Hasenhüttl unzufrieden

Ralph Hasenhüttl unzufrieden: RB-Coach redet über das Schalke-Spiel

Leipzig - Schalke 04 - RB Leipzig: Ralph-Hasenhüttl-Reaktion nach dem Spiel auf Schalke

Von Martin Henkel
RB-Trainer Ralph Hasenhüttl imago sportfotodienst

Ein Abendbrot und ein Frühstück hatte Ralph Hasenhüttl Zeit, das 1:1 (0:1) von RB Leipzig auf Schalke am Sonntag zu verdauen. Nicht des einen Punktes wegen, das Ergebnis war schließlich kein Drama. Sondern der zwei womöglich hergeschenkten Zähler.

Denn nach einer dominanten ersten Halbzeit, in der Timo Werner mit dem Kopf nach Flanke von Bernardo das 1:0 und sein insgesamt 17. Saisontor erzielt hatte, sah alles nach dem fünften Sieg im fünften Spiel en suite aus. Klaas-Jan Huntelaar aber verwertete keine 60 Sekunden nach Wiederanpfiff einen Einwurf zum Endstand, an dem der Trainer von RB Leipzig dann doch zu kauen hatte.

Am Montag auf dem Trainingsplatz sagte Hasenhüttl: „Ich hätte mal nicht gedacht, dass man mit einem Punkt auf Schalke nicht hundertprozentig zufrieden sein kann. Aber gestern war es so. Wir hatten den Gegner gut im Griff. Wir haben sie gleich gestresst und erzielen das erste Tor. Umso ärgerlicher ist es, dass wir nach der Halbzeit einen toten Gegner wieder aufbauen.“

Der Abstand zu den Konkurrenten um die direkte Qualifikation für die Champions League ist trotzdem immer noch komfortabel. Sieben Punkte sind es auf Hoffenheim, sechs auf Dortmund. Gewinnt RB sein Heimspiel Samstag gegen Ingolstadt (15.30 Uhr) und gewinnt die TSG einen Tag später (17.30 Uhr) daheim nicht gegen Frankfurt, ist RB der dritte Platz nicht mehr zu nehmen. Also auch nicht das Ticket in die Königsklasse. Dennoch haderte der Österreicher. Ralph Hasenhüttl sagte über...

RB-Trainer Ralph Hasenhüttl: „Wir sind auch nicht mehr so ins Eins-zu-Eins gegangen“

... die Anzeichen von Müdigkeit in der zweiten Halbzeit: „Wir waren eigentlich nicht müde. Der Gegner hat nach dem 1:1 die zweite Luft bekommen. Er hat seinen Treibstoff dann aus dem Adrenalin gezogen und nicht mehr aus der Kernsubstanz. Dann wurde es auf Schalke laut und wir waren davon ein bisschen beeindruckt, dass der Gegner wieder da war. Wir waren auch nicht so inaktiv nach dem Ausgleich. Aber uns hat die Zielstrebigkeit gefehlt, wir haben Tiefgang vermissen lassen, der uns eigentlich auszeichnet und uns am eigenen Ballbesitz ein wenig ergötzt. Das ist eigentlich nicht so unser Ding, das wollen wir nicht.“

.... Selbstgefälligkeit: „Es war so, dass Timo Werner sich auf links hat fallen lassen und sich so etwas aus dem Spiel genommen hat. Wir sind auch nicht mehr so ins Eins-zu-Eins gegangen. Aber du musst auch immer das Risiko abwägen. Du musst wissen, gegen wen du da spielst. Dann war die Kulisse auch noch da, da fehlt dann vielleicht das allerletzte Risiko. So kommen solche Spiele dabei heraus.“

... die Folgen, wenn RB Leipzig nicht mit letzter Konsequenz seine Partien bestreitet: „Wir wollen unseren Stil gar nicht dahingehend perfektionieren, dass wir ständig Dominanz ausstrahlen oder Kontrolle haben wollen. Eigentlich ist es schon so, dass wir es dem Gegner gar nicht immer so schwer machen, in Ballbesitz zu kommen.

Weil wir ja auch selber gern umschalten. Und wenn du Situationen abschließt, ist es klar, dass der Gegner den Ball wieder hat. Es mag aber sein, dass wir irgendwann mal in die Richtung kommen wollen, dass wir mit viel Ballbesitz den Gegner laufen lassen und beherrschen. Gerade wenn er müde ist. Das haben wir auch gegen Schalke in der 1. Halbzeit gut gemacht. Es war eine Mischung aus müde laufen lassen durch Ballbesitz. Und zielstrebig nach vorne spielen.“

RBL-Coach Ralph Hasenhüttl zweifelt an Schalke-Trainer Markus Weinzierls Ausrede

... die Aussage von Schalke-Trainer Markus Weinzierl, das 1:1 sei auch dem Umstand geschuldet, dass seine Mannschaft durch die Teilnahme an der Europa League 15 englische Wochen gehabt hätte: „Ganz ehrlich: Nächstes Jahr gibt es vermutlich die umgekehrte Situation. Und dann schauen wir mal, ob wir dann auch 24 Punkte hinter Schalke sind. Klar, es ist schon so, dass man Doppelbelastungen hat. Aber dafür haben die jeweiligen Klubs ja auch den Kader. Das wird uns nächstes Jahr auch blühen. Ich habe keine Angst davor und werde das nicht als Ausrede hernehmen, wenn es mal nicht so läuft.“

... Timo Werners komplizierten Auftritt auf Schalke nach seiner Schwalbe im Hinspiel: „Ich fand es gut, dass er bereit war für dieses Spiel. Die Woche davor hätte er sich die fünfte Gelbe Karte holen können. Aber das ist nicht sein Style und auch nicht der des Vereins. Wir wollen uns unseren Herausforderungen stellen. Ich habe ihn unter der Woche auch mal in die zweite Mannschaft gestellt, um seine Reaktion zu sehen. Und diese Reaktion war die, die ich sehen wollte. Er war richtig sauer. Und hat mir gezeigt, dass er unbedingt spielen will. Ich fand seinen Auftritt abgeklärt.“

... den Lehrgehalt des Remis: „Solche Spiele sind notwendig. Wir brauchen diese Erfahrungen, weil wir sie gut verwenden können. Es wird uns nicht noch mal passieren, dass wir in so einem Stadion gegen so einen Gegner sorglos aus der Halbzeit kommen.“ (mz)