Fünf sieglose Spiele nacheinander

RB Leipzig: Fünf sieglosen Spielen nacheinander - Für RBL ist Europa Pflicht

Leipzig - RB Leipzig schwebt in der Gefahr, den internationalen Wettbewerb zu verpassen. Warum das eine schwere Hypothek für die kommende Saison wäre.

Von Martin Henkel 03.05.2018, 06:25

Die Gedanken sind gerade das Problem, wie die Zahlen, mit denen RB Leipzig sich herumschlagen muss. Der Vizemeister ist Tabellensechster, am Saisonende würde das die sichere Qualifikation für die Europa League bedeuten. Aber es sind ja noch zwei Partien offen - und die Konkurrenz ist nicht weit: Frankfurt hat einen Zähler Rückstand, Stuttgart zwei.

RB Leipzig hat es also in den eigenen Händen, aber die Füße wollen gerade nicht mehr wie sie sollen. Und auch der Kopf ist eine Problemzone. In fünf sieglosen Spielen nacheinander hat RB 18 Gegentreffer kassiert, zuletzt drei gegen Mainz.

Internationales Geschäft ist für RB Leipzig von elementarer Bedeutung

Ein „kopfloses“ Spiel attestierte Trainer Ralph Hasenhüttl seiner Mannschaft. Und jetzt sollen „vier Punkte“ her aus diesen zwei Partien gegen Wolfsburg am Samstag daheim und dem in Berlin eine Woche später, wie Sportdirektor Ralf Rangnick errechnete. Besser aber seien „zwei Siege“. Natürlich. Vier Punkte reichen nicht, sollte die Konkurrenz siegen oder Pokalfinalist Frankfurt noch von seinem siebten Rang rutschen.

Ach, das ewige Rechnen! Bei kaum einem anderen Klub sind die Zahlen so wichtig wie bei dem Red Bull gestützten Verein, der seinen Vorstoß in die deutsche Klubelite nach den Vorgaben eines Businessplanes verfolgt, und dafür stetig wachsen muss. Also auch stetig mehr Geld braucht.

Das internationale Geschäft ist deshalb von elementarer Bedeutung. Die Champions League wäre es, weil sie die Einnahmen deutlich erhöht. 18,45 Millionen Euro hat RB in dieser Saison an Prämien eingenommen. Hinzu kamen fast 21 Millionen Euro an TV-Geldern. Die Europa League ist bei einem Maximalgewinn von 15 Millionen Euro finanziell kein wirklicher Ersatz. Die von RBL erspielten 2,25 Millionen Euro an Prämien sind kaum der Rede wert. Aber sie erhöht die Attraktivität des Klubs.

Denn Spieler wie Timo Werner, Emil Forsberg oder Marcel Sabitzer richten ihren Verbleib in Leipzig mittlerweile ebenso an Wachstumsplänen aus. Zu denen gehören die Auftritte im Europapokal. Das Gleiche gilt für Zugänge, die RB dringend benötigt. Welcher Spieler, der internationales Format besitzt, soll anheuern, wenn RB in der kommenden Saison nur Bundesliga spielt?

Das finanzielle Engagement von Red Bull ist begrenzt

Über die Gehälter könnte man das lösen. Doch auch hier braucht es Zusatzeinnahmen, um sich auf dem Spielermarkt gegen die Konkurrenz behaupten zu können. Mit dem Geld von Red Bull allein ist das nicht zu stemmen.

Das milliardenschwere Getränkeunternehmen ist zwar zugleich Besitzer wie Hauptsponsor von RB, doch der Klub muss die niedrigbezinsten Red-Bull-Darlehen - Ende 2016: 83 Millionen Euro - zurückzahlen. Auch das finanzielle Engagement des Investors ist begrenzt, seit RB in Europa spielt und damit unter die Regeln Financial Fairplays (FFP) fällt. Für 30 Millionen Euro Bilanz-Unwucht darf Red Bull nur noch bürgen. Und das Hauptsponsoring, über das der Getränke-Riese weiteres Geld in seinen Klub pumpt, wird vom FFP beschnitten. Der Eigentümer darf sich selbst mittlerweile nicht mehr bezahlen, als die Werbeflächen auf dem Trikot oder im Stadion wert sind.

Die Europa League zu erreichen, ist deshalb Pflicht. Falls nicht, hat „das natürlich finanzielle Auswirkungen“, wie Rangnick bemerkte. Auch die Entwicklung des Kaders würde entschleunigt, wie Hasenhüttl sagte. „Es wäre sehr schade, wenn wir die gemachten Erfahrungen kommende Saison nicht nutzen könnten.“ Für das Spiel gegen Wolfsburg gibt es nach Ansicht des Trainers deshalb keine andere Alternative als: „Die Hütte muss brennen!“ Dafür muss der Kopf ebenso wie die Beine mitspielen. (mz)