RB Leipzig

RB Leipzig : Macht es Rangnick selbst?

Leipzig - Der Nachfolger von Ralph Hasenhüttl muss hohe Ansprüche erfüllen. Deshalb ist auch eine Rückkehr des Sportdirektors auf die Trainerbank eine Option.

Von Martin Henkel 24.05.2018, 08:00

Sie waren also doch vorbereitet. Wie die MZ erfuhr, hat RB Leipzig der Abgang von Trainer Ralph Hasenhüttl nicht so überrascht, wie es zuletzt den Anschein hatte.

Der Verein sucht daher auch nicht verzweifelt, sondern gezielt nach einem Nachfolger. Zieht man aber in Betracht, was von dem Neuen alles gefordert wird, wird klar, warum trotz Plan B noch immer Stillstand herrscht. Diese Ansprüche muss der Trainer erfüllen.

Erfahrung mit dem internationalen Geschäft

Die braucht er zwar nicht dringend, um RB in die ersten Qualifikationsspiele für die Europa League zu führen. Sollten die Sachsen aber die Gruppenphase erreichen, sind Vorkenntnisse unerlässlich. Dann nämlich heißt es wieder: Mehrfachbelastung!

Den Oberbegriff für Überforderungen aller Art durch Spiele im Dreitagesrhythmus hatten die Leipziger eigentlich für überwunden geglaubt. Aber ist der Neue auch neu auf europäischem Parkett, dann geht das Erfahrungen sammeln wieder von vorn los. Was das anrichten kann, hat man beim Ex-Trainer gesehen, dem die Debütsaison im Europapokal zum Verhängnis wurde.

Faible für Vollgasfußball

Ein Grund für den Verein, dem Österreicher keinen neuen Vertrag anzubieten, waren dessen Experimente mit dem heiligen Vollgasfußball. Hasenhüttl wollte mit mehr Ballbesitz eine zweite Systemvariante etablieren, um nicht so ausrechenbar zu sein. Das funktionierte allerdings nur bedingt. Sein Nachfolger muss also Sportchef Ralf Rangnick und Vereinschef Oliver Mintzlaff mit hauseigenem DNA-Fußball zufriedenstellen.

RB Leipzig  soll kurz vor der Verpflichtung des Rechtsverteidigers Nordi Mukiele (20) von HSC Montpellier stehen.

Nach Informationen der  Sport-Tageszeitung L'Equipe haben die Sachsen ihr Transferangebot von 14 auf 16 Millionen Euro erhöht. Der U-21-Nationalspieler kam in der vergangenen Saison bei den Südfranzosen wettbewerbsübergreifend zu 39 Einsätzen.

Leipzig hatte schon im Januar vorgefühlt, war aber abgeblitzt. Für Montpellier wäre es der größte Transfer der Vereinsgeschichte.  Zugleich ist Leipzig an US-Spieler Tyler Adams (19) von Schwesterklub  New York Red Bulls interessiert.

Ein Händchen für junge Spieler

Eine Folge der Rangnickschen Vorgabe, auf keine Spieler über 23 zu setzen, ist der Bedarf des Kaders an einem Lehrmeister. Der neue Trainer sollte also weniger ein altväterlicher Stratege wie Jupp Heynckes sein, sondern in erster Linie ein Ausbilder. Vorbilder sind hier Julian Nagelsmann (TSG Hoffenheim) und Florian Kohfeldt (Werder Bremen).

Fähigkeiten als Seelsorger

Es ist ohnehin eine Wissenschaft für sich, Profifußballer bei Laune zu halten. Im Fall von RB Leipzig ist der Bedarf an mentaler Pflege allerdings noch größer geworden. Denn die potenziellen Champions-League-Kicker wie Timo Werner, Emil Forsberg oder Marcel Sabitzer müssen in die Europa League. Das aufzufangen, dafür braucht es einen Trainer, bei dem das Wort Mentalcoaching kein Stirnrunzeln auslöst.

Bereitschaft für höchsten Druck

So versiert Ralf Rangnick und Oliver Mintzlaff sind, den blutjungen Klub im Entwicklungs-steigflug zu halten, so fordernd sind sie auch. Der Neue sollte also die Frage, auf wen er sich da einlässt, bereits durchgearbeitet und ermessen haben, was es bedeutet, dass die Chefstrategen Hasenhüttl trotz Vizemeisterschaft im Aufstiegsjahr und Viertelfinale in der Europa League sowie Meisterschaftsrang sechs in der zweiten Oberhaussaison das Misstrauen ausgesprochen haben.

Summa summarum sucht RB also einen Trainer vom Format des Liverpooler Coaches Jürgen Klopp, der als seelsorgerischer Ausbilder einen jungen Kader Rock-n-Roll-Fußball spielen lässt, mit dem er es bis ins Finale der Champions League geschafft hat.

Aber es gibt keinen Zweiten wie Klopp, der gerade arbeitslos wäre, was eine Option immer wahrscheinlicher werden lässt, die nach MZ-Informationen nicht aus der Welt ist. Dass es Rangnick selber macht. Immerhin kann der mit sich und seinen Ansprüchen am besten umgehen.  (mz)