RB Leipzig stapelt tief

RB Leipzig stapelt tief: Die große Kunst des Kleinredens

Leipzig/MZ - Unauffälliger kann man es fast nicht mehr machen. Als Daniel Frahn in den Raum für Pressekonferenzen in der Leipziger Red-Bull-Arena tritt, könnte man meinen, er will auf keinen Fall Aufsehen erregen. Dunkles T-Shirt, blaue Hose, leichte Stoffschuhe. Unscheinbar, schlicht, einfach. Der Kapitän des Drittliga-Aufsteigers RB Leipzig sitzt kurz darauf an dem spärlich dekorierten Tisch. Ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen, antwortet Frahn brav auf die Fragen. Als könne er keiner Fliege etwas zuleide tun. „Unser Ziel ist es, eine vernünftige Saison zu spielen und den Zuschauern guten Fußball zu bieten. Dann schauen wir, wo wir landen“, sagt er. Angriffslust klingt ...

Von Ronny Banas 19.07.2013, 08:32

Unauffälliger kann man es fast nicht mehr machen. Als Daniel Frahn in den Raum für Pressekonferenzen in der Leipziger Red-Bull-Arena tritt, könnte man meinen, er will auf keinen Fall Aufsehen erregen. Dunkles T-Shirt, blaue Hose, leichte Stoffschuhe. Unscheinbar, schlicht, einfach. Der Kapitän des Drittliga-Aufsteigers RB Leipzig sitzt kurz darauf an dem spärlich dekorierten Tisch. Ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen, antwortet Frahn brav auf die Fragen. Als könne er keiner Fliege etwas zuleide tun. „Unser Ziel ist es, eine vernünftige Saison zu spielen und den Zuschauern guten Fußball zu bieten. Dann schauen wir, wo wir landen“, sagt er. Angriffslust klingt anders.

Der Favorit sieht sich selbst nicht als einer

Es gibt aber noch einen anderen Daniel Frahn. Den, der mit seinen 20 Toren die Regionalliga Nordost in Grund und Boden schoss und maßgeblichen, wenn nicht entscheidenden Anteil am Aufstieg der Leipziger in die dritte Liga hat. Den Frahn, der im Sommer 2010 drei Tore gegen den VfL Wolfsburg schießt und den Bundesligisten dadurch aus dem DFB-Pokal befördert. Dieser Daniel Frahn ist unberechenbar, durchschlagskräftig und kreuzgefährlich für gegnerische Abwehrreihen.

Frahn ist vor dem Saisonstart in der dritten Liga keine Ausnahme bei RB Leipzig. Der Aufsteiger gilt vielen als Topfavorit für den Aufstieg in die zweite Liga. Bei einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa wurde Heidenheim 17-mal als Favorit betitelt. Dicht gefolgt von Münster mit 16 und Aufsteiger Leipzig mit 15 Stimmen. Nur: Der Favorit sieht sich selbst nicht als einer und übt sich im Leisetreten. Ankommen in der dritten Liga wollen sie, wird Trainer Alexander Zorniger nicht müde zu betonen. „Die Ausgeglichenheit in der Liga ist extrem“, sagt er.

RB Leipzig gibt sich bescheiden und redet sich fast schon krampfhaft klein. Selbst Dieter Mateschitz, Chef des Getränkeherstellers Red Bull, bleibt bescheiden. In einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung sagte er: „Es geht nicht um einen Wettlauf, mit möglichst vielen Söldnern möglichst rasch in die Bundesliga zu kommen.“ Eher gehe es um eine gesunde Entwicklung mit möglichst vielen eigenen Spielern. Ein braver Verein, wie es scheint.

RB geht mit Respekt in die Saison

Auf der anderen Seite steht ein Verein, der in vielen Bereichen längst erstklassig ist. Die Infrastruktur mit dem Trainingszentrum und der Leipziger WM-Arena, der Nachwuchsabteilungen, das Budget. Der 19-jährige Däne Yussuf Poulsen etwa dürfte einer der teuerste Einkäufe der Drittliga-Geschichte sein. Das Internetportal „transfermarkt.de“ taxiert den Stürmer mit 400.000 Euro.

Bislang hat Red Bull rund 100 Millionen Euro in das Projekt gepumpt. Von Bescheidenheit kann da nur bedingt die Rede sein. Warum also die Zurückhaltung? Gut möglich, dass sie aus den letzten Jahren gelernt haben. Drei Anläufe brauchte RB, um den Sprung in die dritte Liga zu schaffen. In der Saison 2011/2012 scheiterten sie auf der Zielgeraden am Halleschen FC. Dass es jetzt nicht leichter wird, ist auch Zorniger klar. „Vor allem die individuelle Qualität ist in der dritten Liga stärker, die Spieler sind taktisch besser geschult und auch athletisch auf einem höheren Niveau, da alle Mannschaften unter Profibedingungen arbeiten“, sagt er. RB geht mit Respekt in die Saison. Dass es möglichst schnell noch höher gehen soll, ist trotzdem klar. Als Ziel wurde einst genannt, 2017 in der Bundesliga zu spielen.

Immer gelingt es freilich nicht, das selbst auferlegte Kleinreden durchzuhalten. Hin und wieder blitzt etwas anderes durch. Dann, wenn Daniel Frahn Sätze sagt wie: „Wenn wir sagen, wir wollen nur nicht absteigen, machen wir uns lächerlich.“ Als er das sagt, sieht man es wieder. Dieses verschmitzte Lächeln auf den Lippen.