Keien Quälerei, sondern Vergnügen

Welche Rolle der Weißenfelser Verein „White Rock“ im Radsport spielt

Wie Landestrainer Jonas Otto die Konkurrenz im Land einordnet.

Von Nico Grünke
Pascal Söhner startet am Wochenende bei den U23-Meisterschaften in Gedern.
Pascal Söhner startet am Wochenende bei den U23-Meisterschaften in Gedern. Foto: Lisker

Weissenfels - Jonas Otto hatte sich ziemlich viel zugemutet: „Ich bin mit dem Rennrad von Magdeburg aus in Richtung Wolfsburg gefahren“, plaudert der 29-Jährige am Freitagabend. Mehr als fünf Stunden hatte er zuvor durchweg in die Pedale getreten - um die 180 Kilometer waren schließlich zusammengekommen. Für Jonas Otto war das aber keine Quälerei, sondern vielmehr eine Art Vergnügen im Grundlagenausdauerbereich. „Ich bin eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwas mehr als 31 Kilometer pro Stunde gefahren, ganz entspannt.“ Ottos Worte machen eines deutlich: Der 29-Jährige ist leidenschaftlicher Radsportler und damit wohl genau der richtige Mann für die Aufgabe, die er seit einiger Zeit begleitet.

Verein White Rock Weißenfels engagiert sich für Nachwuchs im Radsport

Seit circa einem halben Jahr ist Jonas Otto als Mountainbike-Landestrainer für die Entwicklung in dem Bereich verantwortlich. Vor allem die Nachwuchsarbeit hat sich der 29-Jährige, der selbst am liebsten mit dem Mountainbike unterwegs ist, auf die Fahnen geschrieben. Hier sieht der junge Trainer das größte Potenzial. „Wir haben einige gute Talente.“

Dabei kann der Magdeburger auf die Arbeit bauen, die in den einzelnen Vereinen in Sachsen-Anhalt geleistet wird. Und mit an erster Stelle steht in dem Zusammenhang der Verein White Rock Weißenfels: Die Radsportler um deren Vorsitzenden Winfried Kreis haben in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Jungen und Mädchen behutsam an den mitunter anstrengenden Ausdauersport herangeführt. Viele Erfolge gab es. Ein Höhepunkt war sicher der Gewinn der Deutschen Meisterschaft durch Gregor Wiegleb im Nachwuchsbereich. Wiegleb fährt mittlerweile für die Junioren-Nationalmannschaft Rennen im Weltcup.

Weißenfelser bei DM am Start

Sozusagen in seinem Windschatten sind weitere junge Weißenfelser dabei, sich der nationalen Spitze anzunähern. Vorige Woche etwa war Jonas Otto mit den beiden White Rock - Radsportlerinnen Celina Polz und Lia Planert mehr als zufrieden. Bei ei-nem Jugendsichtungsrennen im Schwarzwald landeten beide im Vorderfeld. Vor allem für Celina Polz war der gute Auftritt wertvoll. „Denn sie hat dadurch den Sprung in den Landeskader geschafft“, erwähnt Jonas Otto. Nur positiv ist es um den Radsport in Sachsen-Anhalt allerdings nicht bestellt. In der Breite könnte der Nachwuchs insgesamt gesehen wohl besser dastehen. Neben den engagierten Weißenfelsern sind bei den Mountainbikern noch Vereine in Halle und Wernigerode derzeit sehr aktiv, wenn es darum geht, den Nachwuchs zu entwickeln - vielleicht noch ein bisschen wenig.

Dabei hat vor allem das Fahren im Gelände für Anfänger einige Vorteile. Beispielsweise sind sie wesentlich seltener auf stärker befahrenen Straßen unterwegs. „Das beste Einstiegsalter ist zwischen zehn und zwölf Jahren“, meint Landestrainer Otto. Ein vernünftiges Mountainbike, mit dem man auch bei kleineren Wettkämpfen konkurrenzfähig sein könnte, sei schon für relativ wenig Geld zu haben. „Ab 700 Euro geht es da ungefähr los.“ Topmodelle, wie sie etwa die Profis nutzen, können jedoch schon mehr als 5.000 Euro kosten.

Landestrainer wird aber bei der Meisterschaft nicht dabei sein

Derartige Räder sind übrigens am Wochenende bei der Deutschen Meisterschaft der männlichen und weiblichen Elite sowie der unter 23-Jährigen im hessischen Gedern zu sehen. Auch Vertreter aus Sachsen-Anhalt werden dann am Start sein. Aus Weißenfels haben unter anderem Steffi Weniger sowie Pascal Söhner für die Titelkämpfe gemeldet. Söhner traut Otto im Vergleich mit den besten deutschen Mountainbikern eine sehr gute Platzierung zu. „Er trainiert sehr strukturiert und hat gute Werte“, weiß Jonas Otto.

Der Landestrainer selbst wird aber bei der Meisterschaft nicht dabei sein, was mit Corona zu tun hat. Denn ursprünglich sollten sich auch die Junioren in Gedern messen. Doch wegen der Pandemie wurden deren Titelkämpfe in den September verlegt. Deshalb wird Jonas Otto die DM diesmal nur aus der Ferne verfolgen.

Hoffen auf den Heimvorteil

Ein nächster wichtiger Punkt für ihn und seine Nachwuchsfahrer ist das Rennen Anfang Juli in Weißenfels. Das Rennen gehört mit zu den wichtigsten im aktuellen Wettkampfkalender. „Deshalb waren vor Kurzem auch Fahrer aus anderen Bundesländern schon mal dort, um sich die Strecke anzuschauen“, sagt Jonas Otto. Seine Fahrerinnen und Fahrer aus Weißenfels sieht er dennoch im Vorteil. Von einem kleinen Heimvorteil, den man nutzen sollte, spricht Jonas Otto.

Auf die kommenden Aufgaben freut sich der junge Landestrainer - vor allem nach der gefühlt unendlich langen Wettkampfpause aufgrund der Corona-Pandemie. Von der war Jonas Otto quasi ausgebremst worden, nachdem er die Stelle als Landestrainer beim Radsportverband Sachsen-Anhalt übernommen hatte. „Ich bin aber jetzt noch motivierter als am Anfang“, betont der 29-Jährige, der auch schon langfristige Pläne entwickelt hat, um seinen Sport weiter voranzubringen.