuvor beim MBC in der Bundesliga unterwegs waren.

Die Königspersonalie vor der Saison aber war Immanuel McElroy. Ein absoluter Superstar der Szene, Meister und Pokalsieger, in fast allen ewigen Bundesliga-Statistiken unter den Top Fünf. „Als er uns angeboten wurde, habe ich das erst mal für einen Scherz gehalten“, erinnert sich Harmsen. Doch Jena hatte dem heute 36-Jährigen durchaus etwas zu bieten. Eine Perspektive. Einen Zweijahresvertrag. „Er hat vier Kinder, ihm ging es auch um Sicherheit“, erzählt Harmsen.

Und so stand am Ende ein Team, das souverän seinen Weg in die Eliteliga des deutschen Basketballs gemacht hat. Harmsens drittes Aufstiegs-Team. Auch wenn er sich selbst betont zurücknimmt.

„So ein Erfolg hängt erst einmal am Faktor Spieler, nicht am Faktor Trainer. Wir haben in diesem Jahr viele Spiele knapp gewonnen, die auch umgekehrt hätten ausgehen können. Und in solchen Momenten kommt es auf die Spieler an, die auf dem Feld stehen.“

Ost-Derby gegen Weißenfels nächste Saison?

Klingt ein wenig tiefgestapelt. Denn das Team trägt sehr wohl die Handschrift seines Trainers. Und der räumt auch ein: „Meine Vorstellung von unserer Spielweise war es, dass wir intensiver als jedes andere Team spielen.“ Heißt: mit extrem aggressiver Verteidigung. „Wir hatten die meisten Balleroberungen in der Defensive.“ Und mit mannschaftsdienlichem Spiel vorn. „Kein Team hatte so viele Assists wie wir.“

Im kommenden Jahr geht es also in die Topliga des deutschen Basketballs. Vor neun Jahren ging das Experiment in Jena gründlich schief und kostete auch Aufstiegs-Trainer Harmsen seinen Job. „Damals war unser größtes Problem, dass wir keine Halle hatten. Das ist nun anders.“ Seit zweieinhalb Jahren spielen die Korbjäger in einem Neubau. Trotzdem: „Wir werden auch in der BBL das Team mit dem kleinsten Etat sein“, sagt Harmsen voraus. „Unser Ziel wird immer der Klassenerhalt sein.“