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Nach Remis gegen den HSV

RB Leipzig Remis gegen den HSV: Was ist gerade los beim Vizemeister?

Leipzig - Die Mütze - saß sie gut? Ralph Hasenhüttl hatte Zweifel, aber der Wind war eisig am Sonntag auf dem Trainingsgelände von RB Leipzig, die Kopfbedeckung deshalb weniger eine Stilfrage, sondern das Gebot der Vernunft. Egal also, wie er sich drunter ...

Von Martin Henkel 29.01.2018, 09:12

Die Mütze - saß sie gut? Ralph Hasenhüttl hatte Zweifel, aber der Wind war eisig am Sonntag auf dem Trainingsgelände von RB Leipzig, die Kopfbedeckung deshalb weniger eine Stilfrage, sondern das Gebot der Vernunft. Egal also, wie er sich drunter vorkam.

„Ein Trainer“, so Hasenhüttl, „muss ja auch nicht schön sein, sondern erfolgreich.“ Was würde der Cheftrainer der Sachsen nur ohne seinen Humor anfangen? Griesgrämig zu sein, wäre wohl andernorts die Standardantwort auf eine vergleichbare Großwetterlage, in der dem Österreicher beim Auslaufen seiner Ersatzspieler nicht nur Winterböen um die Ohren pfiffen, sondern auch Fragen, was da gerade los ist beim Vizemeister.

Einen Tag zuvor war der akut abstiegsbedrohte Hamburger SV zu Gast gewesen. RB, zu diesem Zeitpunkt Vierter, hatte den Vorletzten 20 Minuten an die Wand gespielt, war früh durch Brumas Stirn in Führung gegangen (9.).

Alles hatte sich nach Stand, Rang und Vermögen entwickelt - und dann das: Ein einziger Konter des HSV brachte den Gästen das 1:1 sowie den späteren Endstand (Filip Kostic, 29.), wenn auch aus einer Abseitsstellung heraus.

Ein Gegenschlag, und vorbei war es bei den Sachsen mit Gegenpressing, Umschaltspiel, Torchancen und einem Sieg.

RB Leipzig verliert Woche zuvor gegen Freiburg

Nicht zu glauben. RB hatte schon eine Woche zuvor gegen den SC Freiburg geführt und war binnen vier Minuten und zwei Toren nach Ecken um die Früchte eines zuvor klug geplanten Spiels gebracht worden.

Das Remis gegen den HSV fühlte sich kaum weniger nach einer Niederlage an. „Unterm Strich“, so Hasenhüttl, „war das zu wenig.“

Emil Forsberg und Marcel Halstenberg fehlen RBL

Vor allem die zweite Halbzeit war ein Offenbarungseid, was einmal mehr verdeutlichte, wie schwer es dem Trainer fällt, Ausfälle wie die von Emil Forsberg (malader Bauchmuskel) und Marcel Halstenberg (Kreuzbandriss) sowie einen erkältungsangeschlagenen Naby Keita zu kompensieren.

Nach der Pause, als der HSV den Punkt verteidigte wie einen Sieg, fand RB keine einzige nennenswerte Lösung, den Hamburger Riegel zu knacken.

Ralph Hasenhüttl steht nicht zur Disposition

In der Summe sind das jetzt acht Spiele, von denen die Sachsen nur eines gewonnen haben. Ergebniskrise? Trainerfrage gar, immerhin kann Hasenhüttl die Pflicht, erfolgreich zu sein, ja nur bedingt erfüllen. Nein! Unsinnige Fragen werden am Cottaweg jetzt trotzdem keine aufgeworfen.

Hasenhüttl steht nicht zur Disposition. Dennoch sind die „Baustellen“ im Kader nicht zu übersehen. Kaum nämlich, dass eine geschlossen wurde, - die der vielen Tore nach Standards, wie Hasenhüttl auf die nur drei Ecken und null HSV-Treffer nach einem ruhenden Ball hinwies -, tut sich eine neue auf: Das Selbstverständnis ist plötzlich dahin.

Zweites Jahr eben, erklärte Hasenhüttl. Dazu kämen die Mehrfachbelastungen aus Meisterschaft, Pokal, Champions League, das Alter der Liga-weit jüngsten Mannschaft, die vielen tief stehenden Gegner, der eben doch nicht so breit aufgestellte Kader. Und: die Erwartungshaltungen.

Wer die Vorsaison als Vergleich heranziehe, sagte er, der müsse schlussfolgern, „dass wir es diese Saison nicht so gut machen.“ Das sei eben „der Fluch der guten Tat“. Summa summarum: „Auch deshalb fehlt uns momentan die Leichtigkeit.“

Die wieder zu erlangen, dafür wäre sie aber ganz nützlich. Ein Teufelskreislauf also, aus dem Hasenhüttl gern mit Verstärkungen wieder herausfinden würde. Bedarf sei auf den Außenverteidiger-Positionen und vermutlich eine für Forsberg, dessen baldige Rückkehr ausgeschlossen scheint. Der Trainer argwöhnte erstmals, dass der „Unterschiedsspieler“ (Hasenhüttl) für die ganze Rückrunde ausfallen könnte.

Weil Ersatz zu finden, gerade aber so wahrscheinlich ist wie Leipzigs Rückkehr zur Leichtfüßigkeit der letzten Meisterschaft, ist das Gebot der Stunde ein anderes: Die Erwartungen herunterschrauben! Das war Hasenhüttls Botschaft einen Tag nach dem bitteren Remis. „Wir müssen aufpassen“, so der Trainer, „dass wir uns“ mit zu großen Zielen „nicht überfrachten“. Es sei alles „andere als selbstverständlich, dass wir als so junges Team mit so einer Belastung wie in dieser Saison, uns wieder für die Champions League qualifizieren. Sollte das so sein, hoffe ich, dass wir uns noch darüber freuen können.“ (mz)