Euphorie

RB Leipzig-Fans feiern ihre Mannschaft nach Remis gegen Borussia Mönchengladbach

Leipzig - Zwischen dem Bundesligaauftseiger und seinen Anhängern herrscht nach dem 4. Spieltag der 1. Fußball-Bundesliga beste Stimmung

Von Martin Henkel 21.09.2016, 21:30
Zweites Heimspiel - zum zweiten Mal ausverkauftes Haus in der Red Bull Arena Leipzig.
Zweites Heimspiel - zum zweiten Mal ausverkauftes Haus in der Red Bull Arena Leipzig. imago sportfotodienst

Ist alles harmonisch soweit gewesen in den vergangenen Wochen beim Aufsteiger und seinen Fans. Einziger Misston war die Hymne des Stadtsingers Basti Krumbiegel, die bei ihrer Stadionpremiere vor dem Spiel gegen Betis Sevilla ausgepfiffen wurde und anschließend ein beklagenswertes Außenseiterdasein fristete.

Krumbiegel und der Verein haben jetzt darauf reagiert. Und eine nachgebesserte Version an den Fans probiert – mit dem Erfolg, dass sie Pfifffrei über die Bühne ging. Krumbiegel, der die Strophen im alten Lied alleine singt, hat seine Stimme in der neuen Variation in einem Chor versenkt.

So ging die Partie los, und hätte sie mit einem Sieg der Leipziger geendet, man hätte Krumbiegels Werk auch in der Originalfassung spielen können – es wäre mit Sicherheit einfach so durchgelaufen.

Denn das Publikum schien lange Zeit wie im Rausch. Schon wieder eine Führung. Der nächste Sieg lange zum Erblicken nah. Und das nach dem BVB erneut gegen einen Champions-League-Teilnehmer.

Ist für die Leipziger ja alles auch nicht gerade leicht zu begreifen, was da beim Aufsteiger so abgeht. Gegen Dortmund gewonnen, gegen den HSV gewonnen, gegen Hoffenheim in der letzten Minute ausgeglichen.

Natürlich ist das Stadion ausverkauft gewesen. Und man ließ sich auch dieses Mal nicht lumpen und zeigte den Gästen und deren Fans, was geht in der alten Lok-Chemie-Fußballstadt. Es wurde von der ersten Minute an durchgesungen, getanzt und gebrüllt, geklatscht.

In der 16. Minute hielten die Fans im Block B Schilder mit der 16 über ihre Köpfe. Eine Hommage an Leipzigs Nummer 16, Lukas Klostermann, der gestern an seinem gerissenen Kreuzband operiert wurde.

Im Verhältnis zum Gästeblock ist das lange ein lupenreiner Heimsieg gewesen. Nicht nur, weil die Gladbacher aus Protest gegen den angeblichen Kommerzklub 19 Minuten lang schwiegen – 19 Minuten, die auf das Gründungsjahr der Borussen anspielten. Sondern weil nach einem kurzen Aufgesang ab Minute 20 von den Gladbacher Anhängern nicht viel zu sehen und zu hören war. Bis auf zwei monströse Banner, die an den Rangbegrenzungen festgemacht waren. Drauf stand: „Tradition seit 1900“.

Dass es am Ende noch zu einem 1:1 für die Gäste reichte, ist für das gerade verwöhnte Leipziger Publikum dann doch eine neue Herausforderung gewesen. Aber es meisterte sie in Minutenschnelle. Nach dem Abpfiff feierte die Kurve mit der Mannschaft und die Mannschaft mit ihr. Als hätte RB Leipzig gewonnen. Keine Störungen also, trotz spätem Ausgleich. Die Harmonie in der Stadt zwischen Klub und Fans steht. Und jetzt auch mit neuer, alter Hymne. (mz)