Gisa Lions peilen Play-off-Sensation an

Gisa Lions peilen Play-off-Sensation an: Der Bus für Spiel drei ist schon bestellt

Halle (Saale) - Es ist ein kleines organisatorisches Detail, aber allemal bemerkenswert: Schon Mitte der Woche hatten die Gisa Lions einen Bus geordert, der sie am Montag nach Keltern bringen könnte. Halles Basketball-Damen wollen gewappnet sein - für den Fall einer Sensation. Die sie sich sogar zutrauen, was allein die Bestellung eines Fahrzeugs ...

Lions-Trainerin Sandra Rosanke rechnet sich in Spiel zwei gegen Keltern Chancen aus, www.imago-images.de

Es ist ein kleines organisatorisches Detail, aber allemal bemerkenswert: Schon Mitte der Woche hatten die Gisa Lions einen Bus geordert, der sie am Montag nach Keltern bringen könnte. Halles Basketball-Damen wollen gewappnet sein - für den Fall einer Sensation. Die sie sich sogar zutrauen, was allein die Bestellung eines Fahrzeugs anzeigt.

Am Samstag (Anwurf 18 Uhr) kommt es in der Erdgas Sportarena zum zweiten Viertelfinale-Duell mit den Rutronik Stars Keltern. Der Achte, der Spiel eins der Serie von maximal drei Vergleichen auswärts 63:79 verloren hatte, möchte den Meisterschaftsfavoriten zum heißen Tanz herausfordern.

„Natürlich sehen wir die Playoff-Teilnahme zunächst als Belohnung für unseren tollen Saisonendspurt. Aber nach dem Hinspiel haben wir das Gefühl: Wir haben eine Siegchance“, sagt Trainerin Sandra Rosanke.

Gisa Lions: Deeshyra Thomas fällt gegen Keltern aus

Schließlich hatte ihre durch Verletzungen arg dezimierte Mannschaft auswärts lange dagegengehalten und Keltern die Spielfreude vermiest. Wenn jetzt Centerin Barbora Kasparkova und Flügelspielerin Darien Huff zurückkehren sollten, die von Rückenproblemen gestoppt worden waren, wachsen die Möglichkeiten und die Chancen auf eine faustdicke Überraschung - und ein drittes Spiel am Montag. „Beide haben trainiert, sieht nicht schlecht aus“, sagte Rosanke am Freitag.

Doch gleichzeitig gibt es eine Hiobsbotschaft: Deeshyra Thomas kann nicht spielen. Sie kugelte sich am Donnerstagabend im Training die Schulter aus. Weil die Ärztin mit dem Notfall-Hubschrauber kam, herrschte rings um die Halle riesige Aufregung. Thomas fuhr dann mit dem Krankenwagen in die Klinik, wo ihr die Schulter wieder eingerenkt wurde. Helfen kann sie aber nicht.

Aber selbst wenn sich die Hoffnung der Gisa Lions auf ein dritten Keltern-Duell nicht erfüllt, darf Sandra Rosanke stolz und höchst zufrieden sein. Mit dem Team - und mit ihrer Arbeit. Anfang Februar war sie nach der Freistellung von Cheftrainer Peter Kortmann wegen menschlicher Differenzen mit den Spielerinnen bekanntlich von der Co-Trainerin zur Verantwortlichen aufgestiegen. Von den ab da sechs Spielen gewannen die Gisa Lions drei und schoben sich auf jenen achten Rang vor.

„Wir wussten ja, dass wir ein tolles Team haben, aber als ich übernommen hatte, fehlte es an Selbstbewusstsein“, erzählt Rosanke. „Jetzt hat sich das verändert. Die Mannschaft glaubt an sich, entwickelt auch Kampfgeist, wenn sie zurückliegt. Weil sie das Gefühl hat, sie kann auch Rückstände umbiegen“, so die 40-Jährige. Dabei half das Training, in dem auch scheinbar aussichtslose Spielsituationen simuliert wurden. Oder auch, wie man einen knappen Vier-Punkte-Vorsprung über die Zeit bringt.

Gisa Lions: Grudzien und Simpson in Führungsrollen

Rosanke sieht die steigende Formkurve als Gemeinschaftswerk. Ihre Assistentin Rachael Vanderwal, derzeit verletzte englische Nationalspielerin und Lebensgefährtin von Lions-Star Eilidh Simpson, „ist in taktischen Dingen während der Spiele eine große Hilfe und gibt wichtige Hinweise“.

Und auch die erfahrenen Spielerinnen wie Simpson und Klaudia Grudzien nehmen jetzt auf dem Parkett echte Führungsrollen ein. „Sie helfen den Jungen“, lobt Sandra Rosanke vor allem dieses Duo. Und vielleicht, wenn alles am Sonnabend im Spiel zusammenpasst, wird Keltern mit einer Pleite heimgeschickt. „Eine Chance hat man immer“, sagt auch Lions-Geschäftsführerin Lysann Kairies.

Egal, wann die Saison nun für die Gisa Lions zu Ende geht, steht eines fest: Sandra Rosanke rückt in der nächsten Serie wieder in die zweite Reihe. Sie möchte sich wieder um die Nachwuchsausbildung kümmern, die Coronazeiten brach liegt, und wird Co-Trainerin eines Chefs, den sie gemeinsam mit Kairies gerade sucht.

Gisa Lions suchen eine neue Trainerin - oder einen Frauenversteher

„Am liebsten wäre uns eine Frau“, sagt Sandra Rosanke. Von einem Trainer alten Schlages wie Kortmann, „der auch mal mit Spielerinnen hätte über Entscheidungen reden sollen“ (Rosanke), haben sie in Halle die Nase voll. Doch die ehemalige Hallenserin Juliane Höhne, in Hannover gerade entlassen, ist keine Kandidatin. Vielleicht Sidney Parsons, die in Wasserburg nicht weitermachen wird?

Wenn keine geeignete Trainerin zu finden sei, dann soll ein junger Mann übernehmen, „der sich eine Vita aufbauen möchte“, wie Sandra Rosanke erklärt. Auf jeden Fall wird ein Frauenversteher gesucht. Ein Sieg über Keltern würde der Trainerin/dem Trainer das Potenzial der Lions zeigen.

Prominenter Besuch für die Gisa Lions

Die Lions haben prominenten Besuch:  Mareike Müller, die gerade bei „Germanys next Topmodel“ ausgeschieden ist, wird gegen Keltern dabei sein. Nicht nur, um bei ihrem Ex-Verein  die Daumen zu drücken.

Die 25-Jährige wird ihre umfangreiche Nationalmannschaftskollektion spenden, die für den Lions-Nachwuchs versteigert wird. Unter www.halle-lions.de gibt es auch die Möglichkeit, digitale Tickets für das Spiel zu erwerben und mitzuhelfen. (mz)