Transfers und Ziele

RB Leipzig: Das sind Ralf Rangnicks Pläne für die Bundesliga

Leipzig - Als Ralf Rangnick am Montagnachmittag erstmals öffentlich über den Aufstieg von RB Leipzig sprach, zeigte sich der 57-Jährige einsichtig. „Der Reflex, einfach wegzurennen und einen Haken zu schlagen, war in dem Moment nicht die beste Idee“, sagte der ...

Von Ullrich Kroemer 10.05.2016, 06:00
Voller Einsatz an der Seitenlinie war gestern: Ralf Rangnick zieht sich in die Position des Sportdirektors zurück.
Voller Einsatz an der Seitenlinie war gestern: Ralf Rangnick zieht sich in die Position des Sportdirektors zurück. imago sportfotodienst

Als Ralf Rangnick am Montagnachmittag erstmals öffentlich über den Aufstieg von RB Leipzig sprach, zeigte sich der 57-Jährige einsichtig. „Der Reflex, einfach wegzurennen und einen Haken zu schlagen, war in dem Moment nicht die beste Idee“, sagte der Aufstiegstrainer.

Weil er versucht hatte, der „Unsitte“ einer Bierdusche zu entkommen, war eine alte Muskelverletzung im Oberschenkel aufgebrochen, die sich Rangnick Mitte der 1990er Jahre als Trainer des SSV Reutlingen beim Wasserskifahren zugezogen hatte.

Visionär und Pragmatiker

Doch angesichts der glänzenden Zukunft, in die Rangnick den aus Salzburg finanzierten Klub geführt hat, konnte er am Tag nach der Jubel-Panne schon wieder lachen. „Das war sicher die Verletzung, die uns in der gesamten Saison am wenigsten geschadet hat“, sagte er. Und so richtete Rangnick – Visionär und Pragmatiker gleichermaßen – den Blick schon in Richtung Bundesliga.

Was die Transferplanungen angeht, wurde er dabei bereits konkreter als zuletzt. „Seit gestern wissen wir, für welche Liga wir planen. Und diese konkrete Planung beginnt heute“, sagte Rangnick. „Schön wäre es, wenn wir schon in zwei, drei, maximal vier Wochen wüssten, wie der Kader endgültig aussieht.“

Dabei gab Leipzigs Macher auch die Zahl der angedachten Neuverpflichtungen für die erste Liga preis: sechs, höchstens sieben neue Spieler sollen kommen. Auf welchen Positionen hängt auch davon ab, welche Akteure den Verein verlassen wollen oder müssen.

Kaderplätze 16 bis 22

Dass RB Leistungsträger ziehen lassen muss, ist indes höchst unwahrscheinlich, eigentlich ausgeschlossen. Rangnick bekräftigte noch einmal, dass er seiner Aufstiegsmannschaft weiterhin vertraue, lediglich die Kaderplätze 16 bis 22 neu besetzen wolle. Neben den eingeplanten Abgängen von Benjamin Bellot, Georg Teigl und Stefan Hierländer ist die Zukunft von Anthony Jung, Rani Khedira und Nils Quaschner fraglich.

Bereits in den vergangenen Wochen haben sich Rangnick und der neue Trainer Ralph Hasenhüttl über mögliche Neuverpflichtungen ausgetauscht: „Wir werden jeden Spieler gemeinsam holen. Es wird keinen einzigen Transfer geben, der nicht zwischen uns abgestimmt ist“, sagte Rangnick.

Volland, Embolo oder andere

Auf der Einkaufsliste sollen unter anderem Nationalspieler Kevin Volland und Juwel Breel Embolo vom FC Basel stehen. Falls ein Spieler gute Chancen hat, seinen Marktwert um das Doppelte oder Dreifache zu steigern, ist auch eine Investition von mehr als 20 Millionen für einen entwicklungsfähigen Ausnahmeakteur nicht unmöglich, heißt es aus dem Verein. Rangnick sagte: „Wir werden mit großer Wahrscheinlichkeit die jüngste Mannschaft in der Bundesliga haben, wenn es mit den Neuzugängen so klappt, wie ich mir das vorstelle.“

Der Schwabe ist zwar ehrgeizig und erfolgsbesessen, aber nicht unrealistisch. Als Bayern-Jäger betrachtet er seinen Klub daher zunächst nicht. „Wir sind absoluter Neuling in der Bundesliga und wollen uns mit unserem Fußball dort zunächst so schnell wie möglich zurechtfinden“, sagte der studierte Sport- und Englischlehrer.

„Mit einem guten Saisonstart wollen wir dafür sorgen, dass wir nicht mit den hinteren Plätzen zu tun haben.“ Mit einer Platzierung auf Rang zehn, wo aktuell der FC Ingolstadt steht, wäre Rangnick absolut zufrieden. „Wenn wir am Saisonende sagen könnten, dass wir nie mit dem Abstieg in direkter Berührung gekommen sind, würde ich das jetzt sofort unterschreiben.“

Europapokal?

Europapokal-Ambitionen würde RB Leipzig demnach erst im Jahr darauf hegen. Doch freilich hat der Verein fußballerisch andere Ansprüche als der FC Ingolstadt mit einem der niedrigsten Etats der Liga. „Das Tempo wird in der Bundesliga deutlich zunehmen, das taktische Niveau auch. Das, was uns jetzt stark gemacht hat, müssen wir auf ein noch höheres Niveau bringen“, sagte Rangnick.

Möglichst attraktives Spiel ist dabei für Rasenballsport auch Mittel zum Zweck, um das bundesweit noch ausbaufähige Image weiter zu verbessern. „Uns bleibt, konsequent unseren Weg zu gehen und möglichst attraktiven Fußball zu spielen, bei dem auch Fans anderer Klubs sagen: ,Hey, nicht so schlecht, was die spielen‘“, sagte Rangnick.

Diese Strategie hatte einst auch bei der TSG Hoffenheim gut funktioniert, als der Klub nach dem Aufstieg 2008 die Bundesliga aufmischte. Damit das mit RBL ähnlich gelingt, soll auch Ralph Hasenhüttl neue Impulse bringen. Und auch Rangnick kann sich als Sportdirektor wieder mehr um die Weiterentwicklung des Spielsystems kümmern, als im zehrenden Aufstiegskampf mit der Doppelbelastung. „Wir setzen auch darauf, dass uns die neuen richtig Qualität bringen und sich das Trainingsniveau weiter steigert“, sagte Rangnick.

Anders als beim Jubeln trifft Rangnick in seinem Job als Sportdirektor meist die richtigen Entscheidungen.  

 MZ-Autor Ullrich Kroemer präsentiert mit „Aufstieg ohne Grenzen” das erste Buch zur Vereinsgeschichte von RB Leipzig: von der Gründungsphase über die sportlich wechselhaften Jahre in der Regionalliga bis zum Aufstieg in die Bundesliga. Auch durch zahlreiche Interviews entsteht ein facettenreiches Vereinsporträt mit allen spannenden, darunter auch kritischen Themen rund um den Klub.