DFB-Pokal

RB Leipzig im DFB-Pokal: Wie sich die Sportfreunde Dorfmerkingen vorbereiten

Leipzig/Dorfmerkingen - In der ersten Runde des DFB-Pokals trifft RB Leipzig in Aalen auf die Sportfreunde Dorfmerkingen. Nicht nur für den Sechstligisten ein besonderes Spiel.

Von Ullrich Kroemer 11.08.2017, 07:00
Kapitän Christian Zech (l.) und der Vorsitzende Thomas Wieser posieren mit dem wfv-Pokal. Dieser war den Sportfreunden Dorfmerkingen bei einer Mannschaftsfahrt nach Mallorca kurzzeitig abhanden gekommen.
Kapitän Christian Zech (l.) und der Vorsitzende Thomas Wieser posieren mit dem wfv-Pokal. Dieser war den Sportfreunden Dorfmerkingen bei einer Mannschaftsfahrt nach Mallorca kurzzeitig abhanden gekommen. dpa

Ralph Hasenhüttl nahm sich in dieser Woche mal ein paar Minuten Zeit, um inne zu halten und auf die Anfänge seiner Trainerkarriere zurückzublicken.

Das passte ganz gut – nicht nur, weil RB Leipzigs Trainer am Mittwoch seinen 50. Geburtstag feierte, sondern auch, weil Hasenhüttl zum Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal an diesem Sonntag (15.30 Uhr) in jenes Stadion zurückkehrt, wo er sein Erweckungserlebnis als Trainer hatte: in die Aalener Ostalb-Arena.

Denn bevor RB Champions-League-Höhen erklimmt, wartete der schwäbische Amateurklub Sportfreunde Dorfmerkingen auf das international aufgestellte Ensemble aus Leipzig. Weil der heimische Sportplatz nur etwa 400 Zuschauer fasst, trägt der Sechstliga-Aufsteiger sein Spiel des Jahres im 20 Kilometer entfernten Aalen vor bis zu 14.000 Fans aus.

RB Leipzig: Was Ralph Hasenhüttl mit dem VfR Aalen verbindet

Zu dem dort ansässigen VfR, den Hasenhüttl ab 2011 zweieinhalb Jahre lang trainierte, hat der Österreicher noch immer ein intimes Verhältnis. „Aalen ist ein besonderer Ort in meiner Trainerkarriere gewesen, die erste Station, wo ich mit dem Aufstieg in die 2. Liga wirklich zählbaren Erfolg verbuchen konnte – das war für mich der wichtigste Schritt als Trainer”, sagt Hasenhüttl. Der Stadt und den Fans sei er noch immer „emotional verbunden. Das wird für mich ein besonderer Moment.”

Das gilt auch für RB-Urgestein Dominik Kaiser, der aus dem benachbarten Waldstetten stammt und ebenfalls noch immer gute Beziehungen in die Heimat pflegt. „Es gibt ein paar interessante Geschichten rund um dieses Spiel”, sagt Kaiser.

RB Leipzig: Dominik Kaiser hofft auf Einsatz in der alten Heimat

Zum Beispiel die: Mit Dorfmerkingens Torhüter und Kapitän Christian Zech kickte Kaiser einst zusammen bei Normannia Gmünd – Trainer war damals Alexander Zorniger. Obwohl die gemeinsame Saison bereits fast zehn Jahre zurückliegt, Zech sich für seinen Beruf als Maschinenbautechniker entschied, während Kaiser zum Bundesligaprofi avancierte, haben die früheren Kabinennachbarn Kontakt gehalten.

„Damit hat er selbst nicht gerechnet, dass er sich so gut entwickelt und es bis in die Bundesliga und die Champions League schafft”, staunt Zech. Nun hofft Kaiser vor vielen Bekannten Gesichtern auf einen Einsatz: „Ich würde es mir natürlich wünschen, vor der eigenen Haustür zu spielen. Aber der Trainer wird sicher nicht nach diesem Kriterium aufstellen.”

DFB-Pokal: So bereitet sich Dorfmerkingen auf RB Leipzig vor

Auch wegen der zahlreichen, guten Verbindungen herrsche in und um den 850-Einwohner-Ort „grenzenlose Euphorie”, berichtet Keeper Zech. „So etwas hat Dorfmerkingen noch nie erlebt – und so etwas werden wir wohl auch nie wieder erleben.” Laut Josef Schill, Chef-Organisator des Pokalspiels, werde nahezu jeder Dorfmerkinger am Sonntag dabei sein. Mit zwölf Bussen fahren die SfD-Fans gemeinsam nach Aalen. „Bis auf meine Frau – die muss aufpassen, dass keiner bei uns einbricht”, sagt Schill.

Um sich in dem ungleichen Duell nicht zu blamieren, organisierte SfD-Trainer Helmut Dietterle, Ex-Profi beim VfB Stuttgart und einst Sportdirektor in Aalen, eine hochprofessionelle Vorbereitung – auch mit Videostudium. So trainierte das Team um Goalgetter Fabian Weiß sechs Mal pro Woche – auch samstags.

Sportfreunde Dorfmerkingen: Training sogar in den Flitterwochen

Nur Torhüter Zech konnte sich nur wenige Tage mit der Mannschaft vorbereiten, weil er in den Flitterwochen auf den Bahamas war. Doch Zech war im Urlaub keineswegs untätig, sondern schuftete jeden Tag eine Stunde lang im Athletikraum des Hotels, währenddessen seine frisch angetraute Frau auf ihn verzichten musste. „Er hat sogar extra seine Hochzeitsreise wegen des Spiels abgebrochen”, weiß Kaiser.

So haben sich die Sportfreunde ein anspruchsvolles Ziel gesteckt: „Wir wollen nicht mit einer Mauertaktik agieren, sondern beweisen, dass wir auch über andere Mittel verfügen, als nur die Bälle lang nach vorn zu schlagen”, sagt Zech. „Wir wollen zeigen, dass auch im Amateurfußball guter Fußball geboten wird.”

Und ein persönliches Ziel hat der Torhüter auch: „Ich habe noch nie zweistellig verloren”, sagt er. „Und ich möchte, dass das auch so bleibt. Zehn Stück oder mehr zu kriegen, wäre bitter.” Das allerdings kollidiert mit Hasenhüttls Geburtstagswunsch, der gern ein zweistelliges Ergebnis als nachträgliches Präsent „sofort mitnehmen würde”. Das muss ohne den erkrankten Emil Forsberg sowie das weiter angeschlagene Trio Diego Demme, Bernardo und Ibrahima Konaté gelingen, die für das erste Spiel der Saison passen müssen. (mz)