Analyse der „Roten Bullen“

RB Leipzig in der Analyse: Was RBL in dieser Saison stark macht

Leipzig - Wohin Ralph Hasenhüttl sich an seinen freien paar Tagen verzogen hat, bleibt sein Geheimnis. Aber man kann es sich denken. Während der vorigen Länderspielpause verschwand er zu seiner Familie, die im Süden wohnt. Dort hat er viel geschlafen, saß auf dem Fahrrad, spielte Golf – und verwehrte dem Fußball samt seinen Rätseln den Zugang zu seinem ...

Von Martin Henkel
RBL-Trainer Ralph Hasenhüttl kann mit dem bisherigen Saisonverlauf durchaus zufrieden sein.
RBL-Trainer Ralph Hasenhüttl kann mit dem bisherigen Saisonverlauf durchaus zufrieden sein. imago sportfotodienst

Wohin Ralph Hasenhüttl sich an seinen freien paar Tagen verzogen hat, bleibt sein Geheimnis. Aber man kann es sich denken. Während der vorigen Länderspielpause verschwand er zu seiner Familie, die im Süden wohnt. Dort hat er viel geschlafen, saß auf dem Fahrrad, spielte Golf – und verwehrte dem Fußball samt seinen Rätseln den Zugang zu seinem Kopf. 

Man darf davon ausgehen, dass der Cheftrainer von RB Leipzig es sich in diesen Tagen nicht anders gemütlich gemacht hat. Denn das eine Entrée in die vorherige Pause glich dem in diese. Das eine war ein 2:1 gegen Köln, dieses Mal war es ein 2:1 gegen Hannover. „Wenn man mit einem Sieg pausiert“, so Hasenhüttl, könne man leichter abschalten.

Glauben muss man ihm das freilich nicht. Der 50-Jährige gehört zur Gruppe der Trainer-Tüftler, und die denken niemals nie über Fußball nach. Denn Ereignisse, Erkenntnisse und Entwicklungen, die gab es schließlich auch während der jüngsten englischen Partie-Periode zuhauf.

RB Leipzig: Vier Punkte, die RBL in dieser Saison stark machen

Von wegen, das zweite Jahr ist das Schlimmste!

Die Sachsen stehen nach elf Spieltagen da, wo sie die vergangene Saison beendet haben: auf Rang zwei. Von wegen, den Emporkömmling würde dasselbe Schicksal ereilen wie schon so viele Aufsteiger vor ihm! Dass er abschmiert im zweiten Oberhaus-Jahr, darüber muss sich Hasenhüttl keine Gedanken mehr machen.

RB ist dreifach belastet in die jüngste von ihm als „Tranche“ bezeichnete Partie-Salve gegangen, und hat trotz Liga, Pokal, Champions-League vier Partien gewonnen: gegen Dortmund, Stuttgart, Hannover und Porto daheim in der Champions League.

Der RB-Coach hat deshalb zurecht darauf hingewiesen, dass gegen die drei Pleiten in dieser Zeit (zwei Mal die Bayern in Pokal und Liga, einmal gegen Porto auswärts), steht: sieben Siege in elf Liga-Spielen, drei Pleiten, ein Remis. „Es haben ja viele gesagt, das zweite Jahr würde schwer werden. Aber wir haben es bis hierher gut gemacht.“

Happy Rotation I

Die große Herausforderung für Hasenhüttl und sein Trainerstab ist gewesen: Wie eine Tranche konzipieren, wenn man keine Ahnung davon hat? Die Antwort: Rotieren, was der Kader hergibt. Weil: Die Liga ist lang, die Tranchen kommen bis zum Winter in Wellen. Also braucht es vor allem gesunde Spieler. Und die hat RB, also ist auch das kein offenes Thema mehr. Bis auf Stefan Ilsanker, der sich den Zeh gebrochen hat, sind alle Spieler von klassischen Überlastungsverletzungen verschont geblieben.

„Das war unsere Priorität“, so Hasenhüttl. Hat funktioniert. Wie? Der Trainer hat nicht nach Eindruck, sondern Labordaten aufgestellt. Nur bei einem Spieler hat er den Blutwerten nicht vertraut: Timo Werner. Prompt schwindelte dem Nationalstürmer im Spiel gegen Besiktas Istanbul, irgendwas mit Kiefer und Halswirbel. Er fehlte RB wochenlang.

Happy Rotation II

Um gelungen rotieren zu können, braucht es den richtigen Kader. Zwei Reihen Minimum auf dem gleichen Niveau. Als Werner ausfiel, dachten viele, jetzt bekommt RB ein Problem. Denn ausgerechnet für den Angreifer hat es im Sommer keinen Backup gegeben.

Aber Hasenhüttl hat einfach Formation und Strategie dem Ausfall angepasst, sodass es auch so zu Siegen gegen Dortmund und Porto langte. Und: Der Österreicher hat alle Neuen binnen kurzer Zeit auf das Niveau seiner Vorstellungen gehoben.

Er konnte Bruma ohne Substanzverlust gegen Emil Forsberg rotieren, er konnte Naby Keita oder Diego Demme durch Kevin Kampl ersetzen oder Jean-Kévin Augustin gegen Werner oder Yussuf Poulsen tauschen. Und er hat es sogar geschafft, den erst 18 Jahre alten Franzosen Ibrahima Konaté mit wenigen Einsätzen so aufzubauen, dass auch Willi Orban oder Dayot Upamecano ihre Auszeiten nehmen können.

Er schläft nicht, sondern ruht nur

Schon mit Beginn der Vorsaison-Rückrunde war klar: RB kann sein altes Pressing-Umschaltspiel vergessen. Viele Gegner stehen gegen die Sachsen tief, machen das Zentrum zu und schlagen lange Hölzer. Hat ein paar Mal geklappt, aber die Leipziger haben den Dreh raus. Binnen weniger Monate hat Hasenhüttl die Anlagen verändert, RB kann jetzt auch Ballbesitzfußball.

Und weiß, wie man Bollwerke knackt. Dass der Kader dabei so hervorragend besetzt ist, hilft natürlich. Aufsteiger Hannover, der RB 70 Minuten lang am Rand einer Niederlage hatte, brach in sich zusammen, als Hasenhüttl 30 Minuten vor Schluss Keita und Forsberg aufs Feld schickte.

(mz)