Nach Pleite gegen Leverkusen

RB Leipzig nach Pleite gegen Bayer Leverkusen - Peter Gulacsi: „Jeder muss sich hinterfragen“

Leipzig - Nach der Niederlage von RB Leipzig gegen Bayer Leverkusen üben sich die Spieler in Selbstkritik. RB-Torwart Peter Gulacsi, Willi Orban und Trainer Ralph Hasenhüttl bezogen Stellung.

Von Ullrich Kroemer
RB-Torwart Peter Gulasci übte nach der Niederlage gegen Bayer Leverkusen Selbstkritik.
RB-Torwart Peter Gulasci übte nach der Niederlage gegen Bayer Leverkusen Selbstkritik. imago sportfotodienst

Torhüter Peter Gulacsi war bedient. Der Mann mit der leuchtend grünen Arbeitskleidung stand nach der denkwürdigen 1:4 (1:1)-Pleite von RB Leipzig gegen Bayer Leverkusen im Kabinengang und konnte es nicht fassen, dass er in den zurückliegenden 90 Minuten vier Mal den Ball aus dem Netz hatte holen müssen.

Im eigenen Stadion. Im so wichtigen Sechs-Punkte-Spiel um die direkte Champions-League-Qualifikation. „Wir haben so viele Fehler gemacht”, stöhnte der Ungar. „Offensiv haben wir die Bälle zu schnell verloren, defensiv müssen wir die Gegentore einfach besser verteidigen.”

Und in der Tat: Wie dominant Leverkusen RB Leipzig bespielte und in die eigene Hälfte drängte, war beeindruckend. Das Team von Trainer Heiko Herrlich ließ Ball und Gegner laufen, spielte teils unbedrängt aus dem Zentrum heraus zahlreiche präzise Schnittstellenpässe in die Räume zwischen die Viererkette.

Was die RB-Spieler bei der Niederlage gegen Bayer Leverkusen am meisten ärgerte

Vor allem der nach seiner Vertragsverlängerung entfesselte Julian Brandt brach bereits in der ersten Hälfte mehrfach durch die Abwehrreihe. „Wir haben versucht, hoch zu stehen, sind aber nicht in die Zweikämpfe gekommen”, rechtfertigte Kapitän Willi Orban. „Im Mittelfeld hat die Abstimmung gefehlt. Da hatten wir zu wenig Entlastung und zu viele Ballverluste.”

Was Gulacsi, Orban & Co. am meisten ärgerte, war die Tatsache, dass die entscheidenden Gegentore dann aus diesen Situationen heraus fielen, in denen sich RB zweimal übertölpeln ließ:

Beim 1:1 konterte Leverkusen ebenso über nur drei Stationen wie vor dem 2:1, als der Ball nach einem Abstoß von Torhüter Bernd Leno binnen weniger Sekunden im Leipziger Kasten lag.

RBL-Trainer Ralph Hasenhüttl mit zwei Erklärungen für die Pleite seiner Mannschaft

„Dass wir aus einer eigenen Ecke einen so einfachen Konter bekommen, darf genauso wie das 2:1 nach einem Abstoß niemals passieren”, schimpfte Gulacsi.

Pechvogel des Abends war der zuletzt so abgebrüht agierende Dayot Upamecano, der an allen vier Gegentreffern beteiligt war, indem er gleich zweimal unfreiwillig für Leverkusen auflegte und zwei entscheidende Duelle verlor.

Trainer Ralph Hasenhüttl hatte zwei Erklärungsansätze für die Demontage parat. Zum einen hinterfragte er seine eigene Wechselstrategie. „In der Halbzeit war die Frage: das Personal defensiver zu wechseln oder auf das zweite Tor zu gehen?”

Hätte Diege Demme dem Spiel von RB Leipzig gegen Leverkusen gutgetan?

Der Trainer entschied sich für letzteres. „Ob das der richtige Weg war, ist im Nachhinein schwer zu beurteilen”, befand er. Weshalb Motor Diego Demme, der in den vergangenen Spielen stets wichtiger Sieggarant war, in diesem derart wichtigen Spiel nur auf der Bank saß und für das Europa-League-Viertelfinale gegen Marseille geschont wurde, thematisierte der Österreicher nicht.

Einer wie Demme fehlte gegen Leverkusen, um Löcher zu stopfen und den Gegner zu stressen. Mit Kevin Kampl, Naby Keita und nach der Umstellung auch Marcel Sabitzer im Mittelfeld war das Pressingnetz zu löchrig.

Und zum zweiten musste Hasenhüttl wieder einmal einsehen, dass sein Team „in solchen Begegnungen, wo so viel Tempo und Zug drin sind” mit nur einer halben Woche Vorbereitungszeit „nicht ebenbürtig” ist.

RB-Keeper Gulacsi: „Jeder muss sich fragen, was er hätte besser machen können”

Es ist das Problem der Leipziger, dass das junge Team mit dem Takt an Topspielen, den der Spielkalender mit Euro-League-Beteiligung anschlägt, vor allem mental (noch) nicht Schritt halten kann.

Doch wie kriegt man eine solche Pleite vor dem Viertelfinal-Rückspiel in Marseille am Donnerstag aus den Köpfen? „Eine Nacht drüber schlafen, und dann vor die Jungs treten, um ihnen zu helfen und uns wieder Zuversicht zuzusprechen”, antwortete Hasenhüttl.

„Wir brauchen in Marseille ein anderes Gesicht.” Torhüter Gulacsi forderte eine selbstkritische Reflektion: „Jeder muss die Schuld bei sich selbst suchen und sich fragen, was er hätte besser machen können”, so der Ungar.

RB-Trainer Ralph Hasenhüttl gibt sich nach Niederlage kämpferisch

Dass RB in der Liga nun vor den letzten fünf Spielen zwei Punkte hinter Leverkusen steht und zurück auf Rang sechs rutschte, grämte Hasenhüttl und seine Spieler zwar.

„Das tut uns heute weh”, gab Hasenhüttl zu. „Heimspiele gegen einen direkten Konkurrenten zu verlieren, ist denkbar ungünstig, wenn es um die vorderen Plätze geht.”

Doch der 50-Jährige gab sich trotz der Lehrstunde gegen Leverkusen kämpferisch, auch angesichts des Restprogramms, das durchaus für RB spricht: „Das Rennen ist noch nicht beendet. Auch wenn wir vielleicht durch die Doppelbelastung einen Wettbewerbsnachteil haben: Aufgeben werden wir noch nicht!” (mz)