Prädikat: Schwer zu besiegen

Prädikat: Schwer zu besiegen: Mit Zwei-Zähler-Schnitt in die Champions League

Leipzig - RBL-Boss Mintzlaff bilanzierte: „Wir sind in der Bundesliga angekommen.”

Von Ullrich Kroemer
Die RBL-Spieler feiern. Bisher sind sie noch ungeschlagen, können sie ihre Serie gegen Augsburg ausbauen? dpa-Zentralbild

Das Adjektiv „zufrieden” gehört eigentlich nicht zum Wortschatz von RB Leipzig. Ein Klub, der mit so viel Know-how, einer klaren Strategie und Geld an die Bundesligaspitze drängt, begnügt sich schließlich selten mit dem Ist-Zustand. Doch nach dem 1:1 (1:1) beim 1. FC Köln waren alle Beteiligten ausnahmsweise mal einen Abend lang einfach nur „zufrieden”. Präsident Oliver Mintzlaff ebenso wie Trainer Ralph Hasenhüttl sowie die Spieler Dominik Kaiser und Marvin Compper.

Das hatte vor allem damit zu tun, dass die Leipziger auch im fünften Spiel in Serie nicht zu schlagen waren und weiter zu dem Quartett gehört, das noch keine Partie verloren hat. Auch unter erschwerten Bedingungen gegen das bisherige Überraschungsteam Köln sowie die lautstarke Anti-RB-Stimmung in und um das Stadion hielt der Bundesliga-Neuling stand. Dafür gab es Lob vom ehrgeizigen Klubboss Oliver Mintzlaff. „Wir haben fünf schöne Fußballfeste erlebt, sind in der Bundesliga angekommen”, sagte Leipzigs Multifunktionär.

  Mutiges Experiment von Trainer Hasenhüttl   

So stand denn auch Kapitän Dominik Kaiser gut gelaunt in den Katakomben des Kölner Stadions und war einfach mal „zufrieden” mit dem Start in die 1. Liga. „Wir müssen uns überhaupt nicht verstecken, sondern stehen defensiv sehr konstant und stabil”, sagte Kaiser. „Es macht einfach Spaß, dass wir das Spieltag für Spieltag so auf den Platz bekommen. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir das auch in den nächsten Wochen gut machen werden.”

Bei der Reifeprüfung in Köln hatten die Leipziger auch standgehalten, obwohl gleich vier neue Spieler in der Anfangsformation standen. Erstaunlich, weil Trainer Ralph Hasenhüttl in den Partien zuvor mehr auf die einstudierten Automatismen gesetzt hatte. Doch zum Abschluss der englischen Woche wagte der Österreicher ein durchaus riskantes und mutiges Experiment und ließ die zuletzt bärenstarken Timo Werner und Yussuf Poulsen ebenso auf der Bank gelassen, wie „Sechser” Diego Demme und den starken Bernardo.

Hasenhüttl korrigiert Überraschungsaufstellung

„Wir wollten den Gegner überraschen und haben gut begonnen”, sagte Hasenhüttl und erklärte: „Wir haben Speed auf der Bank gelassen, wollten eher vor die Abwehr spielen. So ist auch das erste Tor entstanden.” Doch es dauerte nicht lange, „bis der Gegner die richtigen Lösungen hatte und versuchte, uns in die Defensive zu drängen”. Hasenhüttl reagierte, stärkte mit der Einwechslung von Bernardo die rechte Abwehrseite und brachte bis auf Demme alle Genannten peu á peu in die Partie.

Zwar musste sich Hasenhüttl korrigieren, nachdem der Überraschungseffekt verpufft war und Köln zwischen 15. und 55. Minute das Spiel diktierte. Doch die Erkenntnis blieb, dass RB auch mit vier Neuen bestehen kann. „Man hat heute in diesem schweren Spiel gesehen, wie breit wir besetzt sind, und dass die Jungs, die zuletzt weniger gespielt haben, die anderen nahtlos ersetzen”, sagte Innenverteidiger Marvin Compper.

Compper: „Hatten am Ende mehr im Tank als Köln”

Der Routinier der Leipziger beschrieb gewohnt analytisch, wie das Spiel in der zweiten Hälfte wieder zugunsten von RB kippte: „Das Entscheidende war, dass wir in der zweiten Hälfte mehr Druck auf den Ball und die Verteidiger von Köln gemacht haben. Dementsprechend konnten sie nicht mehr in Ruhe die langen Bälle hinter unsere Abwehr schlagen.” Sicher war es auch ein Faktor, dass die Kölner nach dem hohen Tempo der Anfangsphase nicht mehr in der Lage waren, noch zuzusetzen.

Anders die topfitten Leipziger. „Wir hatten am Ende noch mehr im Tank als Köln, haben das Spiel komplett in deren Hälfte verlagert”, sagte Compper. „Es ist zwar schade, dass wir nicht noch das zweite Tor machen konnten. Aber das alles Entscheidende ist, dass wir keinen Gegentreffer mehr kassiert haben.”

Europapokal-verdächtiger Start

So zog nicht nur Compper vor dem sechsten Spieltag an diesem Freitag gegen Augsburg (20.30) „eine Klassebilanz”. Der frühere Hoffenheimer sagte: „Wir wollen uns auch im weiteren Saisonverlauf das Prädikat aufrecht erhalten, schwer zu besiegen zu sein.”

Spielführer Kaiser gab vor der Partie gegen die unangenehmen Augsburger das Ziel aus: „Natürlich wollen wir gegen Augsburg gewinnen, und dann wären wir bei zwölf Punkten.” Gelänge tatsächlich der dritte Saisonerfolg, ginge RB mit einem Zwei-Zähler-Schnitt in die Länderspielpause; Klubs, die das über eine gesamte Saison hinweg halten können, schafften in den vergangenen zehn Jahren immer die Qualifikation für die Champions League. So weit denkt bei RB freilich noch keiner. Doch der Start ist in jedem Fall schon einmal Europapokal-verdächtig. (mz)