Eil

Montagsspiele

RB Leipzig hat die meisten Montagsspiele, Fans reisen über 4300 Kilometer

Leipzig - Zu Tausenden fahren Fußballfans unter der Woche ihren Vereinen hinterher. In der Champions-League oder auch der Europa League. Internationale Reisen sind das Salz in der Suppe, dafür nehmen die Anhänger schon mal ein paar Tage Urlaub. Aber für ein Spiel in der zweiten ...

Von Clemens Boisserée 25.04.2016, 17:22
RB-Fans protestieren beim Montagsspiel in Düsseldorf gegen die langen Auswärtsfahrten unter der Woche. "Montags quer durchs ganze Land - Wo ist der Sinn, wo der Verstand?"
RB-Fans protestieren beim Montagsspiel in Düsseldorf gegen die langen Auswärtsfahrten unter der Woche. "Montags quer durchs ganze Land - Wo ist der Sinn, wo der Verstand?" imago sportfotodienst

Zu Tausenden fahren Fußballfans unter der Woche ihren Vereinen hinterher. In der Champions-League oder auch der Europa League. Internationale Reisen sind das Salz in der Suppe, dafür nehmen die Anhänger schon mal ein paar Tage Urlaub. Aber für ein Spiel in der zweiten Bundesliga?

Fans von RB Leipzig müssen dieses Opfer besonders häufig bringen, um ihren Verein zu unterstützen. Gleich vier Auswärtsspiele bescherten die Spielplanmacher der Deutschen Fußball-Liga (DFL) den Sachsen in der aktuellen Saison – allesamt echte Fernreisen. So musste RB montags nach Freiburg (650 Kilometer einfache Strecke), Karlsruhe (520), Kaiserslautern (500) und Düsseldorf (480) – wer als Fan all diese Spiele im Stadion sehen wollte, war also insgesamt knapp 4300 Kilometer unterwegs. Montags, für vier Auswärtsspiele in der zweiten Liga. 

Fanproteste in Düsseldorf

Klaglos nahmen die Bullen-Fans dies nicht hin. Beim letzten Wochenspiel in Düsseldorf protestieren die 300 Mitgereisten mit einem großen Banner und einer klaren Botschaft gegen die Ansetzungen: „Montags quer durchs ganze Land – wo ist der Sinn, wo der Verstand?“, fragten sie in Richtung der Liga.

Schaut man sich die Statistik an, die die MZ aus dem aktuellen Spielplan erstellt hat, ist die Kritik der RB-Anhänger gerechtfertigt. Keine andere Fanszene musste montags auch nur ansatzweise so viele Kilometer abreißen, um die eigene Mannschaft zu unterstützen. Auf Platz zwei liegt der SC Freiburg, die Breisgauer bestritten zwei Montagsspiele in der Fremde – gegen Braunschweig und Fürth – und mussten dafür rund 980 Kilometer einfache Strecke zurücklegen. Und: Kein anderer Verein außer RB musste überhaupt mehr als zwei Auswärts-Montagsspiele bestreiten. 

RB ist Quotenkönig

Die Erklärung dafür ist weniger bei der Liga, als beim Fernsehen zu suchen. Bereits seit 1993 gibt es die Montagsspiele, geschaffen als Live-Angebot für den damaligen Sportsender DSF (heute Sport 1). Zwar bleibt letztlich die DFL  für die Ansetzung verantwortlich, neben Sicherheitsaspekten hat aber vor allem der Wunsch des TV-Partners Gewicht.

"Wir geben der DFL mit Sechs-Wochen-Vorlauf eine Auswahl unserer bevorzugten Spielpaarungen", erklärt Stefan Thumm, Leiter Fußball bei Sport 1.  

Für den Sender sind Spiele unter RB-Beteiligung dabei von besonderem Interesse: "Für RB geht es im Aufstiegskampf noch um jeden Zähler", sagt Thumm und weiß: "Leipzig ist im TV ein echter Zuschauermagnet." In dieser Saison verfolgten bislang durchschnittlich 1,19 Millionen Zuschauer die Bullen-Spiele - ein Rekordwert.  

Nur ein Jahr keine Montagsspiele?

Zwar betont RB-Pressesprecher Benjamin Ippoliti: „Der Verein begrüßt Montagsspiele, sie sind fester Bestandteil des Spielplans in der zweiten Liga.” Den Fans fordern sie dennoch enorme Leidensbereitschaft ab. Rechnet man die mit Google Maps kalkulierten Pkw-Fahrzeiten zusammen, mussten Bullen-Fans unter der Woche über 65 Stunden im Auto verbringen. Denn neben den Montagsspielen mussten die Leipziger auch noch vier Partien an Freitagabenden bestreiten, darunter auf St. Pauli (400 Kilometer einfache Strecke) und in Heidenheim (420).

Mit dem Auswärtsspiel in Kaiserslautern hat das Montagsleiden für RB Leipzig nun vorerst ein Ende.. Sollte Rasenballsport wie erwartet aufsteigen, wären die Fans in der kommenden Bundesliga-Saison von solchen Reisen verschont. Doch womöglich währt die Freude gar nicht lange. Gerade erst hat die DFL entschieden, ab der Saison 2017/2018 Montagsspiele auch in der ersten Liga anzusetzen.