Olympia

RB Leipzig verweigert gemeldeten Fußballern immer noch die finale Zusage für Rio

Halle (Saale) - RBL-Spieler Lukas Klostermann, Davie Selke und Yussuf Poulsen sind vom Weltverband Fifa für das Olympische Männer-Turnier in Rio gewählt, aber Sportdirektor Ralf Rangnick wartet mit einer Zusage

Von Martin Henkel 26.07.2016, 20:10

Ein Morgen war das am Dienstag in Leipzig, wie hingemalt. Feiner Regen hatte die 30-Grad-plus-Temperaturen in der Nacht auf ein hierzulande vertrautes Niveau fallen lassen. Endlich, nach Tagen tropischen Leidens.

Die Stimmung war mitteleuropäisch, auch am Cottaweg, dem Trainingsort des Bundesliga-Aufsteigers RB Leipzig, wo Dunst den Asphalt kühlte. Und dann diese Meldung – und es war noch nicht elf Uhr, und schon bildeten sich erste Schweißperlen.

Lukas Klostermann, Davie Selke und Yussuf Poulsen für Rio 2016 gewählt

Der Weltverband Fifa hatte in der Nacht die Kaderlisten für das Olympische Männer-Turnier in Rio veröffentlicht, darunter die Namen der drei RB-Spieler Lukas Klostermann, Davie Selke (beide DFB) und Yussuf Poulsen (Dänemark).

Eine solche Liste bedeutet normalerweise, sie ist fix und sie ist final. Aber in dieser Angelegenheit ist nichts normal, nicht in Leipzig, und nicht an den anderen Bundesliga-Standorten. Denn Olympia und Fußball – Gott, nein! Das Allevierjahreturnier fällt immer in die Saisonvorbereitung und findet beim Weltsportlertreffen sowieso eher am äußersten Rand des Vergnügens statt.

Kompromiss auf wackeligen Füßen: RBL-Sportdirektor Ralf Rangnick wartet mit Zusage

Nichts da, hieß es also bei RB Leipzig, fix sei der Kader erst, wenn der Rio-Flieger die Türen schließt. Und das ist Samstag, 22.15 Uhr. Bis dahin gilt, was Sportdirektor Ralf Rangnick vor zehn Tagen beim Bezahlsender Sky bestimmt hat: „Wenn sowohl der dänische als auch der deutsche Verband die bestmöglichen Spieler nominiert und die dann auch von ihren Vereinen abgestellt werden, dann würden wir uns als Teil einer Solidargemeinschaft sehen und auch abstellen. Aber wir werden sehr genau beobachten, was in beiden Ländern in den nächsten Tagen passiert.“ Heißt: Wenn die anderen nicht abstellen, dann wir eben auch nicht.

In den kommenden drei Tagen kann also noch allerhand passieren. Schon im Vorfeld der Nominierung durch den DFB war die Besetzung der Horst-Hrubesch-Delegation ähnlich hart verhandelt worden wie der Flüchtlingsdeal der EU mit der Türkei. Und auf genauso wackeligen Füßen steht der Kompromiss: zwei Spieler pro Verein maximal, inklusive anderer Verbände, womit RB bereits mehr als sein Soll erfüllt, keine Zugänge (wie Timo Werner) und keine Spieler, die zuvor bei einer EM oder WM waren (wie Emil Forsberg). Und funktioniert nur, wenn alle sich dran beteiligen und an den Deal halten.

Vorbereitungszeit für erste Saison in der Bundesliga steht bei RB Leipzig an

Es ist ja nicht so, dass RB nicht wollte. Jugendlich zu sein, das ist der strukturelle Kern dieses erst sieben Jahre alten Klubs, sein die Bestandteile bewegender Leitclaim. Alles dreht sich um Werden, Wachsen, und seit Jahren schon ist Olympia für Fußballer bis auf drei Ausnahmen eine Angelegenheit der Unter-23-Jährigen. Das passt also nach innen.

Und drei Spieler nach Brasilien zu schicken, zumal drei potenzielle Stammspieler, das passt auch nach außen. Das ist gut fürs Image, gerade wenn viele andere Klubs meinen, ein olympisches Fußballturnier könne man so gut gebrauchen wie einen Knorpelschaden im Knie.

RBL-Trainingslager ohne Selke, Klostermann und Poulsen

Aber es ist Sommer, Vorbereitungszeit, die erste Saison in der Bundesliga steht an, der Trainer ist neu, einige Spieler sind neu, die Zeiten sind aufregend und aufreibend. Das Feinschliff-Trainingslager in Grassau (4. bis 10. August) findet schon definitiv ohne Selke, Klostermann und Poulsen statt, und stehen sich Dänen und Deutsche im Finale gegenüber, dann auch das Pokalspiel in Dresden gegen Dynamo (20. August). RB will deshalb nicht um jeden Preis.

RB Leipzig: „Für uns ist der Kader fix“

Eine Kettenreaktion ist deshalb noch immer nicht ausgeschlossen. Es muss nur einer der zwölf abstellenden Klubs (Köln, Mainz, Ingolstadt, BVB, Bayer, Schalke, Freiburg, KSC, Arsenal, Hoffenheim, RB) aus dem Deal ausscheren. Und das kann schnell passieren. Hat Henrik Larsson erst vor vier Tagen vorgemacht.

Der frühere Stürmer vom FC Barcelona und Manchester United ist Trainer des schwedischen Klubs Helsingborg IF, Larsson trainiert dort auch seinen Sohn Jordan. Der war für Olympia nominiert, dann fielen dem Vater zwei Stürmer aus – und vorbei war’s mit der Berufung.

Bis Samstag also muss der DFB weiter auf die Sanduhr äugen und die Hände falten. Trotzdem empfindet der Dachverband seine Wetterlage als wolkig bis heiter. Auf Nachfrage der MZ hieß es: „Für uns ist der Kader fix!“ Donnerstag soll er an-, Samstag abreisen. „Wir gehen fest davon aus, dass kein Verein mehr einen Spieler abmeldet, es sei denn, er ist verletzt.“ Und überhaupt: „Wir denken auch nicht, dass ein Verein jetzt noch einen Rückzieher macht. Was würde das für ein Bild abgeben?“

(mz)