„Ego hintenanstellen“

RB Leipzig: Was Hasenhüttl von Sorgenkind Werner erwartet

Leipzig - Am Donnerstag, zur einzigen öffentlichen Übungseinheit der Woche, ist auch Hartmut am Cottaweg gewesen. Hartmut heißt das „Hoch“, das zuletzt Tiefsttemperaturen an die Akademie von RB Leipzig getragen hat. Minus vier Grad war es kalt, als der Kader aus der Umkleide trat, und natürlich waren die Blicke auf die Hände gerichtet. Handschuhe oder ...

Von Martin Henkel 02.03.2018, 09:54

Am Donnerstag, zur einzigen öffentlichen Übungseinheit der Woche, ist auch Hartmut am Cottaweg gewesen. Hartmut heißt das „Hoch“, das zuletzt Tiefsttemperaturen an die Akademie von RB Leipzig getragen hat. Minus vier Grad war es kalt, als der Kader aus der Umkleide trat, und natürlich waren die Blicke auf die Hände gerichtet. Handschuhe oder nicht?

Diese Frage hatte vor dem Heimspiel am Samstag gegen Borussia Dortmund nicht nur was mit dem Frost zu tun. Sie war auch von metaphorischem Interesse, weil Yussuf Poulsen das 1:2 gegen den 1. FC Köln vorigen Sonntag damit begründete hatte, dass nicht alle Kollegen „Arbeitshandschuhe“ tragen würden.

Poulsen trug welche, als er Hartmut entgegentrat. Timo Werner auch. Sturmkollege Werner ist wie Poulsen gegen Köln erst nach der Pause eingewechselt worden. Eine Minute später fiel das 1:1, sieben drauf das 1:2. Poulsen ackerte trotzdem, rannte, kämpfte. Werner hingegen fluchte, gestikulierte, winkte ab, und war nach der Partie schnell als einer der Arbeitsverweigerer ausgemacht, die Poulsen gemeint hatte, ohne ihre Namen zu nennen.

An Timo Werner zeigen sich die Probleme von RB Leipzig

Das mit der Arbeit ist beim Nationalstürmer nämlich eines der Themen, die gerade exemplarisch die Probleme des Vizemeisters umranken wie immergrünes Efeu. Seit Beginn dieser Saison geht es für den Vorjahresaufsteiger in der Tabelle hoch wie runter, auf zuvor drei Siege in Serie folgten zuletzt drei Pleiten in Reihe. Bei Werner waren es zwei Tore in Neapel bei zuletzt fünf trefferlosen Partien in der Liga.

Die Frage, die mitschwingt: Wie spielt der jüngste Kader der Liga seine Partien zu Ende – auf Werner-Art oder auf Poulsens Weise? Auch gegen Köln hatte RB geführt, so wie zuvor in sechs weiteren Partien dieser Spielzeit. Drei davon haben die Sachsen aber nur gewinnen können. Für die Ambitionen, am Ende der Saison unter den Top-Vier der Tabelle zu stehen, ist das Gift.

Hasenhüttls Aussprache mit Timo Werner

Und jetzt kommt der Tabellenzweite zu Besuch, der drei Punkte mehr auf dem Konto hat. Verlieren die Leipziger, könnte Werner wieder ins Zentrum der Kritik rücken. Der 21-Jährige ist an guten Tagen der Spieler, der Talent und Aufstieg des jungen Vereins symbolisiert - und in schlechten Phasen die Probleme des Klubs verkörpert, der schneller wächst, als die Strukturen das offenkundig vertragen können. Zu schnell wachsen, heißt nämlich ebenso schnell Gefahr zu laufen, den Überblick zu verlieren.

Zuletzt wirkte Werner mit der Gesamtsituation hin und wieder überfordert. Er lässt offen, ob er seinen Vertrag über 2020 hinaus verlängert. Und erklärte gleichzeitig, er wolle mit RB in den kommenden Jahren die Meisterschaft in Angriff nehmen.

Um den Kopf wieder zurechtzurücken, hat sein Trainer ihn deshalb vor dem Köln-Spiel zu einem Vier-Augen-Gespräch gebeten. Ralph Hasenhüttl war früher selbst Stürmer. „Ich kann deshalb gut verstehen, dass es ihn wurmt, wenn er nicht trifft.“ Werner sei nämlich einer von denen, die „beim Stand von 4:0 den Ball aus dem Netz holen, wenn sie selber noch kein Tor geschossen haben“. Gut, wenn es läuft. Schlecht, wenn nicht. „Manchmal muss man sein Ego hintenanstellen.“

RB Leipzig braucht Timo Werner in guter Laune

Das mit dem Ego galt den jüngsten Auftritten. „Zuletzt“, so Hasenhüttl, „hatten wir viele Partien, in denen er mehr für die Mannschaft arbeiten musste.“ Werner hatte also weniger „eigene Aktionen“, das habe ihn „gefrustet“. Geht aber nicht. „Er kann einen schlechten Ball nicht immer abwinken. Das ist kein gutes Signal an die Kollegen.“

Deshalb das Gespräch, das rätselhafterweise gegen Köln nichts brachte. Vielleicht aber jetzt für die Partie gegen den BVB. Hasenhüttl weiß jedenfalls, dass er seinen Torjäger bei bester Laune braucht. Also folgten auf den Tadel ein paar Übungseinheiten, die „wir auf unsere Stürmer zugeschnitten haben“. Denn Werner gilt auch als Übungsmuffel, weshalb die Handschuhe zwar was mit Hartmut zu tun hatten, darüberhinaus aber nichts aussagten. Aber: „Timo hatte viele Torabschlüsse. Das war mal wichtig.“ (mz)