Drei Spiele binnen einer Woche

RB Leipzig in drei Wettbewerben: Die Herausforderung beginnt

Leipzig - Nach dem nächtlichen Heimflug aus Rumänien waren RB Leipzigs Spieler am Freitagnachmittag bereits wieder auf dem heimischen Trainingsplatz am Cottaweg gefordert. Vollzählig wohlgemerkt, was nach dem 1:1 im Rückspiel der dritten Qualifikationsrunde der Europa League (EL) in der „Sandgrube“ von Craiova keine Selbstverständlichkeit ...

Von Ullrich Kroemer
Eine harte Woche wartet auf Emil Forsberg und die Profis von RB Leipzig. imago sportfotodienst

Nach dem nächtlichen Heimflug aus Rumänien waren RB Leipzigs Spieler am Freitagnachmittag bereits wieder auf dem heimischen Trainingsplatz am Cottaweg gefordert. Vollzählig wohlgemerkt, was nach dem 1:1 im Rückspiel der dritten Qualifikationsrunde der Europa League (EL) in der „Sandgrube“ von Craiova keine Selbstverständlichkeit war.

Bei jedem Zweikampf sah man am Donnerstagabend die Sandwölkchen aufstieben, als hätte ein Golfer in der Sandgrube den Ball nicht recht getroffen. Doch es gehört zu den Herausforderungen der Ochsentour durch Europas, auch mit diesen Widrigkeiten umzugehen.

Was Ralf Rangnick in Craiova gut gefiel

Was das Umschaltspiel und die Lösungen nach vorn angeht, das weiß auch Rangnick, war die Partie gegen den rumänischen Pokalsieger keine Offenbarung. Doch der 60-Jährige nahm es als weitere Übungseinheit. „Ich mache mir auch in Hinblick auf die Bundesliga keine Sorgen, dass wir genug Tore schießen, um Spiele zu gewinnen, sondern entscheidend ist unser Spiel gegen den Ball“, betonte Rangnick am Freitag.

Gegen Craiova habe das RB-Powerplay etwa zu Beginn der zweiten Hälfte hervorragend funktioniert. „Richtig kompakt, griffig, in einem guten Netz“ habe sein Team agiert, lobte der Fußballlehrer.

RB Leipzig: Die Heim- und die Auswärts-Rechnung

Nach nun vier Pflichtspielen in der EL-Quali mit zwei Siegen und zwei Unentschieden sowie 9:3 Toren nutzte Rangnick die Gelegenheit zu einer ersten Bilanz, noch bevor die Saison eigentlich richtig losgegangen ist. Dabei unterschied er zwischen Heim- und Auswärtspartien.

„Man hat in den Heimspielen gesehen“, sagte Rangnick, „dass wir dem Spiel unseren Stempel aufdrücken können.“ Und was die Auswärtsspiele angeht, bilanzierte der Schwabe realistisch: „Wir mussten nicht mehr machen als das, was wir getan haben. Das haben wir sauber und professionell abgewickelt. Beide Spiele waren zu keinem Zeitpunkt in Gefahr.“

Wenn man bedenkt, dass Leipzig derzeit die schwere Aufgabe meistert, in der Vorbereitung gleichzeitig Pflichtspiele zu absolvieren, kann das Urteil bislang positiv ausfallen.

Hartes Programm für RBL: Drei Spiele in einer Woche

Doch Rangnick weiß auch, dass der Takt jetzt bedeutend intensiver wird. „Die eigentliche Herausforderung beginnt jetzt“, mahnte der Trainer. Mit dem Auftritt im DFB-Pokal bei West-Regionalligist FC Viktoria Köln an diesem Sonntag (15.30 Uhr), dem Hinspiel in den EL-Play-offs gegen den ukrainischen Klub Sorja Lugansk und dem Bundesliga-Auftakt bei Borussia Dortmund warten drei Auswärtspartien in einer Woche.

Ein Mammutprogramm. Doch Rangnick hat aus der vergangenen Saison gelernt und mag das Thema Dreifachbelastung nicht überstrapazieren. Stattdessen hat er für den Saisonstart das Motto ausgegeben: „Wenn’s leicht wär’, könnt’s ja jeder.“

RBL trifft im DFB-Pokal auf alte Bekannte

Das vermeintlich einfachste Spiel der Dreier-Serie steht am Wochenende bei Viktoria Köln an. Doch Rangnick warnt, dass die „starke“ Kölner Mannschaft mit den Ex-Leipzigern Tobias Willers und Patrick Koronkiewicz „Drittliga-Potenzial“ habe. Mäzen Franz-Josef Wernze, der mit seiner Steuerberatungs- und Anwaltsgruppe über 800 Millionen Euro Umsatz macht, will nicht nur den kleinen Kölner Verein in die dritte Liga bringen.

Als Alternative für die rechtsrheinischen Kölner von der „Schäl Sick“, der scheelen Seite, wie die Domstädter sagen, und als neue zweite Kölner Kraft hinter dem FC und vor Fortuna. Noch vielmehr schwebt Wernze nach dem Vorbild von Red Bull ein Klub-Filialsystem vor, in dem sich die von ihm alimentierten Vereine gegenseitig befruchten.

Pikant: Dazu gehört auch Regionalligist Lok Leipzig. Beim polnischen Erstligisten Lechia Gdansk ist Wernze sogar Mehrheits-Aktionär. Doch die große Fußballeuphorie ist bei den Viktorianern noch nicht losgebrochen. Gegen RBL werden nur 5.000 Besucher erwartet.

RBL im DFB-Pokal bei Viktoria Köln mit Timo Werner

Sportlich geht RB die Aufgabe hoch konzentriert und mit weitgehend frischer Besetzung an. Auch Timo Werner wird wohl erstmals nach der WM von Anfang an auflaufen. „Es wäre gut für Timo, wenn er 70, 80, wenn es geht auch 90 Minuten spielen könnte, um in den Rhythmus zu kommen“, hofft Rangnick.

Von einem möglichen Pokal-Triumph und dem ersten großen Titel für RB wollte er übrigens nichts wissen und erinnerte stattdessen an die bislang eher klägliche DFB-Pokal-Ausbeute von RB. „Wir haben uns immer früh verabschiedet“, sagte Rangnick, „und tun gut daran, nicht von Titelträumen zu fabulieren.“

(mz)