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RB Leipzig will Ginter und Gnabry, Gipson und Kalmar sollen gehen

Leipzig - Ein Innenverteidiger, ein Außenspieler und ein Offensivmann will RB Leipzig noch für das Abenteuer Bundesliga verpflichten. Zwei andere Spieler sollen noch gehen.

Von Martin Henkel
Skeptisches Duo: Ralf Rangnick (rechts) und Oliver Mintzlaff. imago sportfotodienst

Nach der 6:7-Pokalpleite gegen Dynamo Dresden sucht Aufsteiger RB Leipzig bekanntlich Verstärkung für seine Hintermannschaft. Auf jeden Fall für die Innenverteidigung, aber außen wäre jetzt auch nicht schlecht - und vielleicht kommt sogar auch noch ein Neuer für die Offensive.

So jedenfalls ließen sich die Aussagen von Geschäftsführer Oliver Mintzlaff am Sonntag beim Auslaufen der Profis deuten. Der RBL-Chef ließ durchblicken, dass Trainer Ralph Hasenhüttl und Sportdirektor Ralf Rangnick den gesamten Kader noch einmal auf seine Erstliga-Tauglichkeit untersuchen werden. Und dann vermeldete der Kicker am Montag, Matthias Ginter sei an einem Wechsel von der Reservebank Borussia Dortmunds in die Stammelf eines Konkurrenten durchaus interessiert. Nur nicht nach Leipzig, sondern nach Wolfsburg.

RBL könnte an eigenen Vorgaben scheitern

Das muss nicht unbedingt stimmen, auch der Kicker fischt in Transferfragen gern im Trüben. Aber es wirft ein Licht auf die Schwierigkeiten von RB Leipzig, knapp eine Woche vor Transferschluss noch Profis an den Cottaweg zu holen, die trotz der gebotenen Eile die Mannschaft „sofort verstärken können“, wie Rangnick es wünscht, und die gleichzeitig in die Transfer-Vorgaben passen: nicht älter als 23 und bereit, maximal drei Millionen Euro im Jahr zu verdienen.

Bei Ginter dürfte das Gehalt das Problem sein, der 22-Jährige ist Weltmeister und seit Samstag Silbermedaillengewinner des olympischen Fußballturniers. Das gleiche könnte für Serge Gnabry gelten. Der Dauerersatzspieler des FC Arsenal hat wie Ginter ein großartiges olympisches Turnier gespielt und durchblicken lassen, dass er den Kanal voll hat von Arsenals Bank.

Dem Vernehmen nach hat RB auch hier sein Interesse bekundet, zumal Gnabry dann schon mal ein paar seiner Mitspieler bestens kennen würde: Lukas Klostermann und Davie Selke waren mit dem 21-Jährigen zusammen in Brasilien, Stürmer Timo Werner kennt er von Spielen mit dem DFB ebenfalls. Aber reichen drei Millionen? Angeblich buhlen auch Hertha BSC Berlin und der Hamburger SV um den gebürtigen Stuttgarter. Und mehr als drei Millionen bezahlen die gerne. Tradition verpflichtet.

Kommt Hinteregger doch noch?

RB könnte das in diesem Fall verknusen. Kniffliger ist Ginters offensichtliche Absage. Ihn hätten sie sofort brauchen können. So wie auch Niklas Süle, ebenfalls Verteidiger, auch Olympia-Spieler, zumal aus Hoffenheim, wohin Rangnicks Einfluss immer noch reicht. Aber auch Süle soll vom Tisch sein. Genauso wie Aleksandar Dragovic (Dynamo Kiew). Blieb zuletzt noch Martin Hinteregger. Der Österreicher ist Nationalspieler und bei Red Bull Salzburg unter Vertrag. Na, wenigstens Hinteregger, hätte man meinen können, immerhin heißt die Red Bull interne Devise: RB Leipzig first!

