Leipzigs Transferpolitik

RB Leipzig: Ralph Hasenhüttl kontert Aussagen von Uli Hoeneß

Leipzig - Bayern-Präsident Uli Hoeneß rät RB Leipzig, künftig auch ältere Spieler zu verpflichten, um konkurrenzfähig zu bleiben. RB-Trainer Ralph Hasenhüttl sieht das anders.

Von Ullrich Kroemer 12.05.2017, 06:00
RB-Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl will am Transferkurs des Klubs weiter festhalten.
RB-Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl will am Transferkurs des Klubs weiter festhalten. dpa-Zentralbild

Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß nimmt den Mund in diesen Tagen wieder reichlich voll. Nicht etwa, weil sich der 65-Jährige unter der Woche in der Hofkellerei des Fürsten von Liechtenstein vor Publikum ein Vier-Gänge-Menü hatte servieren lassen. Spitzenküche versteht sich, 16 Gault-Millau-Punkte. Es war vielmehr der Inhalt seiner Rede bei der Veranstaltung „Meet the president“ im 37 000-Einwohner-Steuerparadies, die ihm bundesweite Aufmerksamkeit bescherte.

Hoeneß sprach zum einen über das Gerichtssurteil gegen ihn: „Ein Freispruch wäre völlig normal gewesen.” Über seine Fanklubs im Gefängnis und seine neue Beliebtheit, die ihm die Haftstrafe eingebracht hat. Die Schweizer Zeitung „Blick” hat Hoeneß Aussagen protokolliert. Und natürlich versäumte er es auch nicht, sich vor dem Gastspiel des FC Bayern in Leipzig an diesem Samstag über RB zu äußern.

Beim Schmaus in der Hofkellerei erzählte Hoeneß, dass er Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz neulich beim Basketball in München getroffen habe und ihm einen Ratschlag für die Kaderplanung bei Rasenballsport gegeben habe: „Ich habe ihm gesagt: Lieber Herr Mateschitz, wenn Sie jetzt auch noch ältere Spieler verpflichten, werden Sie ein ganz ernstzunehmender Gegner für uns.“

Uli Hoeneß zweifelt an der Transferpolitik von RB Leipzig

Am Rande des U19-Bundesliga-Halbfinales zwischen dem Nachwuchs des FC Bayern und den Junioren des FC Schalke 04 (1:3) konkretisierte der Bayern-Boss bei Sport1: „Ich bin ziemlich sicher, dass Leipzig den Weg so nicht weitergehen wird, wenn sie demnächst in der Champions League spielen.” Er könne sich „nicht vorstellen, dass man es nur mit jungen Leuten schaffen kann, wenn man drei Mal die Woche spielt“, ergänzte er: „Das werden sie auch wissen, und ich kann mir gut vorstellen, dass sie das in der neuen Saison modifizieren.“ Nun gut.

Weil Ralph Hasenhüttl selbst einmal beim FC Bayern gespielt hat und gute Kontakte zum Rekordmeister pflegt, antwortete Leipzigs Trainer darauf nicht etwa abweisend, sondern ganz gelassen. Das decke sich mit den Aussagen, die RB vor dieser Bundesliga-Saison gehört habe, erinnerte Hasenhüttl: „Es wird nicht reichen, dass wir nur mit Spielern unter 23 Jahren in der Bundesliga bestehen können”, habe es geheißen. Nun hat im Laufe der Spielzeit jedermann gesehen, dass es doch funktionierte. So sagte Hasenhüttl auch mit Blick auf die Herausforderungen in der „Königsklasse”: „Es liegt immer wieder an uns zu beweisen, dass es doch geht. Das macht die ganze Sache ja so spannend: zu zeigen, dass es doch funktioniert.”

Wie plant RB Leipzig seinen Kader für die Champions League

RB Leipzig hat seine Debütsaison in der Bundesliga mit dem jüngsten Kader der Liga absolviert. Hier der Überblick:


Verein     ø-Alter
FC Bayern     27,8    
FC Augsburg    27,1    
Darmstadt 98    27,1    
Werder Bremen    26,5    
Hertha BSC    26,3    
SC Freiburg    26,1    
1. FC Köln    26,0    
1899 Hoffenheim    25,7    
FC Ingolstadt    25,6    
Schalke 04    25,6    
Borussia Dortmund    25,4    
Borussia M’gladbach    25,2    
Bayer Leverkusen    25,1    
VfL Wolfsburg    25,1    
Hamburger SV    24,8    
Mainz 05    24,7    
Eintracht Frankfurt    24,7    
RB Leipzig    24,3    
Quelle: transfermarkt.de

Auch mit Blick auf die überschaubare Nachwuchsquote beim FC Bayern antwortete Hasenhüttl: „Es gibt den Weg, dass man sich fertige Stars kauft und den Weg, dass man versucht, Stars zu formen.” Anders als von Hoeneß prophezeit, werden sie laut Hasenhüttl beim Tabellenzweiten den eingeschlagenen Kurs weiterverfolgen: „Wir sind bisher sehr gut damit gefahren und haben nicht vor, irgendetwas anders zu machen.”

Diese Red-Bull-Kader-Philosophie stammt von Ralf Rangnick und hatte Mateschitz 2012 vom Sportdirektor überzeugt, als sich beide zum ersten Mal trafen. Und auch Hasenhüttl hat im Laufe dieser Saison noch mehr Vertrauen in diese Strategie gewonnen. „Super spannend”, sei das Projekt, fast ausschließlich mit Anfang 20-Jährigen zu arbeiten, „da ist viel Fantasie drin, und den Weg gehe ich bedingungslos mit”, so der Österreicher.

Hasenhüttl schwärmt bei RB Leipzig von Upamecano

Als Role Model für künftige Verpflichtungen gilt bei RBL Youngster Dayot Upamecano. „Wenn man sieht, wie abgeklärt er in Berlin gespielt”, lobte Hasenhüttl, „das wird der nächste Weltklassespieler, den wir hier haben.” Weil Vize-Kapitän Willi Orban noch immer an einer langwierigen Sprunggelenksprellung laboriert, wird der 18 Jahre Franzose wohl auch gegen den FC Bayern auflaufen. Spieler wie das Innenverteidiger-Talent dürfen dann ruhig auch 10 bis 15 Millionen Euro kosten.

Für die neue Saison wünscht sich der Trainer fünf, sechs neue Spieler auf nahezu jeder Position. „Wir werden 15,16 gleichwertige Spieler brauchen”, sagte er: „Alternativen, um zu rotieren”. (mz)