Leichtathletik

An der Saale schwülem Ufer

Der vierte Bernburger Halbmarathon ist trotz Corona ein Erfolg geworden. Warum ein ehemaliger Handballprofi mitgelaufen ist.

Von Detlef Liedmann
Martin Rottstegge gibt eine Startnummer an Kirsten Geist aus.
Martin Rottstegge gibt eine Startnummer an Kirsten Geist aus. (Foto: Lothar Semlin)

Bernburg - „Die letzten drei Kilometer waren noch einmal richtig anstrengend“, sagte Claus Luther, nachdem er wieder ein wenig zu Atem gekommen war. Vor dem Start zum vierten Bernburger Halbmarathon hatte der 39-Jährige noch gepostet, welche Zeit er unterbieten wolle: 2:10:29 Stunden. Am Ende der 21,1 Kilometer standen am Samstag 1:47:31 Stunden und Platz sieben in der Altersklasse der Männer über 35.

Doch wie kommt man als Nachwuchskoordinator des SV Anhalt Bernburg und ehemaliger Handballprofi dazu, einen Halbmarathon zu laufen. „Daniel und ich hatten uns unabhängig von einander für die Laufchallenge angemeldet“, so Luther. Im Lockdown hieß es: „Salzland läuft - In 80 Tagen um die Welt.“ Letztlich schafften es mehr als 1.000 Mädchen und Jungen sowie Frauen und Männer auf 185.520 Kilometer, also fast fünf Erdumrundungen. Luther steuerte 530 Kilometer bei, Daniel Fürtig, Trainer der C-Jugend von Anhalt Bernburg, 711. „Und da ist uns die Idee gekommen, dass wir doch den Halbmarathon laufen könnten“, so Luther. Und aus der Idee wurde im April ein regelmäßiges Training mit je zwei Einheiten pro Woche.

„Aufgeben ist keine Option, ist es für mich noch nie gewesen“

Nun ernteten Luther und Fürtig die Früchte ihrer Arbeit. Im Gleichschritt überliefen sie die Ziellinie, wobei die Uhr für Fürtig eine Sekunden eher stoppte - bei 1:47:30 Stunden. Platz zehn in der Altersklasse M 40. Luther und Fürtig waren zügig angegangen. Ihre Kilometerzeiten lagen etwas über fünf Minuten, die letzten drei aber knapp unter sechs. Auch wenn es zum Schluss schwer fiel: „Aufgeben ist keine Option, ist es für mich noch nie gewesen“, so Luther. Schnellster des gesamten Feldes war John Volkenandt (LAC Olympia 88 Berlin). Er benötigte am Samstag nur 1:12:29 Stunden.

Parallel zum Halbmarathon wurde der Brückenlauf über zwölf Kilometer ausgetragen. Und da lief nicht, sondern rollte Dirk Weißke als Erster über den Zielstrich. Mithin sogar als Erster des Tages. Seit einem Motorradunfall 2018 ist Weißke gehandicapt und hatte sich mit seinem Handbike auf die Runde entlang der Saale begeben. „Ab und zu“ nehme er an Wettkämpfen teil. „Ja, das geht ganz schön auf die Arme“, so Weißke, einst selbstständiger Fliesenleger. Aber das Bike habe 30 Gänge. „Da kann ich ordentlich hoch und runter schalten“, sagt er. Und auf die Frage, ob Bernburg als Stadt für ihn mit einem Rolli gut zu befahren sei, kommt eine ganz klare Antwort: „Nicht wirklich.“

Start der Gruppe im Claus Luther (Startnummer 87) beim Bernburger Halbmarathon.
Start der Gruppe im Claus Luther (Startnummer 87) beim Bernburger Halbmarathon.
(Foto: Lothar Semlin)

Als letzter, das zeigte auch die Startnummer 200, machte sich am Samstag Martin Rottstegge vom PSV Bernburg auf die Strecke. „Wenn alle glücklich sind, laufe ich die zwölf Kilometer.“ Mit glücklich sein, meinte Rottstegge, wenn jeder seine Startnummer habe. Die gab der Bernburger nämlich auf dem Gelände des PSV aus. Dort musste sich jeder Teilnehmer einem Schnelltest unterziehen, sofern er nicht den Nachweis erbrachte, schon über einen aktuell gültigen Test zu verfügen, vollständig geimpft oder genesen zu sein. Denn nur unter diesen Voraussetzungen war es überhaupt möglich, die Laufveranstaltung durchzuführen. Die Teilnehmerzahl für Halbmarathon und Brückenlauf wurde auf insgesamt 200 begrenzt. Vom Gelände des PSV ging es auf die andere Straßenseite. Gestartet wurde in Höhe des Sozialgebäudes der Bernburger Fußballer. Und zwar in so genannten Wellen. Heißt: Gruppenweise, um Abstände einzuhalten.

„Das hat alles wunderbar funktioniert. Wir hatten überhaupt keine Probleme. Alle haben sich an die Regeln gehalten“, so Thomas Gruschka, Vereinschef des PSV Bernburg und damit so etwas wie der Cheforganisator. Am Zieleinlauf verteilte er die 200 Finishermedaillen an die ankommenden Läuferinnen und Läufer. Und obendrein gab es noch einmal ein Getränk sowie eine Banane als Flüssigkeits- und Energiespender.

Thomas Gruschka übergibt eine Medaille an Dirk Weißke.
Thomas Gruschka übergibt eine Medaille an Dirk Weißke.
(Foto: Lothar Semlin)

Auch unterwegs der Strecke, der Halbmarathon führte zunächst bis zum Wendepunkt am Plötzkauer Schloss, waren Versorgungsstände aufgebaut. Vor allem Wasser war da gefragt. Denn mancher Abschnitt an der Saale erwartete die Teilnehmer mit einer Schwüle, die wie aus dem Nichts aufzutauchen schien. Aber Probleme gab es nicht. Die vor Ort weilenden Mitglieder der DLRG-Ortsgruppe Bernburg um ihren Vorsitzenden Rainer Temm hatten so einen geruhsamen Samstag.

Der Lauf jedenfalls war ein Magnet, trotz begrenzter Teilnehmerzahl. Sogar aus Stuttgart waren Läufer angereist, aus Aschersleben, Quedlinburg oder Berlin. Und Gruschka ist überzeugt, dass es in diesem Jahr unter anderen Voraussetzungen mehr als 500 Starter geworden wären. Denn die 200 Plätze waren nach Freischaltung des Anmeldeportals ruckzuck weg. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, so der Vorsitzende das ausrichtenden PSV Bernburg.

Alle Ergebnisse im Internet unter www.lauf.psv-bernburg.de(mz)