RB Leipzig Trainer Beierlorzer im Interview

RB Leipzig Trainer Beierlorzer im Interview: "Diese Niederlage war schmerzhaft"

Leipzig - Das war es dann endgültig mit dem ersehnten historischen Durchmarsch. An Tag eins nach dem 0:1 in Hamburg herrscht Tristesse auf der Trainingsanlage am Leipziger Cottaweg. Viele Spieler verlassen mit gesenkten Köpfen die ...

Von Ullrich Kroemer

Das war es dann endgültig mit dem ersehnten historischen Durchmarsch. An Tag eins nach dem 0:1 in Hamburg herrscht Tristesse auf der Trainingsanlage am Leipziger Cottaweg. Viele Spieler verlassen mit gesenkten Köpfen die Containerkabinen.

Torhüter Fabio Coltorti – im Spiel gegen Darmstadt noch Torheld – und Stürmer Emil Forsberg haben die Arme umeinander gelegt, als müssten sie sich in dieser Situation stützen. Kapitän Tim Sebastian unterhält sich vor dem Kabinentrakt lange mit Teampsychologe Philipp Laux. Die Enttäuschung über die verpasste Chance auf den Aufstieg lässt sich beinahe Greifen. Interimstrainer Achim Beierlorzer hat das Spiel mit der Mannschaft und seinem Trainerteam analysiert, direkt danach spricht er mit der MZ über fehlenden Willen, verhinderte Leader und die harsche Kritik von Sportdirektor Ralf Rangnick.

Herr Beierlorzer, was haben Sie Ihrer Mannschaft einen Tag nach der enttäuschenden Niederlage gegen St. Pauli in der Analyse aufgezeigt?

Achim Beierlorzer: Diese Niederlage war schmerzhaft, aber wir müssen auch daraus etwas mitnehmen. Wenn wir schon die drei Punkte liegengelassen haben, dann müssen wir wenigstens Lehren aus diesem Spiel ziehen. Eine davon ist, dass wir unsere Arbeit gegen den Ball, unsere Sprints gegen den Gegner auf jeden Fall in die Waagschale werfen müssen – gerade gegen kampfstarke Gegner. Dann müssen wir den Spieß einfach rumdrehen. Wir haben der Mannschaft in der Analyse gezeigt, dass wir das gegen St. Pauli verpasst haben. 

Wir erklären Sie sich, dass Ihr Team gerade in Partien mit Endspiel-Charakter wiederholt unterdurchschnittlich agiert?

Beierlorzer: St. Pauli war sehr defensiv und aggressiv ausgerichtet, dazu kommt der zwölfte Mann Publikum. Diese Spiele sind prinzipiell schwer, da braucht es einen Türöffner durch eine individuelle Situation oder einen Standard. Da hat bei uns etwas gefehlt: Unser Wille aufzusteigen war nicht größer als St. Paulis Wille, in der Liga zu bleiben. 

Ist die Mannschaft in der Entwicklung auch vom Kopf her noch nicht reif, um in die 1. Liga aufzusteigen?

Beierlorzer: Wir stehen in dieser Saison im Umbruch, es müssen viele Spieler integriert werden. Und jeder integrierte Spieler hat auch ein wenig den Verlust des Mannschaftsgefüges zur Folge. Dass es Leader auf dem Platz gibt, die das unbedingte Siegergen haben und die anderen mitreißen, das müssen wir erzeugen. Da habe ich heute viele Einzelgespräche geführt, da wir viele Spieler haben, die andere mitreißen können, aber das noch nicht so wahrnehmen. Damit meine ich auch unsere jungen Akteure, die auch mit ihren jungen Jahren diese Situationen erkennen, in die Verantwortung gehen und die anderen mitreißen müssen. 

Sind Sie mit der Mannschaft so hart ins Gericht gegangen wie Sportdirektor Ralf Rangnick, der der Mannschaft bescheinigte, wie ein „Abstiegskandidat” gespielt zu haben?

Beierlorzer: Ich gebe nicht viel darauf, was ich lese, sondern darauf, was wir direkt besprochen haben. Wir haben das Spiel direkt im Anschluss gemeinsam analysiert und waren beide enttäuscht darüber, dass wir uns haben den Schneid abkaufen lassen, dass wir uns spielerisch nicht durchsetzen konnten und dass St. Paulis Kampf und Leidenschaft ausgereicht haben, um uns zu besiegen. (mz)