RB-Defensive

RB Leipzig: Rangnick und Hasenhüttl mit Abwehrsorgen

Leipzig/Grassau - RB Leipzig geht mit großen Ambitionen in sein erstes Bundesliga-Jahr. Doch das Trainingslager im Chiemgau zeigt: Es fehlt noch einiges für die Eliteklasse.

Von Martin Henkel 10.08.2016, 18:58
Aufgepasst: Atinc Nukan.
Aufgepasst: Atinc Nukan. imago sportfotodienst

RB Leipzig hat sich am Mittwoch einen Tag frei genommen. Im Verein wurde das als wohltuend empfunden, denn der Bundesliga-Neuling musste tags zuvor mit einem mulmigen Gefühl aus seinem Trainingslager abreisen.

Am Dienstagvormittag hatte RB gegen den FC Liefering getestet. Liefering ist das Nachwuchsteam von Red Bull Salzburg, spielt zweite österreichische Liga, also mehr als eine Klasse unterhalb des deutschen Profiablegers, und hätte deshalb gut herhalten können für einen leichten Sieg und eine beschwingte Heimreise. Doch nicht RB spielte Schwarmpressing und Überfall-Konter, sondern der jugendliche Gegner. Am Ende hieß es zwar 4:4, doch dieses 4:4 spiegelte die Verhältnisse nicht wider.

In der Offensive läuft’s

Es reichte dann irgendwie auch. Das Übungslager im Chiemgau wurde zwar allgemein als positiv empfunden, aber so richtig heiter war die Stimmung am Ende nicht. Die Eindrücke aus den acht Tagen ließen sich einfach nicht nebeneinander stellen, um daraus die eine erhoffte Antwort auf die Frage zu erhalten, wie tauglich der Kader zwei Wochen vor Saisonstart ist.

Die Offensive, wenigstens das, spielte hin und wieder auf Höhe der ehrgeizigen Erwartungen. Beim 3:2 gegen Eibar und beim 4:4 gegen Liefering drehten die Stammelf-Favoriten Yussuf Poulsen, Marcel Sabitzer, Emil Forsberg, Kapitän Dominik und Naby Keita auf der Spielmacher-Position vor der Abwehr jeweils die Rückstände mit Raffinesse und Charakter.

Die Viererkette aber hat das Potenzial, Trainer Ralph Hasenhüttl und und Sportdirektor Ralf Rangnick den Schlaf zu rauben. Im Grassauer Zustand jedenfalls ist sie kaum bundesligatauglich. Hasenhüttl probierte vieles. Zugang Benno Schmitz ließ er rechts und links außen ran, Marcel Halstenberg bekam auf seiner Stammposition links außen Einsatzzeit, Marvin Compper in der Mitte, es spielte mal Antic Nukan innen, mal Stefan Ilsanker, hin und wieder auch Ken Gipson rechts außen. Keiner aber spielte konstant auf hohem Niveau.

Abwehrchef Compper nicht fit

Compper etwa testete lediglich gegen den FC Turin (0:0), die zwei letzten Spiele ließ er weg. Der frühere Hoffenheimer laboriert an einer Entzündung zwischen Schambein und Bauchmuskulatur und konnte in Grassau nicht voll trainieren. Wie schnell er das auskurieren kann, weiß aktuell niemand.

Ähnliches gilt für Halsenberg, auch der Linksverteidiger ist nicht schmerzfrei. Schmitz spielte solide, wurde aber als Ersatz für Lukas Klostermann gekauft, der noch in Rio bei Olympia im Einsatz ist. Gipson ist eigentlich Kandidat für die U 23 - und Nukan kaum einer für die erste Reihe.

Für einen Aufsteiger, der die Mehrzahl seiner Bundesligaspiele in dieser Saison eher wohl in der eigenen als der gegnerischen Hälfte verbringen wird, sind das ganz und gar keine guten Aussichten. Sportdirektor Rangnick hat deshalb in Grassau bestätigt, dass man den Markt weiter nach einem Verteidiger absucht. „Wir tendieren dazu, in der Innenverteidigung noch etwas zu machen“, sagte er.

Der 58-Jährige bescheinigte dem Kader „auf 13, 14, 15 Positionen gut besetzt“ zu sein. „Aber nicht jeder ist auf dem Niveau, auf dem er voriges Jahr war und auf dem er sein muss, um in der Bundesliga zu bestehen.“ Insofern, so Rangnick, „brauchen wir die Zeit bis zum Ligaauftakt, um diese Diskrepanzen aufzuarbeiten“.

Ob zwei Wochen reichen, ist so unklar, wie es zuletzt die Überlegungen des Trainers gewesen sind, welchen Spielern er die ersten Spiele zutraut. Das aber immerhin wird sich bald ändern. Am Sonntag empfängt RB zur Saisoneröffnungsfeier den spanischen Erstligisten Betis Sevilla. Dann wird Hasenhüttl zum ersten Mal seine favorisierte Elf präsentieren. So jedenfalls hat es Rangnick durchblicken lassen, und bekanntlich stehen die beiden in allen Fragen Schulter an Schulter.