RB-Fanclub Brausecrew

RB-Fanclub Brausecrew: 16 Berliner stehen zu RB Leipzig

Leipzig - 8000 bis 10.000 Fans von RB Leipzig werden am Samstag beim Auswärtsspiel bei Hertha BSC in Berlin (18.30 Uhr) erwartet. Nachdem in dieser Saison jeweils etwa 8000 RB-Anhänger in Dortmund und München zu Gast waren, wollen die RB-Fans einen neuen Auswärtsrekord aufstellen. Beim Kurznachrichtendienst Twitter gibt es dafür einen eigenen Hashtag: ...

Von Ullrich Kroemer

8000 bis 10.000 Fans von RB Leipzig werden am Samstag beim Auswärtsspiel bei Hertha BSC in Berlin (18.30 Uhr) erwartet. Nachdem in dieser Saison jeweils etwa 8000 RB-Anhänger in Dortmund und München zu Gast waren, wollen die RB-Fans einen neuen Auswärtsrekord aufstellen. Beim Kurznachrichtendienst Twitter gibt es dafür einen eigenen Hashtag: #10000Leipziger.

Bei Leipzigs Premiere im Olympiastadion werden am Samstagabend auch 16 Anhänger dabei sein, die gar nicht von außerhalb anreisen müssen, sondern das ganze Jahr über die rot-weißen Fahnen in Berlin hochhalten. Die seit September 2014 bestehende Brausecrew ist der erste und einzige RB-Fanclub in der Hauptstadt.

Hasskommentare und Androhungen von RB-Feinden bei Twitter

Gefunden haben sich Rasenballsport-Anhänger beim ersten Auswärtsspiel von RB bei Union Berlin in der Alten Försterei. Fast alle Mitglieder stammen aus Leipzig oder der Region; doch sogar einen gebürtigen Berliner gibt es mittlerweile im Klub. Gründungsmitglied Doreen Schneider sagt: „Wir wählen unsere Mitglieder sehr genau aus, haben da einen gewissen Anspruch.” Zuerst trifft man Interessenten bei einem Heimspiel in Leipzig, danach dürfen potenzielle Mitglieder mal mit zum Treff in der Stammkneipe im Prenzlauer Berg kommen, wo die Brausecrew die Auswärtsspiel der Leipziger verfolgt. Sogar Fahnen, Schals und Wimpel der „Roten Bullen” sind dort gestattet. Sowohl der Kneipier als auch die übrigen Gäste hätten sich an die RB-Fans gewöhnt und gingen offen mit dem in vielen Fanszenen so verhassten Klub um.

Wo genau sich der Fanclub trifft, will Doreen Schneider jedoch lieber nicht preisgeben. „Wir haben über Twitter bereits Hater-Kommentare und Androhungen bekommen”, sagt die 36-Jährige. Mit Trikot oder Schal würde sie sich lieber nicht öffentlich auf der Straße zeigen. Als RB-Fan in Berlin müsse man seiner Leidenschaft „mit Obacht” nachgehen. „Da würden in jedem Fall Anfeindungen kommen”, sagt Schneider. „Es ist die Frage, ob es bei Sprüchen bleiben würde.” Auch am Samstag ziehen die Brausecrew-Mitglieder ihre Trikots erst im Stadion an oder verstecken die Fanutensilien so, dass sie niemand sieht. 

Leidenschaft für RB Leipzig, Strategie und friedliche Fankultur

Für ihre Liebe zu RB Leipzig nennt die gebürtige Leipzigerin vor allem drei Gründe. „Dass meine Heimatstadt wieder auf der Fußball-Landkarte vertreten ist, finde ich großartig”, sagt sie. Dass ein Leipziger Klub regelmäßig in der Sportschau gezeigt werde, sei lange unvorstellbar gewesen. „Und dass wir nächste Saison international dabei sind, kann ich auch noch nicht glauben”, sagt Schneider. „Ich muss wahrscheinlich erst in den ausländischen Stadien stehen, um das wirklich zu begreifen.”

Zum zweiten begeistert die Key-Account-Managerin aus der IT-Branche die „sehr professionelle Vereinsführung und –struktur”. Die RB-Bosse hätten „einen Plan und ein Konzept und folgen dem mit klarem Blick”, sagt sie. Die Proteste von außen wandelten „der Verein und die Fans gemeinsam in etwas Positives um”.

Keine Angst vor Pyrotechnik und Gewalt bei RB Leipzig

Und drittens: „Ich kann entspannt zum Fußball gehen”, sagt sie. „Ich muss bei RB keine Angst haben, dass Pyro abgefackelt wird oder sich jemand auf die Schnauze haut.” In den 1990er Jahren hat sie das als Teenagerin bei Stadionbesuchen mit ihrem Vater beim VfB Leipzig anders erlebt. Die Werte, für die die Brausecrew einsteht, haben die Exil-Berliner auf ihrer Webseite festgehalten. „Gegenseitiger Respekt und Toleranz sind für uns grundsätzliche Voraussetzungen für ein Miteinander. Wir lehnen Diskriminierung und Gewalt ab”, steht da.

RB-Leipzig-Fanclub mit eigenem Podcast

Bereits aktuell gehört die Berliner Fanvertretung mit eigenem Podcast und regelmäßig genutztem Twitter-Profil zu den aktiveren RB-Fanclubs. Dazu soll demnächst noch ein Fußball-Quiz kommen, dass die Berliner in einer Leipziger Location planen. Fehlt nur noch der Status als offizieller Fanclub (OFC), den die Berliner Anhänger mit ironischen Kommentaren immer wieder per Twitter einfordern. Doch Enrico Hommel, Fanbeauftragter bei RB, besucht die Brausecrew in der kommenden Woche – wohl mit überraschenden Nachrichten im Gepäck. (mz)