RB Leipzig verliert gegen Ajax

RB Leipzig verliert gegen Ajax: Besonders Ersatzspieler enttäuschen

Lagos/Ferreiras - Beim Spiel gegen Ajax zeigte sich RB Leipzig vor allem in der Defensive schwach.

Von Ullrich Kroemer und Martin Henkel
Davie Selke (l.) erzielte zwar das einzige Leipziger Tor, agierte insgesamt aber wie seine Mitspieler unsicher.

Die Sonne im kleinen Estadio da Nora in der portugiesischen Kleinstadt Ferreiras ging gerade unter, als RB Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl vor die Mikrofone und Kameras trat. Da auch RB Leipzig am Samstagnachmittag im Testspiel gegen Ajax Amsterdam mit 1:5 (0:3) untergegangen war, war im sonst so freundlichen Gesicht des Coachs ebenfalls nichts Sonniges mehr.

Ralph Hasenhüttl: „Wir haben uns ganz, ganz schlecht präsentiert.“

Stirnrunzelnd kritisierte der Österreicher: „Wir haben uns ganz, ganz schlecht präsentiert. In der ersten Hälfte gab es ein paar Totalausfälle.“ Und weiter: „So darf man natürlich nicht verlieren, auch wenn der Gegner kurz vor dem Rückrundenstart ist und wir auf das Spiel nicht so viel Rücksicht genommen haben in unserer Vorbereitung.“ Hasenhüttl monierte, dass sich sein Team zu wenig gewehrt habe. „Mir hat nicht gefallen, dass wir uns einfach ergeben haben und uns teilweise selber die Tore geschossen haben.“

Vor etwa 1.000 Fans agierte der Überraschungsklub der Bundesliga-Hinrunde wie gelähmt. Das Pressing, das RB sonst so stark macht, fand nicht statt, und auch gedanklich, spielerisch und taktisch war Europa-League-Teilnehmer Ajax den Leipziger immer voraus. Mitte der ersten Hälfte geriet die Abwehr gegen die AFC-Offensive um den Ex-Gladbacher Amin Younes, der drei Tore erzielte, sowie den athletischen Mittelstürmer Kasper Dolberg regelrecht ins Schwimmen. „Ajax hat uns teilweise schön hergespielt, wir waren immer zu spät, hatten ähnlich wie in München keinen Zugriff und wurden auch frühzeitig bestraft“, sagte Spielführer Dominik Kaiser.

Dabei sollte der Test eigentlich dazu dienen, um Trainer Hasenhüttl Optionen an die Hand zu geben, wie er den gesperrten Emil Forsberg sowie den noch immer verletzten Spielmacher Naby Keita ersetzen könnte. So gab Leipzigs Fußballlehrer den Stürmern Davie Selke und Oliver Burke Chancen. Selke erzielte zwar das einzige Tor für RB, agierte sonst aber unsicher und unglücklich. Burke konnte überhaupt keine Akzente setzen.

Auch in der Abwehr experimentierte der Chefcoach und testete Defensivallrounder Bernardo, der im Abwehrzentrum ebenso keine gute Figur abgab wie Benno Schmitz als Rechtsverteidiger. „Heute hatten wir einen Test, der gezeigt hat, wie es nicht geht. Das ist ja manchmal auch ganz hilfreich“, sagte Hasenhüttl. „Jetzt sind wir um eine Erkenntnis reicher.“ Und: „Ich möchte Angebote von Spielern bekommen, die nicht immer gespielt haben. Wenn man nicht genug anbietet, dann hat man auch keinen Anspruch auf einen Stammplatz.“

Willi Orban will Niederlage nicht überbewerten

Abwehrchef Willi Orban, der die Defensivreihe ebenfalls nicht in den Griff bekam, mochte die deftige Niederlage tags darauf jedoch nicht überbewerten: „Es ist gerade in der Vorbereitung gar nicht so schlecht, mal eins auf die Mütze zu bekommen, damit man wieder wach ist. Aber das ist nix, was uns umwirft – im Gegenteil. Wir gehen unseren Weg weiter.“ Man müsse die Pleite richtig einordnen, so der gebürtige Pfälzer. „Ich würde gern mal in einem Pflichtspiel gegen Ajax spielen – dann würde man sehen, wie es wirklich aussieht.“

Am Morgen nach dem Spiel hatte Hasenhüttl sein Team vor dem Auslaufen auf dem Trainingsplatz im Kreis um sich herum versammelt und eine mehrminütige Ansprache gehalten. „Er hat angesprochen, dass wir gerade in der Vorbereitung, wenn die Beine schwer sind, eine Schippe drauflegen müssen, kommunizieren, und uns gegenseitig helfen, so dass wir nicht so auseinanderfallen“, berichtete Orban. Tenor: Eine Testspiel-Niederlage gegen Ajax Amsterdam ist keine Schande. Doch die Art und Weise sowie die Deutlichkeit gab allen Beteiligten zu denken.

Defizite im Defensivverhalten bei RB Leipzig

Denn auch, wenn es nur ein Testspiel war: Die Parallelen zum spielerisch ebenso deutlichen Misserfolg gegen den FC Bayern München waren nicht zu leugnen. „Wir hatten gegen Bayern und gegen Ajax zwei extrem spielstarke Mannschaften. Da hat es bei uns gerade im Defensivverhalten gefehlt, da waren wir nicht so griffig und flink, wie wir das in der Mitte der Hinrunde waren“, sagte Kaiser. „Dann kommst du immer zu spät in den Zweikampf oder gar nicht.“

Doch dass die Partie gegen die Münchner noch in den Köpfen spuke, mochte keiner der Protagonisten bestätigen. „Das Bayern-Spiel hatte keine Nachwirkungen mehr. Das ist abgehakt. Wir werden auch dieses Spiel analysieren, abhaken und wieder anders auftreten“, versprach Kaiser. Im nächsten Test gegen den portugiesischen Drittligisten FC Farense am Mittwoch hat das Team die Chance dazu.

(mz)