Zukunftsplanung bei Leipzig

Zukunftsplanung bei Leipzig: RBL will nicht nur Ausbildungsklub sein

Leipzig - RB Leipzig geht am Ende des ersten Halbjahres mit internationaler Belastung die Kraft aus. Welche grundsätzlichen Lehren die sportliche Leitung daraus zieht.

Von Ullrich Kroemer 15.12.2017, 14:13
Trainer Ralph Hasenhüttl (r.) und Sportdirektor Ralf Rangnick.
Trainer Ralph Hasenhüttl (r.) und Sportdirektor Ralf Rangnick. dpa

Bevor am Sonntagabend zum Hinrunden-Abschluss Hertha BSC Berlin bei RB Leipzig zu Gast sein wird, werden Erinnerungen an den 6. Mai dieses Jahres wach. An jenem Tag feierten euphorische Leipziger mit nahezu 10.000 mitgereisten Fans im Berliner Olympiastadion einen 4:1-Erfolg - und die Qualifikation für die Champions League.

Ralph (Hasenhüttl) & Ralf (Rangnick) lagen sich gerührt in den Armen. Es war ein Meilenstein, der Aufbruch in neue Sphären. In den Stadionkatakomben sprudelte es nur so aus Rangnick & Co. heraus.

Vor dem erneuten Aufeinandertreffen mit der Hertha ist diese Euphorie aktuell Müdigkeit und einem Schuss Ernüchterung gewichen. Vor dem 25. Pflichtspiel dieser Hinrunde betonen sie bei RB zwar, wie zufrieden sie angesichts der ungewohnten Zusatzbelastung in der Champions League mit der Hinrunde seien. Doch Leichtigkeit und Leidenschaft, mit der sie in der vergangenen Saison Siege einfuhren, sind gerade dahin.

Auch in der Chefetage. Rangnick hört sich aktuell nach Spielen schmallippig die Ausführungen seines Trainers an und verschwindet dann meist wortlos. Auch der Sportdirektor weiß, dass sich RB Leipzig auch in diesem Jahr für die Königsklasse qualifizieren muss, um seine ehrgeizigen Pläne mit Rasenballsport weiter in der gewünschten Geschwindigkeit vorantreiben zu können.

RB Leipzig Die Stars sollen bleiben

Die grundlegende Strategie und die Rahmenbedingungen dafür entwickelten Klubboss Oliver Mintzlaff und Rangnick bei den Gesprächen über seine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2021. Dabei wurden die Weichen dafür gestellt, wie Rasenballsport in den kommenden Jahren beständig in der Champions League dabei sein kann. Relativ klar scheint: Dafür müsste die Transformation vom aktuellen Status als Ausbildungsklub hin zu einem Verein, der Leistungsträger und somit Klasse und Erfahrung halten kann und mittelfristig konstant zu den Titelkandidaten gehört, gelingen.

Dabei ließ sich Rangnick von Geschäftsführer Mintzlaff detailliert aufschlüsseln, wie viel Geld er in den kommenden Jahren für Transfers und Gehälter zur Verfügung haben wird. Rangnick fragte: „Was ist denn möglich, was können wir tun, um Verträge zu verlängern? Welchen Spielraum haben wir, um neue Spieler zu holen und in welcher Dimension bewegt sich das Ganze?“ Sprich: Wohin steuert RB Leipzig in den nächsten vier Jahren?

Rangnick hat in Hoffenheim bereits erlebt, was passiert, wenn Stars verkauft werden und der Verein defensivere Vorstellungen von der Weiterentwicklung hat als er selbst. Dem will er nun in Leipzig vorbeugen.

RB Leipzig und das Problem Financial Fair-Play

Die langfristige Kader- und Budgetplanung hängt allerdings auch mit dem Financial Fairplay (FFP) des europäischen Fußballverbandes Uefa zusammen. „Darunter haben wir ein Stück weit zu leiden“, gibt Rangnick zu. „Das schränkt uns in unseren Handlungsspielräumen enorm ein.“

FFP schreibt vor, dass die Ausgaben die fair erwirtschafteten Einnahmen nicht übersteigen dürfen. Sprich: Red Bull darf nur das in den Klub pumpen, was die Uefa auch als marktüblich betrachtet. Auch aus Imagegründen versucht RB, sich penibel an die Regel zu halten. „Wir wollen keinesfalls der erste Verein sein, der in Deutschland womöglich sanktioniert wird“, betont Rangnick.

Marcel Sabitzer soll bei RB Leipzig verlängern

Zwar hat RB allein durch den Verkauf von Naby Keita (70 Millionen Euro) und die Champions League Teilnahme (etwa 45 Millionen) mehr Geld zur Verfügung als im Vorjahr. Dennoch will und muss sich Rangnick bei Transfers weiter „im Segment der jungen, hochbegabten Spieler bewegen. Wir haben dieses Jahr bewiesen, dass wir mit einer jungen Mannschaft den Spagat schaffen.“

Das trifft nur zum Teil zu, denn die fehlende internationale Erfahrung vieler Spieler machte sich sehr wohl bemerkbar. So will Rangnick mit tragenden Säulen wie etwa Marcel Sabitzer unbedingt verlängern, weil er nur um dieses Korsett herum hochtalentierte Spieler einbauen kann, die im besten Fall binnen weniger Monate internationale Klasse erreichen. RB wolle „alles Menschenmögliche“ tun, um auch Werner und Forsberg zu halten.

Vor allem aber bedarf es eines Ersatzes für Ausnahmefußballer Keita. Neben der eigenen Vertragsverlängerung ist die von Ralph Hasenhüttl Rangnicks größte Aufgabe in diesem Frühjahr. All diesen Vorhaben wäre ein Sieg gegen die Hertha ebenso zuträglich wie der Stimmung rund um den Klub vor der Winterpause, um im Frühjahr wieder die Champions-League-Qualifikation bejubeln zu können – und sei es erst am letzten Spieltag, im Berliner Olympiastadion.

(mz)