RB Leipzig-Heimspiel

RB Leipzig-Heimspiel: Diese Waffe soll gegen Heidenheim helfen

Leipzig - Mit dieser Frage hatte Marvin Compper nicht gerechnet. Wann in seiner Karriere er die meisten Tore geschossen habe, wurde der Abwehrroutinier von RB Leipzig gefragt. „Das müssen so 80 bis 100 in einer Saison gewesen sein”, sagte Compper verschmitzt. „In der E-Jugend beim SV ...

Von Ullrich Kroemer

Mit dieser Frage hatte Marvin Compper nicht gerechnet. Wann in seiner Karriere er die meisten Tore geschossen habe, wurde der Abwehrroutinier von RB Leipzig gefragt. „Das müssen so 80 bis 100 in einer Saison gewesen sein”, sagte Compper verschmitzt. „In der E-Jugend beim SV Bühl.” 

Damals war der gebürtige Tübinger noch Stürmer gewesen. Als Compper nach hinten rückte, traf er deutlich seltener. In seinen zwölf Profijahren hat er es bisher auf lediglich 15 Treffer gebracht. Gleich zwei davon erzielte der 30-Jährige allerdings in den vergangenen vier Spielen seit dem Ende der Winterpause für RBL.

Standardsituationen als Stärke

Jüngst traf der langjährige Schüler von Trainer Ralf Rangnick beim 1:0 in Paderborn nach einer Ecke per Kopf. Zum Rückrundenauftakt gegen Eintracht Braunschweig hatte Compper nach einem Freistoß das 2:0 erzielt. Und gegen Union Berlin sammelte Compper noch einen Assist, als er seinem Innenverteidigerkollegen Willi Orban den Ball zum 2:0 auflegte.

„Es fühlt sich gut an, nach langer Zeit wieder zu treffen und der Mannschaft somit auch vorn helfen zu können”, sagte Compper nun vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim (Mittwoch, 17.30 Uhr). „Die Standardsituationen spielen wir zurzeit unheimlich gut”, sagte Compper.

Seitdem er und seine kopfballgefährlichen Kollegen gemeinsam mit den Standardschützen dafür einige Minuten mehr im Training verwenden, läuft es mit den ruhenden Bällen bei RB. Von den sechs Toren seit der Winterpause resultierten vier aus Standardsituationen. Compper sagt: „Auf diese Waffe können wir in Partien wie in Paderborn setzen, wenn es bei uns aus dem Spiel heraus nicht ganz reibungslos läuft.”

Comper hat gegen Nukan die Nase vorn

Dass RBL-Chefcoach Rangnick auch nach der Winterpause auf seinen einzigen Bundesliga erfahrenen Spieler setzt, hatte überrascht. Da auch der lange Atinc Nukan wieder voll im Saft steht, hatten viele mit einer Entscheidung für den acht Jahre jüngeren und fünf Millionen Euro teuren Türken gerechnet – auch mit Hinblick auf dessen künftige Bedeutung für die Leipziger.

Doch Rangnick entschied sich aus dem Bauch heraus für den einmaligen Nationalspieler Compper – und hat alles richtig gemacht. Der frühere Hoffenheimer zahlt das Vertrauen mit starker Fitness, konsequenten Abwehrleistungen und einer Top-Einstellung zurück – nicht nur vor dem Tor, sondern in jedem Training. Ob Compper allerdings auch gegen Heidenheim glänzen kann, ist noch ungewiss. Wegen einer Bauchmuskelzerrung setzte er am Montag mit dem Training aus. „Wenn Marvin noch etwas spürt, spielt Atinc”, stellte Rangnick klar.

Egal, mit welchem Innenverteidger: Auch in der Partie gegen Heidenheim wird RB wieder Geduld brauchen, um sich gegen die massierte Abwehr des in diesem Jahr noch ungeschlagenen Ligasiebten hindurch zu kombinieren. Doch auch in der Heidenheimer Offensive macht Rangnick „mit Marc Schnatterer, Robert Leipertz und Neuzugang Denis Thomalla viel Qualität” aus.

Heidenheim steht für Nachhaltigkeit

Die Kontinuität, mit der FCH-Trainer Frank Schmidt, den Rangnick noch als Spieler kannte, sowie Geschäftsführer Holger Sanwald den kleinen Klub von der Schwäbisch Alb seit Jahren entwickeln, beeindruckt Rangnick: „Der Verein steht für viel Nachhaltigkeit”, lobte er.

Die Punkte wollen die „Roten Bullen” natürlich trotzdem daheim behalten, um weiter in Richtung Bundesligaaufstieg zu marschieren. Die Stabilität dazu, glaubt Marvin Compper, hat das Team. „Wir müssten gefestigt genug sein, dass uns nichts mehr komplett aus der Bahn werfen kann”, sagte er. „Doch es sind noch 33 Punkte zu vergeben – rechnerisch ist also noch vieles möglich. Wir müssen weiter gierig sein, um den Deckel drauf zu machen. Diese Gier auf den Erfolg schweißt uns zusammen.” (mz)