Eil

RB Leipzig

RB Leipzig: Rasante Premiere von Neuzugang Jean-Kévin Augustin

Leipzig - Der französische Zugang Jean-Kévin Augustin zeigte im Spiel gegen Freiburg ein faszinierendes Repertoire. Schon 2016 war er bester Kicker der U-19-EM.

Von Ullrich Kroemer 28.08.2017, 21:13

Der Abend in den Katakomben des Leipziger Stadions dauerte für Jean-Kévin Augustin länger als geplant. Der Franzose musste nach dem 4:1-Triumph von RB Leipzig gegen den SC Freiburg wie sein Landsmann Dayot Upamecano zur Dopingkontrolle - das zog sich. So kam es, dass Augustin zunächst gar nichts über sein starkes Heimdebüt für RB Leipzig sagen konnte.

Dafür berichtete Cheftrainer Ralph Hasenhüttl, dass „Jika“, wie Augustin in Leipzig genannt wird, nach dem Spiel mit einem Lächeln in die Kabine gegangen sei. „Das sehe ich bei ihm nicht so oft und habe es daher bewusst zur Kenntnis genommen“, sagte der Trainer und lobte den jungen Stürmer. „Er hat heute gezeigt, dass er uns besser macht.“

Am Morgen nach der Leistungsexplosion der Leipziger in Hälfte zwei meldete sich Augustin dann doch noch zu Wort und schrieb beim Kurznachrichtendienst Twitter: „Ich werde mein erstes Spiel mit meinen Teamkollegen in der Red-Bull-Arena nie vergessen. Vielen Dank an Euch alle!“

Jean-Kévin Augustin mehr als nur Poulsen-Ersatz

Auch die Leipziger Fans, Beobachter und Trainer werden Augustins Heimpremiere nicht so schnell vergessen. Mit drei Großchancen in der ersten Hälfte, die von Gäste-Keeper Alexander Schwolow entschärft wurden oder neben dem Tor landeten, und zwei direkten Torvorlagen in Hälfte zwei hinterließ der 14 Millionen Euro teure Zugang von Paris St. Germain nachhaltig Eindruck und gehörte zu den „Aktivposten“, wie Hasenhüttl bemerkte.

„Jika hat seine Chance heute gut genutzt. Er hatte schon in der ersten Halbzeit guten Tiefgang, gute Ballan- und mitnahme, war nur noch etwas unglücklich im Abschluss“, so der Österreicher. Generell lobte Hasenhüttl: „Mit seiner Art zu spielen, ist Jean für unser Spiel sicher gut geeignet, weil er Vertikalität hat und versucht, sein Tempo zu nutzen.“

Dass der muskulöse Stürmer mit dem gewaltigen Oberschenkel-Durchmesser überhaupt von Beginn an zum Einsatz kam, war der Adduktorenverletzung von Yussuf Poulsen geschuldet. Doch Augustin wies nach, dass er mehr als nur ein Poulsen-Ersatz sein kann. Gerade gegen tiefstehende Gegner hat der kompakte 1,77-Meter-Mann mehr Zug zum Tor, bessere Technik am Ball und einen wuchtigeren Schuss als der Däne. Poulsen hingegen reißt mit 1,93 Meter Körperlänge und seinem physischen Spiel mehr Lücken und schafft Räume für Timo Werner.

Flanken, Pässe, Abschlüsse: Augustin zeigt gesamtes Repertoire

Dass beide auch gut harmonieren können, zeigte die Entstehung zum 3:1, als sich Augustin zunächst robust im Mittelfeld durchsetzte und dann den Pass in die Spitze auf Werner spielte (71.). Bereits beim Treffer zur 2:1-Führung hatte er Kapitän Willi Orban nach einer Ecke mit einer Flanke von der Grundlinie bedient (55.).

So nutzte Augustin den unverhofften Einsatz dazu, um fast sein gesamtes Repertoire auf den Platz zu bringen: Flanken, Pässe in die Tiefe, wuchtige und akrobatische Abschlüsse. Er spielte so leidenschaftlich, wie der außerhalb des Platzes so coole Kicker das von sich selbst erwartet. Mit „Rage“ sagen die Franzosen dazu.

Augustin schon bei der U-19-Europameisterschaft sehr torgefährlich

Nun muss der Mann aus den Pariser Banlieues nur noch selbst treffen. Doch wenn er so agiert, wie bei seiner ersten Chance, als er den Ball artistisch mit dem Außenrist annahm, über seinen Gegenspieler lupfte und dann volley abschloss (9.), ist das nur eine Frage der Zeit. Wie torgefährlich er sein kann, hat Augustin etwa bei der U-19-Europameisterschaft im vergangenen Jahr gezeigt, als er sechs Tore erzielte und als bester Spieler des Turniers sogar von Lionel Messi gelobt wurde.

Nun reiste der Angreifer zur französischen U-21-Nationalmannschaft, mit der er am kommenden Dienstag das EM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan in Le Mans bestreitet. Das Städtchen kennt man zwar eher vom 24-Stunden-Sportwagenrennen. Doch das passt schließlich ganz gut zur Rasanz, die Augustin auf den Rasen bringen kann. (mz)