Hintereggers aktuelle Absage verdeutlicht am besten, in welcher Klemme der deutsche Konzernableger gerade steckt. Der 23-Jährige will angeblich Champions League mit Salzburg spielen, auch wenn die österreichische Liga ansonsten eine zum Vergessen ist. Der Abonnement-Meister hat gute Chancen, erstmals die Gruppenphase zu erreichen. Er spielt am Mittwoch daheim gegen Dynamo Zagreb, das Hinspiel endete 1:1.

Verliert Salzburg, könnte RB natürlich wieder im Rennen sein. Rangnick hat vergangene Woche dem Abwehrmann altbekannte Wankelmütigkeit attestiert: Hinteregger sage mal dies und jenes, und viel drauf geben dürfe man nicht. „Warten wir mal ab.“

Keine Tiefe im Kader

Nur, will man so einen im Kader? Der Leipziger Verein, der bislang recht stolz auf dem Transfermarkt aufgetreten ist, würde bei einem Hinteregger-Transfer erstmals wie ein Bittsteller dastehen. Vielleicht aber geht es momentan einfach nicht anders. Die hausinternen Transfer-Vorgaben sind immer noch sakrosankt, wie Geschäftsführer Oliver Mintzlaff am Sonntag bekräftigte. „Wir haben eine klare Philosophie. Nur, weil wir gegen Dresden ausgeschieden sind, werden wir nicht davon abweichen.“ 

Die nun gebotene Eile hätten sie sich am Cottaweg vielleicht ersparen können. Der Kader hinterließ nicht nur in Dresden keine Erstliga-Reife. Auch im Trainingslager schwankte er in seinen Übungsspielen zwischen Bundesliga-Niveau und solider zweiter Liga. Und das jedes Mal, wenn Hasenhüttl seine zweite Reihe aufstellte.

Dem Kader fehlt die Tiefe. Das ist es, was Ralf Rangnick jetzt in Windeseile reparieren will. Und wofür ihm gerade die Zeit davon läuft. Dabei ist es der Sportdirektor gewesen, der Hasenhüttl seinen Aufstiegskader hingestellt und gemeint hat, mit dem können man getrost auch oben mitspielen. Zugänge gab es deshalb nur vier, und nur einen davon für die Stammformation, Naby Keita. Die anderen drei sind ein Perspektivspieler (Torwart Marius Müller), ein Stamm-Reservist (Benno Schmitz) und eine formbare Eventualität (Timo Werner).

Gipson und Kalmar können noch gehen

Für die Offensive reicht das, für die Defensive aber ist das offensichtlich doch zu wenig gewesen. Deutlich wird das vor allem auf den Abwehraußen, wo Hasenhüttl lediglich Schmitz und Ken Gipson als Ersatz für Marcel Halstenberg und Klostermann zur Verfügung stehen. Gipson etwa ist von Rangnick eigentlich zur U 23 abgeschoben worden, Hasenhüttl hat ihn aus Personalnot zurückbeordert.

Trotzdem hält der Verein dem 20-Jährigen weiter die Tür offen. Dieses Mal aber nicht zur Reservemannschaft, sondern nach draußen. Wie sein Berater Olaf Schmäler der MZ verriet, habe man vergangene Woche in einem Gespräch mit Sport-Koordinator Frank Aehlig vereinbart, „dass Ken sich weiter nach einem Verein umschauen kann. Finden wir einen, setzen wir uns noch mal zusammen".

Die gleiche Prozedur durchlief Zsolt Kalmar. Der feinfüßige Ungar ist Rangnicks Lieblinsgverschiebe-Spieler: Reserve, Leihe zum FSV Frankfurt, jetzt steht er schon wieder im Schaufenster. Rangnick hat im Trainingslager dem Ungarn nahegelegt, sich anderen Vereinen anzubieten. „Ich denke nicht, dass es bei uns für die erste Liga reicht.“

Trotzdem ist Kalmar immer noch da. Ersatzlos jedenfalls will Hasenhüttl in seiner mittlerweile offen zu Tage getretenen Not selbst auf den angeblich erstligaunreifen Ungarn nicht verzichten. Also warf er ihn gegen Dresden in der 117. Minute ins Pokalduell. Immerhin ist Kalmar am Elfmeterpunkt ein kaltes Herz. Er lief als erster an – und traf.