Poulsen: „Mit mehr Herz verteidigen”

Poulsen: „Mit mehr Herz verteidigen”: RB Leipzig auf der Suche nach der Null

Köln/Leipzig - Torhüter Peter Gulacsi pustete erst einmal tief durch, als er vom Rasen die Treppen herunter in die Katakomben des Kölner Stadions kam. Einerseits lag in dem Seufzer jede Menge Erleichterung, dieses so wichtige Auswärtsspiel beim starken Tabellenletzten mit 2:1 (1:0) gewonnen und vor der Länderspielpause Rang vier erobert zu haben. Andererseits ärgerten sich Gulacsi und die Kollegen auch darüber, wieder nicht zu Null gespielt zu haben, wodurch die letzten zehn Minuten der umkämpften Partie wieder zur Zitterpartie ...

Von Ullrich Kroemer 02.10.2017, 09:48
Die Leipziger Emil Forsberg (l.-r.), Yussuf Poulsen und Kevin Kampl feiern das 2:0 gegen den 1. FC Köln.
Die Leipziger Emil Forsberg (l.-r.), Yussuf Poulsen und Kevin Kampl feiern das 2:0 gegen den 1. FC Köln. dpa

Torhüter Peter Gulacsi pustete erst einmal tief durch, als er vom Rasen die Treppen herunter in die Katakomben des Kölner Stadions kam. Einerseits lag in dem Seufzer jede Menge Erleichterung, dieses so wichtige Auswärtsspiel beim starken Tabellenletzten mit 2:1 (1:0) gewonnen und vor der Länderspielpause Rang vier erobert zu haben. Andererseits ärgerten sich Gulacsi und die Kollegen auch darüber, wieder nicht zu Null gespielt zu haben, wodurch die letzten zehn Minuten der umkämpften Partie wieder zur Zitterpartie wurden.

Es war den Leipzigern schon bewusst, dass die Begegnung beim Tabellenletzten, der bis zum Schlusspfiff bravourös kämpfte und phasenweise tollen und gefährlichen Kombinationsfußball bot, auch hätte anders ausgehen können. Elf Gegentore in zehn Spielen hat RB in dieser Saison wettbewerbsübergreifend kassiert, nur beim HSV und gegen Dorfmerkingen stand die Null.

So monierte etwa Stürmer Yussuf Poulsen: „Wir müssen lernen, dass wir nicht so viele Gegentore bekommen. Das war unsere große Stärke im vergangenen Jahr. Wir müssen mit etwas mehr Herz verteidigen und auch die Effizienz vor dem Tor verbessern. Da fehlt es im Moment etwas.”

Yussuf Poulsen: Neue Spieler müssen sich „erst in das System finden”

Als Ursache dafür machten die RB-Spieler und –Verantwortlichen das zu wenig effiziente Gegenpressing nach Ballverlusten aus. Zum einen ist das Netz, das Leipzigs Spieler um den ballführenden Akteur des Gegners bilden, derzeit nicht dicht genug; immer mal wieder rutschen Ball und Spieler hinter die letzte Reihe; zudem lassen sich die Abwehrspieler in Eins-gegen-Eins-Situationen zu leicht düpieren. Beim Anschlusstreffer in Köln rannten sich Lukas Klostermann und Kevin Kampl über den Haufen, wie Trainer Ralph Hasenhüttl das formulierte. Poulsen erklärte: „Wir haben auch neue Spieler, die sich erst in das System finden müssen. Dann passt die Synchronität im Pressing noch nicht ganz so gut, wie das im letzten Jahr war.”

Und auch Sportdirektor Ralf Rangnick, der nach sieben Spielen eine erste Bilanz zog, forderte: „Wir müssen unser Spiel gegen den Ball verbessern. Wenn der Gegner in unsere Hälfte kommt, verteidigen wir als Mannschaft nicht so, wie wir das vergangenes Jahr gemacht haben. Da ist Luft nach oben, da können wir uns verbessern.” Zum Vergleich: In der Spielzeit 2016/17 hatte RB insgesamt zehn Mal kein Gegentor kassiert.

RB Leipzigs Sportdirektor Rangnick: „Länderspielpause enorm wichtig”

Hasenhüttl machte dafür auch die fehlende Zeit für die Feinabstimmung als Ursache aus. „Wir haben im Moment ein großes Problem, nämlich dass wir in den vergangenen Wochen sehr wenig trainieren konnten. Wir merken, dass gewisse Dinge nicht funktionieren, haben aber keine Möglichkeit, im Training darauf zu reagieren, um den Jungs Hilfen an die Hand zu geben”, so der Österreicher. Wir brauchen jetzt diese zwei Wochen, um an den Basics zu arbeiten. Kombiniert mit der Tatsache, dass wir mental etwas müde sind und die notwendige Frische fehlt, sind das die Hauptgründe, weshalb wir es gerade nicht schaffen, so stabil zu stehen.”

Deswegen sei laut Rangnick die kommende Woche in der Länderspielpause enorm wichtig, um sich auf das schwere Match bei Tabellenführer Borussia Dortmund vorzubereiten. „Es ist für unser Spiel enorm wichtig, dass wir nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis mit den Spielern arbeiten können”, sagte der Sportdirektor. „Dazu brauchen wir die Trainingseinheiten.”

Eine Weiterentwicklung im Vergleich zum vergangenen Spiel bei Besiktas Istanbul machte Emil Forsberg aus. Der filigrane Spielmacher, der den Kampf in Köln annahm, sagte: „Wir haben heute schon ein bisschen gezeigt, dass wir daraus schon gelernt haben, haben viele Zweikämpfe geführt und füreinander gearbeitet.” Der Schwede, glücklich über den zweiten Auswärtssieg, formulierte positiv skandinavisch: „Ich bin auch nicht zufrieden, weiß auch, dass ich besser spielen kann. Aber wichtig ist, dass die Mannschaft die Punkte holt, danach kommt alles weitere. Ich mache mir keine Sorgen und habe keine Zweifel: Ich weiß, wir kommen jetzt langsam wieder.” (mz)