RB-Trainer Hasenhüttl

RB Leipzig Trainer Ralph Hasenhüttl lobt Auftritt seiner Mannschaft in Hoffenheim

Sinsheim - Es war heiß in den Katakomben der Sinsheimer Arena. Ralph Hasenhüttl saß nach RB Leipzigs 2:2 beim Ligadebüt bei der TSG Hoffenheim schwitzend auf dem Podium und nutzte den Matchstatistik-Zettel, um sich etwas Luft zuzufächeln. Der RBL-Chefcoach hatte zwar nicht selbst auf dem Platz gestanden, war aber nach diesem Spiel ebenso sichtlich erschöpft wie seine ...

Von Ullrich Kroemer
Dominik Kaiser lässt sich nach seinem Tor zum 1:1 von den Teamkollegen beglückwünschen.
Dominik Kaiser lässt sich nach seinem Tor zum 1:1 von den Teamkollegen beglückwünschen. X00960

Es war heiß in den Katakomben der Sinsheimer Arena. Ralph Hasenhüttl saß nach RB Leipzigs 2:2 beim Ligadebüt bei der TSG Hoffenheim schwitzend auf dem Podium und nutzte den Matchstatistik-Zettel, um sich etwas Luft zuzufächeln. Der RBL-Chefcoach hatte zwar nicht selbst auf dem Platz gestanden, war aber nach diesem Spiel ebenso sichtlich erschöpft wie seine Spieler.

Das lag nicht nur am tropischen Klima ins Sinsheim, sondern auch an dieser aufregenden und atemlosen Partie, die auch viele Zuschauer in Ekstase versetzt hat. Inklusive Ralph Hasenhüttl.

Angesprochen auf Charakter und Mentalität seiner Mannschaft, die sich durch Marcel Sabitzers Ausgleichstreffer in letzter Minute selbst belohnt hatte, antwortete der Österreicher: „In den letzten acht Wochen, in denen ich die Mannschaft kennengelernt habe, habe ich mich in diese Eigenschaft sehr schnell verliebt. Das ist genau das, was ich heute als unser größtes Plus gesehen habe.” Hasenhüttl, der großen Wert auf die Ausstrahlung seiner Teams legt, lobte: „Wir haben das Herz in beide Hände genommen und einfach nicht akzeptiert, dass wir hier nichts mitnehmen.” 

Rangnick: „Punkt wichtig für die Psyche”

Nach dem Pokal-Aus in Dresden war genau dies das Ziel für dieses erste Spiel des jungen Klubs in der Bundesliga gewesen. „Vor allem die Art und Weise, wie der Punkt zustande gekommen ist, ist ein Fingerzeig, wozu wir zu leisten im Stande sind”, sagte Hasenhüttl. Und auch Sportdirektor Ralf Rangnick maß dem Punkt große Wirkung bei: „Nach der Niederlage im Pokal war es heute fürs Selbstvertrauen, für die Psyche extrem wichtig, dass wir diesen Punkt mitnehmen.” Teilweise habe das Team „schon im Stile einer Heimmannschaft gespielt”.

Möglichst attraktives und dominantes Spiel ist für Rasenballsport nicht nur wichtig, um Punkte zu holen, sondern auch Mittel zum Zweck, um das bundesweit ausbaufähige Image weiter zu verbessern und an Akzeptanz zu gewinnen. „Uns bleibt, konsequent unseren Weg zu gehen und möglichst attraktiven Fußball zu spielen, bei dem auch Fans anderer Klubs sagen: Hey, nicht so schlecht, was die spielen”, hatte Rangnick bereits am Tag nach dem Aufstieg gesagt.  

Mitreißendes Spiel ist auch PR-Coup für RB Leipzig

Nach dem Spiel in Hoffenheim verkündete Hasenhüttl ungefragt, dass RB Leipzig die zweitmeisten Torschüsse des Spieltags abgegeben habe und auch deswegen „eine Bereicherung” für die Bundesliga sei. Ein solcher Auftritt wie am Sonntagabend ist für RBL nicht nur ein gutes Fußballspiel, sondern auch ein PR-Coup – Werbung in eigener Sache.

Zwar wissen die Spieler ebenso gut wie Rangnick und Hasenhüttl, dass die Abstimmung in der Defensive noch ausbaufähig ist. „Natürlich war der Gegner immer wieder mit Konterstößen gefährlich”, monierte Hasenhüttl der Trainer. „Phasenweise haben wir sie hervorragend kontrolliert, dann war es wieder ein wenig chaotischer.” Und Kapitän Dominik Kaiser analysierte: „Noch hat nicht alles funktioniert, die Tore müssen wir viel besser verteidigen. Ein Konter wie beim 2:1 darf so nie passieren, weil beide Sechser zu offensiv stehen. Da müssen wir cleverer sein, weil das in der Bundesliga eiskalt bestraft wird.”

Gefühlter Sieg für RB Leipzig

Generell aber fühlte sich der Punkt für die Leipziger wie ein Sieg an. Als solchen deklarierte Hasenhüttl die Partie auch kurz nach Abpfiff bei seiner Ansprache im Mannschaftskreis. „Der Trainer hat uns positive Energie gegeben, er war auch sehr euphorisch bei diesem ersten Spiel”, sagte Yussuf Poulsen. „Er will ja auch was reißen mit der Mannschaft. Heute war ein guter Anfang.”

So blieb am Ende des schwülen Abends für die erleichterten Leipziger die Erkenntnis, dass die Qualität des Kaders genügt, um in der Bundesliga nicht nur zu bestehen, sondern auch begeistern zu können. „Wir brauchen uns in der Bundesliga nicht zu verstecken, haben individuelle Qualität und einen Spirit, der uns durch die Saison tragen wird”, formulierte der starke Spielführer Kaiser. Und Stürmer Poulsen ergänzte: „Alle haben bestanden, alle sind angekommen in der Liga. Das Spiel heute gezeigt, dass alle das Niveau für die Bundesliga haben.” 

RB Leipzig kann noch zulegen

Doch freilich werden auf das junge RBL-Team noch schwerere Prüfungen zukommen, als gegen den Tabellen-15. des Vorjahres. Nicht nur spielerisch, sondern auch atmosphärisch. Die Hoffenheimer Anhänger empfingen die Gäste so freundlich, als würden sie sich um eine Fanfreundschaft mit RB Leipzig bewerben. So respektvoll waren die Leipziger Spieler und Fans in den vergangenen Jahren selten begrüßt worden. 

Insofern war die TSG Hoffenheim aus RBL-Sicht der perfekte Gegner, um in der Bundesliga anzufangen. In den nächsten Auswärtsspielen gegen große Fanszenen wie denen des Hamburger SV oder des 1. FC Köln muss sich das Team auf dem Rasen nicht nur gegen elf Gegner, sondern auch gegen Tausende auf den Rängen wehren müssen.  

Doch auch RB Leipzig kann noch zulegen – hinsichtlich Stabilität, Chancenverwertung und Cleverness ebenso wie personell: „Heute haben sechs potenzielle Stammspieler gar nicht beziehungsweise nicht von Anfang an gespielt”, gab Rangnick zu bedenken. „Wenn die noch hinzukommen und alles ineinandergreift, haben wir noch mehr Potenzial.” Ralph Hasenhüttl, der froh war, endlich duschen gehen zu können, sagte zum Abschluss: „Wir werden in diesem Jahr noch viel Freude mit der Truppe haben.” (mz)